Antwort des Arbeitsministeriums 410.000 Hartz-IV-Haushalte zahlen bei Wohnkosten drauf

Rund 410.000 Hartz-IV-Haushalte in Deutschland müssen mehr für Wohnkosten wie Strom oder Gas ausgeben, als sie dafür von den Sozialbehörden erhalten. Das geht aus einer Antwort des Arbeitsministeriums an die Linke im Bundestag hervor.

Urteil zu Hartz IV Staat muss Wohnkosten nicht voll uebernehmen
Sozialwohnungen: Rund 410.000 Hartz IV-Haushalte haben höhere Wohnkosten als sie erstattet bekommen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Mehrere hunderttausend Hartz-IV-Haushalte in Deutschland geben nach Angaben der Bundesregierung mehr für Wohnkosten aus, als sie von den Sozialbehörden für diesen Zweck erhalten. Das berichten die Funke-Medien unter Berufung auf eine Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken.

"Wohnkostenlücke" von 460 Millionen Euro

Dem Bericht zufolge hätten in rund 410.000 Bedarfsgemeinschaften die laufenden Kosten etwa für Strom und Gas höher gelegen, als von den Ämtern anerkannt worden sei. Das sei ein Anteil von 14 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften.

Die sogenannte Wohnkostenlücke, also die Gesamtdifferenz zwischen entstandenen und anerkannten Kosten in Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften, summierte sich demnach innerhalb eines Jahres auf rund 460 Millionen Euro. Berücksichtigt worden sei der Zeitraum von Dezember 2020 bis November 2021, heißt es in dem Bericht.

Jeder siebte Haushalt zahlt drauf

Caren Lay, Die Linke, spricht im Bundestag
Linke-Sozialpolitikerin Lay: "Jeder siebte Hartz-IV-Haushalt zahlt drauf." Bildrechte: dpa

Die Linken-Sozialpolitikerin Caren Lay kritisierte, die Kosten für Miete, Heizung und Strom seien in den Sätzen der Grundsicherung viel zu niedrig angesetzt. Jeder siebte Hartz-IV-Haushalt müsse dadurch draufzahlen und an Essen, Kleidung oder Bildung sparen. Nach Angaben von Lay müssten im Schnitt 93 Euro pro Monat und Bedarfsgemeinschaft aus den Regelbedarfen privat beigesteuert werden. Dies sei ein Anstieg um acht Prozent gegenüber 2019 und 20 Prozent gegenüber 2017. Und die Periode der Heizkostensteigerungen in diesem Winter sei da noch gar nicht berücksichtigt.

Reale Kostenübernahme gefordert

Lay forderte vom Bund, dauerhaft die realen Wohn- und Energiekosten zu übernehmen. Ein einmaliger Zuschuss genüge nicht. Das Entlastungspaket der Bundesregierung müsse sozial ausgewogen sein und insbesondere Menschen mit geringen Einkommen entlasten. Die Spitzen der Ampel-Koalition hatten kürzlich wegen der hohen Energiepreise Entlastungen für einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige sowie Rabatte für Kraftstoff, Bus und Bahn vereinbart. Geplant ist weiter eine Einmalzahlung für Empfänger von Grundsicherung.

epd (dni)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2022 | 12:30 Uhr

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