Universitätsstudium Deutschland muss bei Hebammen-Ausbildung noch aufholen

Wenn es um die Ausbildung von Hebammen ging, war Deutschland lange Schlusslicht in der EU. Schon 2013 hatte die Staatengemeinschaft festgelegt, dass dieser Beruf studiert werden soll – bis kurz vor Ablauf der Umsetzungsfrist im Januar 2020 ließ sich Deutschland allerdings Zeit mit der Umstellung der Ausbildung. Was hat sich seither getan?

Einer Hebamme in Ausbildung Geburtsmechanik wird mittels einer Puppe und eines künstlichen Beckens die Geburtsmechanik gezeigt
Hebammenausbildung am Modell Bildrechte: dpa

Milenka Janko ist hochmotiviert. Ab dem 12. April wird die 20-Jährige ihren absoluten Traumberuf Hebamme lernen – als Studentin an der Universität Leipzig mit Praxiseinheiten am Klinikum Chemnitz. Janko sagt, sie finde den Beruf spannend und auch wahnsinnig schön: "Dementsprechend war's für mich dann egal, ob Studium oder Ausbildung. Aber es ist schon ein bisschen attraktiver geworden."

Erstmals Hebamme im Bachelor-Studiengang

Der Bachelor-Studiengang "Hebammenkunde" startet an der Universität Leipzig in diesem Sommersemester zum ersten Mal.

Henrike Todorow leitet die Hebammenausbildung am Universitätsklinikum Leipzig und hat den neuen Studiengang an der medizinischen Fakultät mit aufgebaut. Sie spricht von einem großen Andrang. Es habe eine dreistellige Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern gegeben. Zugelassen wurden am Ende 25 Frauen:

Wenn ich das so für die Hebammen sagen kann, dann ist es für uns eigentlich eine historische Chance, diese Ausbildung jetzt an eine Universität zu überführen.

Henrike Todorow, Universitätsklinikum Leipzig

Sieben Semester wird das Hebammenstudium dauern. Wer keinen Studienplatz bekommt, kann bis 2023 auch noch die nicht-akademische Hebammenausbildung machen.

Kritik am Übergang von Ausbildung zu Studium

Allerdings wird dieser Berufsabschluss dann nicht mehr automatisch in den EU-Mitgliedsstaaten anerkannt. Andrea Ramsell vom Deutschen Hebammenverband kritisiert deshalb: "Es gab Länder, die hatten vorher auch schon Modellstudiengänge, da ist der Übergang leichter gestaltet und auch ausreichender, muss man sagen." Und obwohl klar gewesen sei, dass die EU-Richtlinie umgesetzt werde und die Akademisierung komme,  gebe es Bundesländer, die nicht so viele Studienplätze im Angebot hätten, fügt Ramsell hinzu.

Knapp 100 Studienplätze in Mitteldeutschland

In Mitteldeutschland sieht es so aus: In Sachsen-Anhalt würden zum kommenden Wintersemester 20 Studienplätze für Hebammen an der Universität Halle geschaffen, teilte das zuständige Wissenschaftsministerium MDR AKTUELL mit. Weitere Plätze seien erst einmal nicht geplant. In Thüringen können schon jetzt jährlich 20 Studienplätze an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena vergeben werden. Dem Thüringer Wissenschaftsministerium zufolge soll die Zahl auf 25 erhöht werden. In Sachsen startet neben dem Studiengang an der Uni Leipzig zum Wintersemester ein weiterer an der TU Dresden. Damit können im Freistaat künftig jedes Jahr 50 angehende Hebammen das Studium beginnen.

Hoffen auf neue Perspektiven dank Uni-Ausbildung

Am Uniklinikum Leipzig ist Henrike Todorow gespannt, welche neuen Perspektiven sich durch das Studium für den Beruf ergeben: "Dass wir vielleicht, wenn der erste Studiengang gelaufen ist, in den nächsten Jahren auch an erste Forschungsprojekte für die Hebammen rangehen können, das wäre so etwas, was ich ganz spannend finden würde."

Auch die 21 Jahre alte angehende Studentin Marie Schubert kann sich vorstellen, später in der Forschung zu arbeiten: "Und einfach da meinen Teil dazu beizutragen, dass Geburtshilfe noch attraktiver, besser und sicherer gestaltet werden kann."

Worauf alle hoffen: Dass das Studium langfristig zu mehr Anerkennung und besseren Arbeitsbedingungen im Beruf führt. Andrea Ramsell vom Hebammenverband formuliert es so: Junge Menschen für den Hebammenberuf zu begeistern, sei nicht das Problem. Das Problem sei, die Hebammen im Beruf zu halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2021 | 07:08 Uhr

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