Heizen Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2024 unwahrscheinlich

Jessica Brautzsch
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Aufgrund der steigenden Energiepreise durch den Krieg in der Ukraine, hat die Bundesregierung letzte Woche ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Kosten und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu mildern. Ab 2024 soll möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Doch das Erreichen dieser Maßnahme ist unwahrscheinlich.

Solar Panel
Heizen mit Strom vom eigenen Dach? Eine Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe macht das möglich. Bildrechte: imago images/catalby

Wer neu baut oder die Heizung in einer Immobilie austauschen will, steht vor jeder Menge Arbeit. Heizung ist nicht gleich Heizung. Nicht jede eignet sich für jedes Haus und soll die Wärme aus erneuerbarer Energie kommen, wird der Findungsprozess noch komplexer.

An technischen Möglichkeiten mangelt es nicht, erklärt Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Heizungsindustrie (BDH): "Wir können Wärmepumpe, holzbasierte Systeme oder H2-Ready-Heizungen nutzen, auch mit anderen Optionen zur Hybridisierung. Wir können Systeme kombinieren: eine Gasheizung mit der Wärmepumpe."

Zeitdruck bei der Umstellung auf erneuerbare Energien

Technisch ist die Branche den Plänen der Bundesregierung also absolut gewachsen und steht hinter den vereinbarten Klimazielen. Trotzdem sieht Staudt einige Herausforderungen, wenn ab 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien laufen soll. Einmal den Zeitdruck: "Man müsste es mal vergleichen mit der Automobilindustrie. Dann müsste man innerhalb von 21 Monaten die gesamte Automobilindustrie transformieren."

Es stellt sich die Frage, ob es bis 2024 flächendeckend und ausreichend Angebote für erneuerbare Energien geben wird, um die neuen Heizungen zu betreiben? Ein Punkt, der auch den Verband Haus und Grund umtreibt. Denn bevor eine Heizung eingebaut wird, muss auch klar sein, welche erneuerbare Energie genutzt werden könne, betont Verbandspräsident Kai Warnecke: "Die Kommunen schaffen es nicht, den Menschen zu sagen, womit die Häuser in Zukunft beliefert werden. Das wäre etwas, was man eigentlich als Schritt null erreichen muss – am besten schon bis Ende dieses Jahrs. Ein Atlas für ganz Deutschland, aus dem man entnehmen kann, welche Energien in Zukunft wo zur Verfügung stehen."

Fachkräftemangel auch bei Heizungsinstallateuren

Ob dieser Aspekt in dem Gesetz der Bundesregierung berücksichtigt werden wird, ist noch unklar. Genauso wie, ob es Subventionen geben wird. Denn, so merkt Markus Staudt vom BDH an, die Wärmewende werde nicht im Neubau entschieden: "Im Neubau ist die Wärmepumpe ganz klar die Technologie der Wahl, aber im Gebäudebestand haben wir ganz unterschiedliche Herausforderungen. Die Gebäude sind sehr heterogen, sie sind energetisch in einer unterschiedlichen Qualität und dann haben wir die Menschen, die eine ganz unterschiedliche Leistungsbereitschaft oder das Vermögen haben."

Doch selbst zwischen dem, was sich der Bürger oder die Bürgerin leisten könne und was die Industrie technisch bereitstelle, gebe es eine große Problemstelle, so Staudt: Der Fachkräftemangel könnte hier einen Strich durch die ehrgeizigen Heizungspläne machen. Auch Warnecke von Haus und Grund sieht hier ein essentielles Problem: "Diese Wärmepumpen sind eine ganz andere Technologie als das, was die meisten Installateure gelernt haben. Sie müssen also völlig neu erlernen." Im Moment fehlen schlicht die Menschen, um ab 2024 die veralteten Heizungen im Zweifelsfall auszutauschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2022 | 06:00 Uhr

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