Bundespolitik Hennig-Wellsow strauchelt auf großer Bühne

Die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Susanne Hennig-Wellsow, hat in der Öffentlichkeit zuletzt keine besonders gute Figur gemacht. In einem Interview sprach sie davon, dass Kampfeinsätze der Bundeswehr beendet werden müssten. Außer dem Einsatz in Afghanistan konnte sie aber kein Auslandsengagement der Bundeswehr benennen. Zuletzt kam sie bei Markus Lanz in Sachen Finanzpolitik ins Schlingern. War der Sprung aus der Thüringer Landespolitik auf die bundespolitische Bühne zu groß?

Susanne Hennig-Wellsow
Susanne Hennig-Wellsow ist seit Februar Co-Vorsitzende der Linken in Deutschland. Zuletzt erwischten sie Tilo Jung und Markus Lanz inhaltlich auf dem falschen Fuß. Bildrechte: dpa

Besonders auskunftsfreudig ist die Partei in dieser Angelegenheit nicht. Aus der Bundestagsfraktion will sich niemand äußern. Auch der heimische Landesverband der Linken in Thüringen sieht auf Nachfrage von MDR AKTUELL keinen Anlass, sich zu dem Thema zu äußern.

Finanzpolitik wurde zum Stolperstein

Was war passiert? Die Linken-Co-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow war von ZDF-Moderator Markus Lanz ins Verhör genommen worden. Schwerpunkt war dabei die Finanzpolitik. Dabei hatte die Politikerin große Probleme, den Linken-Vorschlag zu einer Vermögensabgabe zu erklären. Lanz sagte schließlich:

Nicht, dass ich Ihr Programm besser kenne als Sie. Das wäre ja fatal.

Markus Lanz ZDF-Moderator
Markus Lanz, Moderator der ZDF-Talkshow "Markus Lanz"
Markus Lanz stellte Hennig-Wellsow viele Fragen zur Finanzpolitik. Bildrechte: dpa

Einzig die Linkspartei in Sachsen war bereit, sich zum Auftritt der Parteichefin zu äußern. Öffentliche Statements von Politikern könnten eben nicht immer das Gelbe vom Ei sein, sagt der sächsische Linkenchef Stefan Hartmann. Hennig-Wellsow habe aber insbesondere in Thüringen gezeigt, dass sie ein breites Kreuz habe. Sie sei in der Lage, einiges wegzutragen. Das habe sich in der Auseinandersetzung zum Beispiel mit einem Herrn Höcke von der AfD gezeigt.

Susanne Hennig-Wellsow hat unsere volle Unterstützung.

Stefan Hartmann Sächsischer Linkenchef

Die Parteichefin hat nach Ansicht des sächsischen Linken-Chefs deutlich gemacht, wofür die Linke stehe: Etwa für eine Vermögensabgabe und einen höheren Spitzensteuersatz. Die Partei gehe mit klaren Positionen in die Bundestagswahl und damit später in mögliche Koalitionsverhandlungen. Die Linke habe sich nicht damit abgefunden, nur Oppositionspartei sein, so Hartmann.

Fallhöhe in der Bundespolitik ist groß

Mag sein, sagt dazu der Politikwissenschaftler und Redakteur bei den "Blättern für deutsche und internationale Politik", Albrecht von Lucke. Anspruch und Realität seien aber verschiedene Dinge. Hennig-Wellsow habe die undankbare Rolle übernommen, die Regierungstauglichkeit unter Beweis zu stellen.

Hennig-Wellsow erlebe gerade, dass die Bundespolitik eine ganz andere Dimension darstelle. Die Fallhöhe sei groß. "Plötzlich von der Landespolitik auf Bundespolitik umschalten zu müssen – die Grenzen ihrer Tauglichkeit, die sind ihr jetzt hier schmerzlich unter Beweis gestellt worden", so von Lucke. Hennig-Wellsow habe es an Professionalität vermissen lassen.

Linke von Regierungsverantwortung entfernt

Natürlich ist es nach Angaben des Politikwissenschaftlers nicht die Regel, eine Politikerin in Finanzfragen so explizit unter Beschuss zu nehmen, wie Lanz es getan habe. Aber, so von der Lucke: "Es war eben eine echte Prüfungssituation. Sie zeigt eben dann doch – und deswegen war das ein Exempel, das durchaus erhellend war – wie weit die Linke von einer solchen Regierungsverantwortung entfernt ist." Denn nicht nur finanzpolitisch seien die Positionen der Linkspartei weder mit  der SPD noch den Grünen vereinbar. In der Innen- und Außenpolitik sei das ähnlich, sagt Lucke. Die Linke sei in weiten Teilen nicht nur nicht regierungsfähig, sondern auch nicht regierungswillig. Daran scheitere auch Hennig-Wellsow.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. April 2021 | 09:07 Uhr

126 Kommentare

Anita L. vor 28 Wochen

"Sie haben es nicht verstanden🤷‍♂️
Ich rede von der Realität in der Anita L. lebt."

Dann sollten Sie das vielleicht auch schreiben, werter SZ-Rentner. Es gibt einen guten Grund, warum Personal- und Anredepronomen unterschiedlich geschrieben werden, und es ist nicht meine Aufgabe, Ihre Gedanken zu lesen.

Was meine Realität angeht: Keine Sorge, ich erlebe sie, mal mit mehr und mal mit weniger Spaß, wie das eben mit Realität so ist.

Anita L. vor 28 Wochen

"Die Linken fordern so lange die Beendigung von Kriegseinsätzen wie sie diese nicht kommandieren können. Einmal an der Macht rasseln sie dann aber lauter mit den Säbeln als alle anderen."

Mal abgesehen von der Tatsache, dass Frau H.-W. damit immer noch nicht weiß, von welchen Einsätzen sie da eigentlich spricht, bitte ich Sie, Wachtmeister Dimpfelmoser, Ihre Unterstellungen zu unterlassen. Dankeschön.

Anita L. vor 28 Wochen

"In der DDR war das [Gespenst des Kommunismus] kein Gespenst sondern Realität."

Das kommt wohl auf die Auslegung dieser Aussage an:

Kommunismus gab es selbst zu tiefsten DDR-Zeiten nicht.
Aber der Versuch der DDR-Regierung, ihre Vorstellung von Kommunismus umzusetzen, war tatsächlich gespenstisch im Sinne von beängstigend.

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