Corona-Impfungen Kritik an hohen Honoraren für Impfärzte

Seit knapp zwei Monaten wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Dafür musste schnell Personal her. Die Länder wollten dafür den entsprechenden Anreiz schaffen und zahlen Impfärzten jetzt hohe Honorare. Viel zu hohe, sagen einige Ärzte. So auch Michael Hönisch, Assistenzarzt am Universitätsklinikum Jena: "Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht das einem Bruttoarbeitslohn von 28.000 Euro pro Monat und damit etwa dem dreifachen Grundgehalt eines Oberarztes." Warum so eine hohe Summe?

Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
In Thüringen bekommen Impfärzte ein Honorar von 175 Euro pro Stunde gezahlt. Bildrechte: dpa

Es seien anstrengende Tage momentan, erzählt der Impfarzt Cornelius Golembiewski. Seit einigen Monaten ist er im Raum Ostthüringen unterwegs und testet Menschen auf das Coronavirus. Seit Januar arbeitet er nebenbei auch als Impfarzt. "Wir arbeiten manchmal 14 Stunden am Stück – ohne Essen, ohne Trinken, mit Maske und rotieren, um 160 Leute zu impfen und aufzuklären."

Und auch wenn der eigentliche Dienst schon vorbei ist, fährt Golembiewski oft nicht gleich nach Hause, sondern erst, wenn die letzte Impfdosis vergeben ist. "Manchmal liegt eine Patientin aus dem Pflegeheim im Krankenhaus und kann ihre Impfung nicht bekommen. Dann fahre ich auch in das Krankenhaus, um sie zu impfen."

Hohes Honorar nur für Ärzte

Zu Beginn habe auch Cornelius Golembiewski sich über das hohe Impfhonorar von 175 Euro pro Stunde in Thüringen gewundert. Inzwischen sagt er, sieht er das etwas anders. Von dem Betrag müsse vieles gedeckt werden: neben Steuern und Versicherung auch Kosten für die Organisation der Impftermine.

Auch Sachsen zahlt 175 Euro, in Hamburg liegt der Satz bei 120 Euro, in Baden-Württemberg sind es 130 Euro und in Sachsen-Anhalt 100 Euro – plus Pauschale für die Nutzung des eigenen Fahrzeugs. Jörg Metz, Leiter des Pandemiestabs bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Thüringen, erklärt für sein Bundesland: Nur Ärztinnen und Ärzte, die die Impfaufklärung machen, bekämen dieses Geld. Das Impfpersonal, medizinische Fachangestellte, erhalte hingegen nicht dieselbe Summe, sondern 50 Euro pro Stunde.

Die Kritik an der Höhe der Honorare kann Metz nur zum Teil nachvollziehen. Das Geld sei im Grunde eine sogenannte Praxisausfallentschädigung: "Wir wollen, dass ganze Praxisteams uns an den Impfstellen und in den Impfzentren unterstützen, und das zwölf Stunden am Tag. Wir haben eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht – und damit wir genügend unterstützende Teams bekommen, gibt es auch Praxen, die schließen müssen."

"Besser jetzt mehr Geld ausgeben, als später"

Die Kassenärztliche Vereinigung hatte die Honorare zusammen mit dem Land ausgehandelt. Gedeckt werden sie aus Steuergeldern – die Hälfte übernimmt der Bund. Der gesundheitspolitische Sprecher der Linken im Thüringer Landtag, Ralf Plötner, rechtfertigt, es sei besser, jetzt das Geld für die Impfungen auszugeben, als später die Folgekosten durch Corona-Erkrankungen zu tragen. "Weil auch die Langzeitfolgen – das müssen wir ja leider viel zu oft zur Kenntnis nehmen – auch sehr groß sind." Man dürfe nicht die Geschwindigkeit vergessen, mit der auch in Thüringen landesweit eine sehr gute Struktur von dezentralen Impfstellen organisiert worden sei.

So schafft Thüringen gemessen an der Einwohnerzahl inzwischen im bundesweiten Vergleich die meisten Impfungen pro Tag – aktuell 4.500. Trotzdem bleiben einige Medizinerinnen und Mediziner in Thüringen und auch in Sachsen bei dem Standpunkt: 175 Euro sind einfach zu viel. So sieht es auch der Gastroenterologe Christian Haferland aus Görlitz. Er zieht seine eigenen Konsequenzen: Um die Impfkampagne nicht zu boykottieren, werde er als Impfarzt zur Verfügung stehen, "aber die Hälfte des Betrags würde ich Ärzte ohne Grenzen zur Verfügung stellen und den Kulturschaffenden in der Region Oberlausitz."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Februar 2021 | 08:22 Uhr

74 Kommentare

AlexLeipzig vor 29 Wochen

Liebe(r) goffman, Sie haben mit Ihrem Beitrag vollkommen Recht. Die Afd-Bezüge hatte ich so vielleicht nicht spontan gezogen, ich finde sie aber durchaus richtig. Die Gemeinsamkeit findet sich in Renitenz, meckern und alles madig machen. Insofern beschreiben Sie aus meiner Sicht das Problem insbesondere von Teilen der ostdeutschen Bevölkerung korrekt. Sollten wir doch über jede Impfung dankbar sein!

Armin C. vor 29 Wochen

@Leachim-21
Ich glaube, Sie verwechseln da etwas...
Es geht nicht um Vollhaftung für Politiker und Beamte,
sondern viel wahrscheinlicher um Vollkasko...
Und um Versicherungsbeiträge oder Kündigung der Versicherung im Schadensfall müssen sich keine Gedanken gemacht werden,
ob der Staat pleite ist oder nicht...

goffman vor 29 Wochen

Die Aussagen sind eindeutig.
- sie stellen die Sicherheit der mrna-Impfstoffe infrage - obwohl diese die gleichen Anforderungen erfüllen müssen wie alle anderen.
- sie stellen die Wirksamkeit infrage - selbst wenn Geimpfte das Virus noch übertragen könnten, allein dass schwere Krankheitsverläufe verhindert werden, ist doch eine gute Wirkung!
- sie verbinden die mrna Impfung mit negativ konnotierten Worten wie "genmanipuliert" - was überflüssig ist, da die Impfstoffe nur genetische Informationen des Virus enthalten, die menschliche DNA aber nicht verändern
- und sie stellen den Bedarf für eine Impfung generell infrage ("Narrativ der tödlichen Erkrankung infrage gestellt, Impfung obsolet" - die Zahlen sind eindeutig, Menschen sterben an Covid-19.)

Wenn der Autoverkäufer sagt: Das Auto ist nicht so sicher, richtig fahren tut es nicht, es ist hässlich, eigentlich brauchen Sie es auch gar nicht: ist das Kauf fördernd? Nein. q.e.d.

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland