Hörer machen Programm Wie könnten Grundschulen trotz hoher Inzidenz offen bleiben?

Wegen den hohen Inzidenzzahlen müssen die Grundschulen in Südthüringen wieder schließen. Dabei könnten theoretisch die Schüler auch in kleineren Gruppen, dafür mit mehr Platz, unterrichtet werden. Ein Lehrer, der wegen seiner Anstellung beim Freistaat Thüringen anonym bleiben will, fragt sich, wie viel Platz Schülern und Lehrern überhaupt zur Verfügung stehen sollte, mit dem Hintergrund, dass zum Beispiel Angestellten im Großraumbüro etwa zehn Quadratmeter zustehen.

Schulranzen hängen in einem Klassenraum an Tischen.
Präsenzunterricht – für die Grundschüler in Südthüringen vorerst wieder keine Option mehr. Bildrechte: dpa

Eisfeld im Landkreis Hildburghausen – der Inzidenzwert bei 200. Damit sind die gerade erst geöffneten Grundschulen seit Montag wieder dicht. Also wieder Unterricht zu Hause, maximal Notbetreuung. Eisfelds Bürgermeister Sven Gregor hätte da gern mehr Spielraum. Sein Problem sei, dass Wechselunterricht wie bei den höheren Klassen an Thüringer Grundschulen nicht vorgesehen sei. "Ich kann es nicht verstehen: Entweder es gibt Schule oder es gibt keine Schule. Und das ist für mich keine Lösung."

Wechselmodell an Grundschulen nicht umsetzbar

Gregors Ansatz: Wo ausreichend Räume da seien, sollten Klassen geteilt werden, damit sich weniger Schüler in den Räumen aufhielten. "Und auf der anderen Seite auch zu schauen, wo zu wenige Räume da sind, zusätzliche Räume anzubieten in öffentlichen Gebäuden." Die Idee wäre also, ungenutzte Gebäude wie Gemeindehaus oder Schullandheim für kleinere Schülergruppen zu öffnen und diese im Wochenwechsel zu unterrichten.

Prinzipiell eine gute Idee, meint Felix Knothe vom Thüringer Bildungsministerium. Aber eben nicht für Grundschüler. "Wenn dort vor Ort kreative Konzepte, über andere Raumnutzung zum Beispiel, in der Pandemie entwickelt werden, spricht dagegen erstmal nichts." Aber an den Grundschulen ein Wechselmodell einzuführen, ginge nur, wenn tatsächlich geregelt sei, dass auch alle Kinder ein tägliches Betreuungsangebot hätten. "Das heißt, es darf keine Gruppe geben, die dann noch zu Hause bleibt, wenn die Schulen offen sind."

Maximal drei Quadratmeter pro Schüler zur Verfügung

Grundschule offen oder geschlossen, dazwischen geht laut Thüringer Bildungsministerium nichts. Aber alle Schüler in kleineren Gruppen auf viele Räume zu verteilen, dafür reicht das Lehrpersonal nicht aus. Für Christoph Bauer, den Schulelternsprecher der Eisfelder Grundschule, eine nervenaufreibende Zeit. "Die Eltern haben wieder keine Planungssicherheit für die kommenden Wochen. Die Schüler haben wieder keine Freunde, wieder keine sozialen Kontakte." Das Wechselmodell, inklusive der Nutzung von extra Räumen, wäre laut Bauer für viele Eltern eine gute Lösung – geht aber nicht.

Größere Orte mit größeren Schulen würden mit dem Modell auch schnell an ihre Grenzen stoßen, etwa die Goetheschule in Ilmenau. Der Platzbedarf wäre schlichtweg zu groß. 14 Schüler plus Lehrer dürften hier, wenn es für die Gymnasien zurück in den Präsenzunterricht gehen sollte, in einen Klassenraum. Trotz Hygienekonzept werde es da schnell eng, so Schulleiter Robby Krämer. In den meisten Klassenräumen würden maximal zwei bis drei Quadratmeter pro Person zur Verfügung stehen. "Wir haben 730 Schüler und 33 Klassen in diesem Schuljahr. Und allein die Zahl zeigt auf, da wird es gar nicht genügend Räume im Umfeld geben."

Corona zeigt schlechten Zustand der Schulen auf

Man müsse Schule da grundsätzlich neu denken, sagt Claudia Koch von der Thüringer Landeselternvertretung, auch jenseits der Pandemie. "Corona hat das erstmal verschärft, weil wir uns jetzt darauf konzentrieren, wie viel Raumluft wir denn zur Verfügung haben und wie ansteckend denn die Luft in dem Raum ist." Eigentlich sei es ein substanzielles Problem, dass die Schulen seit Jahren nicht überarbeitet worden seien.

Auch wie generell die Arbeitsplätze gestaltet seien, das sei selbst bei Neubauten nicht mehr zeitgemäß. "Es wird auch, wenn Corona vorbei ist, sicherlich die Bewegung geben zu überlegen, wie wir mehr Sauerstoff in die Räume kriegen beziehungsweise das CO2 schneller raus." Für mehr Qualität in der Schule und damit auch ein besseres Lernen. In Eisfeld allerdings wären sie gerade froh, wenn sie überhaupt wieder in die Schulen dürften.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. März 2021 | 06:24 Uhr

12 Kommentare

helmut57 vor 10 Wochen

Vielleicht, sollten wir wirklich noch ein wenig geduldig bleiben, wenn es auch für uns alle schwer ist. Winterzeit ist nun Mal Grippezeit. Das Frühjahr und Sommer, könnte die Ausbreitung so eindämmen, daß wir mit viel Vorsicht wieder ein normales Leben führen können. Eines ist klar, da sind sich alle Virologen sicher. Das Virus wird nicht vollständig verschwinden!!! Wie das Influenza Virus müssen wir auch mit dem Corona Virus leider eine Partnerschaft eingehen, ob uns das passt oder nicht. Das Deutschland digital hinter so Entwicklungsländern steht, ist mit Verlaub ein nicht zu verstehender SKANDAL. Diese Krise hat uns das ganz klar gezeigt und seit Jahren hören wir diese Forderungen von Wirtschaft und Industrie. Vielleicht ändert sich jetzt endlich etwas.

helmut57 vor 10 Wochen

Elbuffo:Da wäre ich mir nicht sicher, daß Kinder an der Verbreitung nichts zu tun haben. Auch wenn Kinder durch Ihr sehr gutes Immunsystem sehr selten erkranken, ist das kein Beweis. Natürlich kann ein Kind das Virus auch übertragen. Vieren kennen keine Altersbeschränkung. Ich muniere das seit Monaten. Alle Anfragen an verschiedene Ministerien,auch an die Pressekonferenz bei Phoenix usw. Ohne Erfolg! Weder im positiven oder negativen. Das finde ich nicht in Ordnung. Wie stecken sich die Mitarbeiter auf der Intensivstation denn mit dem Virus denn an? Ich vermute ja, wenn das nicht publiziert wird, daß es noch eine andere Eintrittforte geben muss. Die Schleimhaut der Augen ist sehr gut durchblutet, wie alle Schleimhäute. Seit Jahren beobachtet wir bei verschiedenen Operationen, daß der Operateur ein Schutzschild in Verbindung mit Mund- Nasenschutz tragen??? Aus welchem Grund wohl? Bei jeder Staubentwicklung bekommen wir die Partikel auch ins Auge,oder? Anstoß zum Nachdenken!

Anni22 vor 10 Wochen

@ Reblaus Man impft nicht, damit ein Virus verschwindet, sondern damit bleibende Schäden und die unkontrollierte Ausbreitung möglichst vermieden werden. Nach Ihrer Logik braucht man gegen gar nichts impfen.

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