Hörer machen Programm Verwaltungskosten der Krankenversicherungen im Rahmen

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen hat sich in den letzten 25 Jahren stark verringert. MDR AKTUELL-Hörer Karsten Opitz fragt sich nun, ob damit auch die Zahl der Beschäftigten und damit die Gesamtverwaltungskosten gesunken sind.

Arztpraxis, Elektronische Gesundheitskarte, Detail von Leonardo-Logo und Datenchip
Elektronische Gesundheitskarte Bildrechte: imago images/Martin Bäuml Fotodesign

Verwaltungskosten sind aus Sicht der Allgemeinheit eigentlich immer zu hoch. Und aus Sicht der Verwaltung sind sie zu niedrig. Nun stellt sich MDR-Aktuell-Hörer Karsten Opitz die Frage, wie die Kosten bei den gesetzlichen Krankassen aussehen, nachdem sich deren Zahl in den letzten 25 Jahren stark verringert hat.

Opitz fragt, ob sich dadurch auch die Gesamtzahl der Beschäftigten in den gesetzlichen Krankenkassen verringert hat, gleichzeitig die Gesamtverwaltungskosten hierdurch im Sinne der Versicherten gesunken sind und ob die politischen Ziele der Kosteneinsparung annähernd erfüllt wurden.

Rund 1.000 Krankenkassen weniger

Zur Wiedervereinigung gab es in Deutschland weit mehr als 1.000 Gesetzliche Krankenkassen. Heute sind es nur noch reichlich 100. Man könnte annehmen, dass mit den Kassen auch die Zahl der dort Beschäftigten rapide gesunken ist. Dem ist aber nicht so. Kamen die vielen Krankenkassen einst auf knapp 150.000 Beschäftigte, so sind es es heute noch immer reichlich 130.000.

Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen
Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen Bildrechte: Florian Lanz, GKV

Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen, überrascht das nicht. Lanz sagte, es habe einen einfachen Grund, dass der Rückgang der Mitarbeitenden in keinem direkten Verhältnis zur Anzahl der Krankenkassen stehe. Die allermeisten Leute in einer Krankenkasse seien damit beschäftigt, Versicherte zu betreuen und zu versorgen. Da sei es egal, ob eine Krankenkasse zehntausend, hunderttausend oder zehn Millionen Versicherte habe – das Verhältnis ändere sich dadurch nicht.

Man benötige für eine bestimmte Anzahl an Versicherten eine bestimmte Anzahl an Verwaltungsangestellten, sagt Lanz. Derzeit gäbe es so viele gesetzlich Krankenversicherte wie nie zuvor. Deswegen müsse sich ein Angestellter heute um mehr Versicherte kümmern als vor 30 Jahren.

Ministerium: Kosten vertretbar

Entscheidend ist eher: Was geben die Kassen pro Versicherten an Verwaltungskosten aus? Dieser Betrag liegt derzeit bei rund 150 Euro im Jahr. Das Bundesgesundheitsministerium hält das für eine vertretbare Größe. Auf Nachfrage schreibt es MDR AKTUELL:

Generell ist darauf hinzuweisen, dass der Anteil der Verwaltungsausgaben an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ca. 5 Prozent beträgt. Zieht man den Vergleich zur privaten Krankenversicherung, so ist der Anteil der Verwaltungsausgaben einschließlich der Abschlusskosten dort mehr als doppelt so hoch.

Bundesgesundheitsministerium

Gesetzlich contra Privat

Die gesetzlichen Kassen verwalten ihre Mitglieder nach Aussage des Ministeriums demnach günstiger als die privaten. Es gibt aber erhebliche Unterschiede. Der Fachjournalist Wolfgang Lange analysiert jährlich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Die günstigste benötigt für ihre Verwaltung demnach nur 72 Euro pro Jahr und Versicherten, die teuerste braucht mehr als das Dreifache.

Lange sagt, wenn es eine jüngere sogenannte Wachstumskasse gebe, die in den neunziger Jahren gegründet wurde, dann habe diese junge Mitarbeiter. Diese würden weniger kosten als Beschäftigte einer sogenannten Versorgerkasse. Hier seien viele ältere Mitarbeiter beschäftigt, die naturgemäß mehr kosten würden und mehr Fehlzeiten hätten.

Digitalisierung als Kostentreiber

Dass die Verwaltungskosten im Schnitt zuletzt gestiegen sind, begründet Lange mit der Digitalisierung. Fast alle Kassen hätten in Technik, Software und Weiterbildung investiert. Außerdem müssten einige Kassen vermehrt Geld für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter zurücklegen.

Digitalisierung
Höhere Kosten durch Digitalisierung Bildrechte: imago/Westend61

Auch in diesem Jahr werden wieder Kassen fusionieren. Das Gesamtsystem werde dadurch aber nicht spürbar günstiger, resümiert Verbandssprecher Lanz. Wenn es etwa 133.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenkassen gebe, die sich um 73 Millionen Versicherte kümmerten, ändere der Wegfall eines Vorstandspostens durch die Fusion einer Krankenkasse an den Gesamtausgaben relativ wenig.

Fazit: Die Anzahl der Krankenkassen ist seit 1990 um mehr als 90 Prozent gesunken. Die Anzahl der dort Beschäftigten sank nur leicht. Die Verwaltungskosten sind gestiegen – aufgrund von Investitionen in Technik, wegen höherer Löhne und Betriebsrenten. Der Verwaltungsanteil an den Gesamtkosten liegt bei den Kassen aber seit vielen Jahren relativ stabil bei rund fünf Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2021 | 06:22 Uhr

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