Hochwasser THW: Bund muss bei Katastrophe handeln dürfen

Das THW fordert nach dem jüngsten Hochwasser eine Katastrophen-Koordinierung durch den Bund. Der Präsident der Bundesvereinigung, Wendt, stellt im Interview mit MDR AKTUELL das Föderalismusprinzip bei Katastrophenlagen infrage. Bundesinnenminister Seehofer sieht das anders. Bei den Rettungsarbeiten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwindet die Hoffnung auf Überlebende.

Ein THW-Helfer mit einem Vorschlaghammer
THW-Helfer beim Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet. Bildrechte: dpa

Das Technische Hilfswerk hat mehr Kompetenzen für den Bund im Katastrophenfall gefordert. Der Präsident der THW-Bundesvereinigung, Marian Wendt, sagte MDR AKTUELL, derzeit seien die Landkreise für Warnungen zuständig. Das habe dazu geführt, dass in Düsseldorf wegen des Hochwasserrisikos Stadtteile evakuiert worden seien. In einem anderen Landkreis sei hingegen keine Alarmierung erfolgt. Diese Unterschiede müssten aufhören.

Marian Wendt (CDU), spricht in der Plenarsitzung im Deutschen Bundestag.
Präsident der THW-Bundesvereinigung und CDU-Politiker Marian Wendt Bildrechte: dpa

Wendt sagte, wenn der Bund Informationen über eine Gefahrenlage habe, müsse er auch selber alarmieren können. Auch bei der Koordinierung der Einsatzkräfte sieht der Präsident der THW-Bundesvereinigung Handlungsbedarf. Es gebe 1,8 Millionen Ehrenamtliche und viel Technik. Das müsse besser vernetzt werden. Bislang gebe es keinen zentralen Datenpool, wie viele Feuerwehrfahrzeuge es in Deutschland gebe und welche Einheiten zur Verfügung stünden.

Seehofer: Katastrophenhilfe ist Sache von Ländern und Kreisen

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte in der Debatte um Kompetenzen in Katastrophenlagen zuletzt das Föderalismusprinzip als richtig verteidigt. Für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten sei nicht der Bund zuständig, sondern Länder und Landkreise. Man sei dabei, die Unterstützungsleistungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für die Länder zu verbessern.

Zugleich wies Seehofer Kritik am Warnsystem des Katastrophenschutzes zurück. Die Dinge in Deutschland hätten gut funktioniert, auch wenn man "das ein oder andere verbessern müsse".

Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks, Sabine Lackner, sieht nur noch wenig Chancen, nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands Überlebende zu finden. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk, das THW suche aktuell noch nach Vermissten in Trümmern oder beim Auspumpen der Keller. Doch es sei "leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten".

Zugleich warnte die THW-Vizechefin vor schnellen Schuldzuweisungen, wonach ein besseres Sirenen-Warnsystem hätte Tote verhindern können. Natürlich müsse man die Abläufe aufarbeiten. Lackner sagte: "Aber ich finde diese Debatte drei bis vier Tage nach der Katastrophe unglücklich." Viele Menschen stünden vor den Trümmern ihrer Existenz, die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen liefen noch.

Nach offiziellen Angaben hat die Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands 170 Todesopfer gefordert, 122 in Rheinland-Pfalz und 48 in Nordrhein-Westfalen.

Quelle: MDR, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juli 2021 | 09:00 Uhr

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