Impfgipfel Spahn dämpft Erwartungen an Bund-Länder-Konferenz

Die Bundeskanzlerin, die Länderchefs und die Impfstoff-Hersteller kommen am Montag zu einer Video-Konferenz zusammen, um über die weitere Strategie der Corona-Impfungen zu diskutieren. Es gibt viele Forderungen.

Krankenschwester hält Spritze mit Corona-Impfung
Wie geht es weiter mit den Corona-Impfungen? Darüber wird am Montag auf dem "Impfgipfel" debattiert. Bildrechte: imago images/ Pixsell

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am Montag zu einem Krisengipfel zusammen. An der Video-Konferenz nehmen auch Vertreter der Impfstoff-Hersteller und der EU-Kommission teil.

Vor Beginn des Gipfels hatten mehrere Länder-Regierungschefs einen Fahrplan für die kommenden Wochen gefordert. Außerdem solle es Klarheit über die Impfstoff-Lieferungen geben.

Spahn dämpft zu hohe Erwartungen

ens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, Lothar Wieler (M), Präsident Robert Koch-Institut (RKI), und Klaus Cichutek, Präsident Paul-Ehrlich-Institut (PEI), geben eine Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie in der Bundespressekonferenz.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.) Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dämpfte die Erwartungen an die Konferenz. Den "Bild"-Medien sagte er, dass er nicht mit konkreten Beschlüssen rechne. "Wir können durch einen Gipfel allein nicht mehr Impfstoffe produzieren", sagte er. Durch ständige Forderungen nach mehr Impfdosen "wird die Produktion nicht schneller".

"Meine dringende Erwartung an den Gipfel ist, dass wir einen nationalen Impfplan bekommen, auf dessen Grundlage wir Bundesländer Impftermine vergeben und auch einhalten können", sagte der amtierende Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Spahn sagte dazu, der Bund könne den Ländern am Ende nur jene Informationen zu Liefermengen und Daten übermitteln, die er selber von den Hersteller erhalte. Dies geschehe aber bereits.

Ramelow fordert Corona-Fahrplan

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow forderte einen Corona-Fahrplan bis Ostern. "Meine Perspektive ist keine Lockerungsdebatte, sondern ein Fahrplan, der uns über Monate hinweg eine Perspektive gibt", sagte Ramelow dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dazu gehörten ein Kriterienkatalog, was bei bestimmten Inzidenzen geschehe, und medizinische Versorgungskapazitäten.

Walter-Borjans: Hersteller haben wenig Sensibilität

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans ging mit den Herstellern von Corona-Impfstoffen hart ins Gericht. "Ich bin schockiert über den Mangel an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein bei einigen Herstellern. Es geht hier nicht um Schokolade, sondern um ein Produkt, an dem Existenzen und der Zusammenhalt der Gesellschaft hängen", sagte Walter-Borjans ebenfalls dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Einige Hersteller von Covid-19-Impfstoffen sind in die Kritik geraten. Das Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten angekündigt, wegen Werksumbauten vorübergehend weniger Impfstoff zu liefern. Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca hatte zuletzt erklärt, 40 Millionen Impfdosen im ersten Quartal an die EU zu liefern. Das ist die Hälfte der vereinbarten Menge.

Pharma-Branche: Impfstoff-Fabrik nicht schnell aufzubauen

Die Pharmabranche warnte indes vor überzogenen Erwartungen an den Impfgipfel. Der Präsident des Verbands der deutschen Pharma-Unternehmen, Han Steutel, sagte, "eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann." Wäre es so, hätten die Unternehmen es längst gemacht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2021 | 06:00 Uhr

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