Impfgipfel Merkel beteuert: Impfangebot für alle bis zum Spätsommer

Bund und Länder halten an ihren Plan fest, bis zum Spätsommer allen Menschen im Land ein Impfangebot machen zu können. Die Zusagen der Hersteller beim Impfgipfel stützen die Prognose.

Eine Seniorin wird in einem Impfzentrum im Rollstuhl zum Impfen gegen Corona geschoben
Ab dem zweiten Quartal dürfte in den Impfzentren in Deutschland deutlich mehr los sein. Bildrechte: dpa

Bund und Länder gehen davon aus, bis zum Ende des Sommers allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot machen zu können. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Impfgipfel, an dem neben Vertretern von Bund und Ländern auch die Impfstoffhersteller und Vertreter der EU teilnahmen.

Merkel betonte nach dem Treffen, dass die Hersteller der bereits zugelassenen Vakzine für die nächsten Quartale Minimal-Zusagen machen konnten, die die Prognose, bis zum September allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zu machen, zulassen würden. Den Angaben nach ist es für die Hersteller schwer, sich lange im Voraus auf bestimmte Liefermengen pro Woche festzulegen. Eine Quartalsplanung sei hingegen möglich.

Das Angebot könnte sich vergrößern, sollten die Impfstoffe von Johnson & Johnson und Curevac zugelassen werden – davon gingen die Hersteller für diesen Sommer aus. Nicht eingerechnet in die Impfprognose sind die neun Millionen in Deutschland lebenden Kinder – für sie ist bisher noch kein Impfstoff zugelassen. Merkel sagte, sie rechne damit auch nicht vor Sommer.

Merkel verteidigt EU im Vergleich mit anderen Ländern

Merkel verteidigte das langsamere Vorankommen der Impfungen in der EU im Vergleich zu den USA, Großbritannien oder Israel. Sie sagte, Europa habe sich nicht wie Großbritannien für Notzulassungen binnen 24 Stunden entschieden, sondern sich die Zeit für eine längere Prüfung und eine vorläufige Zulassung genommen. "Das hat eine andere Qualität", betonte die Kanzlerin. Ebenfalls im Gegensatz zu Großbritannien habe man sich in der EU dafür entschieden, die zweiten Impfungen im vorgegebenen Intervall zu verabreichen. Großbritannien hingegen zögert die zweite Impfung deutlich weiter als empfohlen heraus, um möglichst viele Menschen mit der ersten Impfung versorgen zu können. Merkel betonte, dass es ihr wichtig sei, dass die Menschen auf die Impfungen vertrauen können.

Könnte die Impfstoffbereitstellung schneller gehen?

Auf dem Impfgipfel haben Vertreter von Pharmafirmen der Einschätzung von Ministerpräsidenten widersprochen, dass eine viel schnellere Produktion von Corona-Impfstoff möglich gewesen wäre. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting, auch mit "Mehr-Geld-Draufwerfen" wäre nicht mehr Impfstoff herausgekommen. Die Produktion hätte man nicht viel früher hochfahren können.

Ähnlich hatte sich auch die für Gesundheit zuständige Generaldirektorin der EU-Kommission, Sandra Gallina, am Montag vor dem Haushaltsausschuss des EU-Parlaments geäußert. Die Impfstoffknappheit in der EU sei nicht auf Geiz zurückzuführen. Wenn die EU mit mehr Geld früher Impfdosen bekommen hätte, dann hätte die EU das Geld auch ausgegeben. Die EU habe sich die Impfdosen "extrem schnell" gesichert, betonte Gallina. Sie räumte aber auch ein, dass es einige Zeit gebraucht habe, um Risiken auszuschließen und Haftungsfragen zu klären. Die Sicherheit der Impfstoffe sei sehr wichtig, sagte sie. Einige Ministerpräsidenten hatten zuvor kritisiert, dass die Bundesregierung und die EU nur mehr Impfdosen hätten bestellen müssen.

Die Bundeskanzlerin sagte auf der Pressekonferenz am Montagabend, die Hersteller hätten erklärt, dass man bei der Versorgung von Europa mit Impfstoffen auch auf die Produktionsstätten vor Ort angewiesen sei. Durch die derzeitigen Regelungen in den USA könne von dort kein dort produzierter Impfstoff importiert werden.

Der Geschäftsführer des Dessauer Pharmaunternehmens IDT Biologika erklärte, dass man Impfstoff zum Beispiel von Astrazeneca produzieren könne. Dafür müsste man aber andere Produktionen zurückstellen, wofür Regresszahlungen fällig würden.

Mehr Impfstoff bedeutet Herausforderung für Impfzentren

Merkel betonte, Bund und Länder wollen weiter an der Priorisierungsliste für die Impfungen festhalten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warf allerdings auch auf, darüber nachzudenken, Lehrern und Erzieherinnen schneller als in der dritten Priorisierungsgruppe ein Angebot machen zu können.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller nannte die Runde "wichtig für einen gemeinsamen Sachstand". Im Rahmen der bundesweiten Impfstrategie soll nun ein konkreter Impfplan erarbeitet werden, nach dem die Menschen zu einem Termin eingeladen werden können. Biontech, Moderna und Astrazeneca hätten für die nächsten drei beziehungsweise zwei Wochen konkrete Liefermengen benennen können. Müller erklärte, dass die Lage in den Impfzentren durch die geringen Impfstoffmengen derzeit noch sehr entspannt sei. "Natürlich wird es nochmal spannend, wenn wir deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung haben", sagte er mit Blick auf Räume, Personal, Material und die Einladungsstrategie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2021 | 20:00 Uhr

146 Kommentare

Wessi vor 38 Wochen

@ Sonnenseite...der Mann ist mit durchlöcherter Maske durch den Bundestag geschlurft, hat als Abgeordneter (Vorbildfunktion) andere gefährdet ...ja, wenn so jemand dann hinterher immer noch Corona irgendwie verharmlost, dann tritt er den Pflegenden und die Ärzte...mit seinen "blaubraunen Stiefeln"..." voll ins Maul".ja so sind sie, Querdenker+AfD!Ob sie nun bösartig denken oder nicht...!Es ist eine Unterstellung.Bösartig und gelogen.Wie von Ihnen häufig.

Micky Maus vor 38 Wochen

"das ist eine bösartige Unterstellung"

Nein! ☝️

Das haben sie genau so ausgedrückt" ☝️

"Der wurde sogar beatmet"

Das lässt auch keinen Spielraum für eine andere Interpretation! ☝️

Kritiker vor 38 Wochen

+...Einige Ministerpräsidenten hatten zuvor kritisiert, dass die Bundesregierung und die EU nur mehr Impfdosen hätten bestellen müssen....+
Dem ist zuzustimmen! ... man hätte ... usw. Die Menge an Bestellungen ist wohl kaum damit in Verbindung zu bringen, das man ja Risiken ausschließen wollte.
Es WÄRE nur der Zeitfaktor, welcher hier nicht ausreichend von BK-Amt, wie von der EU berücksichtigt wurde.

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