Russischer Impfstoff Sputnik V: Baldige EU-Zulassung eher unwahrscheinlich

Noch immer wird über eine Impfpflicht diskutiert, denn noch immer ist die Impfquote in Deutschland zu niedrig. Manche Menschen lassen sich nicht impfen, weil sie der mRNA-Technologie nicht vertrauen. Deshalb setzten einige ihre Hoffnung in den russischen Vektor-Impfstoff Sputnik V als Alternative. Doch um den ist es ziemlich ruhig geworden.

Aufziehen einer Impfspritze mit SputnikV Impfstoff
Eine Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V ist nicht in Sicht. Bildrechte: imago images/Xinhua

Dass es um Sputnik V ziemlich ruhig geworden ist, ist auch MDR AKTUELL Hörer Heiko Bachmann aufgefallen: "Vor knapp einem Jahr haben die Ministerpräsidenten von Thüringen und Bayern angeregt, dass der russische Sputnik-Impfstoff auch in Deutschland eingesetzt werden sollte und seit der Zeit hat man da nicht mehr viel von gehört. Deshalb meine Frage: Wie ist da der Stand der Dinge?"

Zulassungsprozess von Sputnik V läuft immer noch

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft den russischen Covid-Impfstoff Sputnik V bereits seit knapp einem Jahr in einem sogenannten Rolling Review-Verfahren. Das heißt, es werden fortlaufend neue Daten in die Prüfung einbezogen, bis genug wissenschaftliche Evidenz für den Zulassungsprozess vorliegt. Doch genau daran mangele es nach wie vor, erklärte Fergus Sweeney jüngst in einer EMA-Pressekonferenz: "Wir prüfen weiter Informationen und Daten, die vom Entwickler bereitgestellt werden. Aber wissen Sie, wir warten immer noch auf eine Reihe von Maßnahmen, um mit der Überprüfung weitermachen zu können. Der Prozess wird fortgesetzt, aber wir brauchen dafür weitere Daten und Informationen."

Auf Nachfrage teilt die EMA schriftlich mit, dass sie im Laufe des vergangenen Jahres mehrere Inspektionen in Russland durchgeführt habe. Über die Ergebnisse könne aber keine Auskunft gegeben werden, solange der Prozess noch laufe: "Dieses Rolling Review-Verfahren wird fortgesetzt, bis ausreichend Evidenz für einen formellen Zulassungsantrag vorliegt, welcher noch nicht eingegangen ist."

Kein Interesse mehr an Sputnik V

Mit einer baldigen Zulassung des Impfstoffs in der Europäischen Union ist also kaum zu rechnen. Doch die ist für die Politik Voraussetzung. Kurz nach Beginn des Rolling Review-Verfahrens im vergangenen Jahr waren viele Politikerinnen und Politiker noch zuversichtlich, dass die Zulassung relativ schnell erfolgen würde.

Neben den Ministerpräsidenten von Bayern, Thüringen und Sachsen forderte unter anderem auch die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt damals, es müssten rasch Impfdosen des russischen Impfstoffs gekauft werden. Wie sieht Linkenpolitiker Wulf Gallert das heute? Er sagt dazu: "Wir haben ja jetzt eine völlig andere Situation. Wir hatten, als es damals diese Debatte gab, noch einen eklatanten Impfstoffmangel. Den haben wir jetzt nicht mehr. Wir haben jetzt auch einen zugelassenen sogenannten Totimpfstoff und insofern hat sich die Diskussion wahrscheinlich ohnehin erledigt."

Gallert glaubt auch nicht, dass die Zulassung von Sputnik V heute noch zu einer nennenswert höheren Impfbereitschaft im Osten Deutschlands führen würde. Und angesichts des Kriegs in der Ukraine bezweifelt er, dass Sputnik V überhaupt noch gekauft würde.

In Bayern schließt man das bereits aus. Ministerpräsident Markus Söder hat im Landtag auch der Produktion des Impfstoffs in Illertissen eine Absage erteilt: "Zur möglichen Produktion des Impfstoffs Sputnik V in Bayern ist zu sagen: Es existieren weder Verträge noch ein MOU* noch liegt die EU-Erlaubnis für diesen Impfstoff vor. Selbst wenn beides vorhanden wäre, wäre es aus unserer Sicht nicht vorstellbar, dass dieses Projekt jetzt verwirklicht werden könnte; das ist vorbei."

*MOU steht für "Memory of Understanding". Gemeint ist eine Absichtserklärung zwischen zwei oder mehreren Parteien.

Landet der Sputnik-Impfstoff also womöglich noch vor seiner Zulassung auf der Sanktionsliste der Europäischen Union? Ausschließen will das der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Peter Liese, auf Nachfrage nicht. Noch liege die konkrete Sanktionsliste aber nicht vor. Für ihn ist das Thema Sputnik V aber ohnehin nicht mehr relevant. Liese zufolge wäre es fachlich und politisch Unsinn, den Impfstoff überhaupt noch zu kaufen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Februar 2022 | 06:00 Uhr

5 Kommentare

Soldaten Norbert vor 24 Wochen

Mal eine andere Frage, wann endlich bekommen unsere jetzigen Impfstoffe die vollständige Zulassung ? Und warum haben sie sie denn noch nicht erhalten ? Eigenartig.

kleinerfrontkaempfer vor 24 Wochen

Was waren das doch für wilde Zeiten als doitsche Staatsbürger sich auf eigene Kosten nach Rußland oder Serbien bemühten um sich SPUTNIK unter die Haut spritzen zu lassen.
Über soooo viel Impfenthusiasmus würden sich heute Experten, Politiker und Medien nur verwundert die Äuglein reiben.
Dem Bürger haben sie inzwischen die ABO-Impfung und diverse teure Impfstoffe ins haus gebracht. Z.B.: Johnson&Johnson, hochgepriesen und millionenfach verimpft.
=> Anfang Dezember 2021 dann Auskunft eines Frankfurter Virologen im Morgenradio des Hessischen Rundfunks: "Wer mit Johnson&Johnson geimpft ist, der sollte so tun als sei er gar nicht geimpft."
Da kommt Freude und vor allem Vertauen beim Bürger auf. Sieht man ja wöchentlich auf den Straßen und Plätzen im Land.

wo geht es hin vor 24 Wochen

Mich würde mal interessieren, ob solche Zugangshürden bei den MRNA - Spritzen in Europa, Deutschland und anderen Ländern auch angelegt wurden/werden. In Indien z. Bsp. hat Pfizer die von der dortigen Zulassungsbehörde geforderten Daten nicht vorlegen wollen oder können und folgerichtig ist Pfizer jetzt dort raus. Mir scheint, hier wurde/wird wieder mal mit zweierlei Maß gemessen.

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