Weiterer Rekord Inflation steigt auf 7,4 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland ist im April weiter gestiegen. Die Verbraucherpreise lagen um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand vorläufiger Berechnungen mitteilte. Fachleute rechnen mit weiteren Preissteigerungen.

Ein Mann steht im Heizungskeller in einer Privatwohnung.
Die Energiepreise treiben weiter die Inflation nach oben. Bildrechte: IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Die Inflation eilt von Rekord zu Rekord: Im April mussten Verbraucher für Energieprodukte und Nahrungsmittel erneut deutlich mehr Geld ausgeben. Insgesamt lag die Inflation im Jahresvergleich laut Statistischem Bundesamt voraussichtlich bei 7,4 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 40 Jahren.

Preistreiber Energie

Am stärksten legten im April die Preise für Energie zu, sie stiegen im Jahresvergleich um 35,3 Prozent. Damit schwächte sich die Teuerung hier sogar etwas ab. Im März hatte die Inflationsrate für Energie wie Heizöl oder Sprit noch bei 39,5 Prozent gelegen. 

Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise nahm dagegen zu: Im April wurden Obst, Gemüse, Fleisch oder Getränke den Angaben zufolge um 8,5 Prozent teurer. Im März hatte die Rate bei 6,2 Prozent gelegen. Dienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich laut Statistik um 2,9 Prozent. Die Nettokaltmieten kletterten um 1,6 Prozent.

Historischer Anstieg

Ähnlich hoch wie im April war die Inflationsrate zuletzt im Herbst 1981, als infolge des Ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran die Mineralölpreise ebenfalls stark gestiegen waren. Grund für den starken Anstieg der Energiepreise ist der Behörde zufolge vor allem der Ukraine-Krieg. In der Folge steigen auch die Preise für viele andere Güter. Dazu kommen Engpässe durch unterbrochene Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie.

Bundesfinanzminister Christian Lindner zeigte sich wegen der hohen Inflation besorgt: "Das ist eine Belastung für viele Menschen." Eine so hohe Teuerungsrate gefährde die Stabilität der Wirtschaft und gehe zulasten von Investitionen, sagte der FDP-Vorsitzende am Donnerstag in Berlin. "Aus einer solchen wirtschaftlichen Lage kann sich eine tiefe Krise entwickeln." Deswegen entlaste die Bundesregierung bereits Unternehmen und private Haushalte.

Weitere Preissteigerungen erwartet

Fachleute rechnen in den kommenden Monaten mit einer anhaltend hohen Inflationsrate. Für die Entwicklung sei "zentral, wie sich die Energiepreise weiter entwickeln", erklärte der Ökonom Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Sollte es zu einem Lieferstopp russischen Gases kommen, dürfte die Inflation noch einmal einen deutlichen Sprung nach oben machen." In jedem Fall rechnet das IMK im laufenden Jahr mit weiteren Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln – etwa wegen hoher Düngemittelpreise, ausfallender Getreidelieferungen und hoher Energiekosten für Gewächshäuser.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft erklärte, eine nachhaltige Entspannung bei den Verbraucherpreisen sei "vorerst nicht in Sicht". Die Forscher verwiesen vor allem auf die Erzeugerpreise, die im März mehr als 30 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen hatten. Diese Anstiege würden "von den Unternehmen erst nach und nach an die Verbraucher weitergereicht" und hielten so die Inflation "für längere Zeit" hoch.

AFP/dpa/MDR(ala)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 28. April 2022 | 14:30 Uhr

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