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Obwohl das sogenannte Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche abgeschafft wird, finden betroffene Menschen noch immer zu wenige Informationen rund um den Eingriff. Bildrechte: imago images/YAY Images

HintergrundMethoden, Kosten, Rechtslage: Alle Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

von Johannes Angermann, MDR AKTUELL

Stand: 21. Februar 2022, 16:36 Uhr

Die Entscheidung, eine Schwangerschaft abzubrechen, liegt allein bei den Betroffenen. Wir beantworten die 15 wichtigsten Fragen zum Thema Schwangerschaftsabbruch, von der Rechtslage über Vorbedingungen, Methoden und Risiken bis hin zu Kosten und Beratungsangeboten.

Wann ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland möglich?

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland aus medizinischen Gründen und nach einer Sexualstraftat erlaubt. Ein Abbruch ist auch möglich, wenn Betroffene zuvor eine Pflichtberatung machen. Das gilt zwar als rechtswidrig, bleibt aber straffrei.

Schwangerschaftsabbruch nach Straftaten

Erlaubt ist ein Schwangerschaftsabbruch nach sexuellem Missbrauch oder einer Vergewaltigung. Das muss durch einen Arzt oder eine Ärztin festgestellt werden. Diese dürfen den Abbruch nicht selber durchführen, sondern müssen die Betroffenen an einen anderen Arzt oder Ärztin verweisen. Eine vorherige Beratung ist nicht Pflicht. Der Abbruch ist bis zur 12. Woche möglich. (§218a Abs. 3 StGB)

Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen

Besteht durch die Schwangerschaft Lebensgefahr für die Frau oder Gefahr für ihre körperliche oder seelische Gesundheit, ist ein Abbruch erlaubt. Voraussetzung ist, dass die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann. Das muss durch einen Arzt oder eine Ärztin festgestellt werden. Zwischen der Mitteilung der Diagnose und der Indikationsstellung, dass die Frau einen Abbruch machen darf, müssen drei Tage vergehen. Ein Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen ist auch nach der 12. Woche möglich. (§218a Abs. 2 StGB)

Schwangerschaftsabbruch aus eigener Entscheidung (Fristenregelung)

Wenn die Frau einen Abbruch vornehmen will, kann sie dies bis zur 12. Woche tun. Das gilt als rechtswidrig, bleibt allerdings straffrei. Dafür muss die Schwangere eine Schwangerschaftskonfliktberatung machen und dort einen Beratungsschein ausgestellt bekommen. Zwischen der Beratung und dem eigentlichen Eingriff müssen drei volle Tage liegen. Beratung und Abbruch dürfen nicht von derselben Person durchgeführt werden. (§218a Abs. 1 StGB)

Bis wann darf man eine Schwangerschaft abbrechen?

Ein Abbruch ist laut Gesetz bis zur 12. Woche nach der Empfängnis möglich. Da der genaue Tag der Empfängnis unbekannt ist, wird in der Medizin meistens ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung gerechnet. Die Grenze des Strafgesetzbuches von 12 Wochen nach Empfängnis entspricht dabei der 14. Schwangerschaftswoche. Ein Abbruch aus medizinischen Gründen kann auch noch nach der 12. Woche erfolgen.

Was muss vor einem Schwangerschaftsabbruch getan werden?

In den meisten Fällen muss die Schwangere vorher zu einer Schwangerschaftskonfliktberatung bei einer staatlich anerkannten Stelle. Diese stellen einen Beratungsschein aus. Mit diesem kann die Betroffene dann nach drei vollen Tagen Wartezeit bei einem anderen Arzt oder einer anderen Ärztin die Schwangerschaft abbrechen lassen. Bei Abbrüchen aus medizinischen Gründen oder nach einer Straftat ist kein Schein nötig.

Ist eine Kostenübernahme möglich, muss diese bei der Krankenkasse beantragt werden.

Was ist die Schwangerschaftskonfliktberatung?

Schwangere, die aus eigener Entscheidung die Schwangerschaft abbrechen wollen, müssen vorher zu einer Pflichtberatung. Wo die nächste Beratungsstelle ist, wissen Haus- oder Frauenärztinnen und -ärzte. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie die Sozial- und Gesundheitsministerien der Bundesländer haben auf ihren jeweiligen Internetseiten Listen mit Beratungsstellen. Es gibt Beratungsstellen für verschiedene Weltanschauungen.

Diese Pflichtberatung ist kostenlos und unverbindlich, auf Wunsch auch anonym. Für die Beschäftigten der Beratungsstellen gilt die Schweigepflicht.

Die Beratung soll ergebnisoffen erfolgen. Das Schwangerschaftskonfliktgesetz und das Strafgesetzbuch schreiben jedoch vor, dass die Beratung dem "Schutz des ungeborenen Lebens" dienen soll.

Nach der Beratung erhält die Schwangere den Beratungsschein, der für einen straffreien Abbruch notwendig ist. Eine Beratungsstelle darf ein weiteres Gespräch verlangen, bevor der Schein ausgestellt wird. Allerdings darf eine Ausstellung nicht verweigert, oder soweit verzögert werden, dass die Betroffene die vorgeschriebenen Fristen verpassen würde.

Schwangerschaftsabbruch: Wie findet man einen Arzt?

Zunächst können Haus- oder Frauenärzte und -ärztinnen darüber informieren. Sowohl die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als auch die Bundesärztekammer haben Listen mit Ärztinnen und Ärzten, die Abbrüche vornehmen. Auch Konfliktberatungsstellen informieren, wo Abbrüche möglich sind.

Diese Dokumente sind für einen Abbruch nötig

  • Beratungsschein
  • Karte der Krankenversicherung
  • gegebenenfalls die Bestätigung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse
  • wenn vorhanden einen Blutgruppen-Nachweis
  • bei einem operativen Abbruch jemanden, der einen im Anschluss nach Hause begleitet

Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Bei Schwangerschaftsabbrüchen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch und die Absaugung, die ein operativer Schwangerschaftsabbruch ist. Darüber hinaus gibt es noch die sogenannte Kürettage oder Ausschabung. Dabei handelt es sich um eine veraltete Methode, die nicht mehr empfohlen wird.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Ein medikamentöser Abbruch kann bereits sehr früh erfolgen. Dabei werden im Abstand mehrerer Tage zuerst der Wirkstoff Mifepriston und später Misoprostol eingenommen. Das verwendete Medikament ist bis zur 9. Schwangerschaftswoche zugelassen.

So funktioniert ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Mifepriston (Handelsname: Mifegyne) wird zur Vorbereitung eines medikamentösen Abbruchs eingenommen. Bildrechte: dpa

Das Medikament mit dem Wirkstoff Mifepriston (Handelsname: Mifegyne) bewirkt, dass sich die Gebärmutterschleimhaut und der Fruchtsack mit dem Embryo ablösen. In einigen Fällen kann es bereits dadurch zu einer Öffnung des Muttermundes und bereits 24 Stunden nach der Einnahme zu Blutungen kommen.

Etwa 36 bis 48 Stunden nach der Einnahme des ersten Wirkstoffs nimmt die Frau ein weiteres Medikament mit dem Wirkstoff Misoprostol (Handelsname: Cytotec) ein. Dieses bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht, und sich der Muttermund öffnet. Innerhalb weniger Stunden kommt es zu einer Blutung, bei der die Gebärmutterschleimhaut und die Fruchtblase mit dem Embryo ausgestoßen werden.

Misoprostol kann sowohl unter Aufsicht bei Arzt oder Ärztin als auch abhängig von der Praxis zu Hause eingenommen werden. In diesem Fall gibt es unterstützende Angebote wie zum Beispiel eine entsprechende App.

Wie sicher ist ein medikamentöser Abbruch?

Der medikamentöse Abbruch führt in mehr als 96 Prozent der Fälle zu einem vollständigen Abbruch der Schwangerschaft. Um sicherzugehen, sollte zehn bis 14 Tage nach der Behandlung eine Ultraschalluntersuchung erfolgen.

Beschwerden und Schmerzen

Das zuerst eingenommene Mittel (Mifepriston) ist grundsätzlich gut verträglich. Man kann nach der Einnahme seinem Alltag normal nachgehen. In seltenen Fällen kann es zu Kopfschmerzen, Krämpfen und Übelkeit kommen. Bei einem kleinen Teil der Behandelten – etwa 3 Prozent – setzt bereits nach der Einnahme des ersten Medikaments eine starke Blutung ein und es kommt zum Abbruch.

Am Tag der Misoprostol-Einnahme kommt es meist zu Blutungen, die stärker als bei der Periode sind. Diese können von Krämpfen, Übelkeit, Durchfall und Kreislaufschwäche begleitet sein. Die Beschwerden sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige benötigen Schmerzmittel oder eine Krankschreibung. Die Beschwerden lassen in der Regel nach einigen Stunden nach. An dem Tag sollten sich Betroffene schonen.

Krankschreibung bei Schwangerschaftsabbruch

Ja, auf Wunsch können sich Betroffene krankschreiben lassen. Auf der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung wird kein Grund für die Arbeitsunfähigkeit angegeben.

Risiken und Komplikationen

In seltenen Fällen können noch Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben. Das wird bei der Nachuntersuchung geprüft. Treten dabei keine Komplikationen wie Fieber oder eine sehr starke Blutung auf, kann auch – unter ärztlicher Kontrolle – abgewartet werden, ob der Körper das möglicherweise noch in der Gebärmutter verbliebene Gewebe von selbst abstößt. Alternativ kann erneut Misoprostol eingenommen werden. Oder das Gewebe wird mittels Absaugung sicher entfernt.

Wann ist ein medikamentöser Abbruch nicht möglich?

Frauen, die eine liegende Spirale nutzen, muss diese vor dem Abbruch entfernt werden. Es gibt Vorerkrankungen, die gegen einen medikamentösen Abbruch sprechen. Dazu gehören: chronisches Nierenversagen, schweres, nicht behandeltes Asthma, bekannte Allergie gegen die verwandten Medikamente und Blutgerinnungsstörungen. Eine Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten muss bei einem medikamentösen Abbruch kurzzeitig ausgesetzt werden.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch - Kinder zu bekommen ist weiter möglich

Komplikationen bei einem medikamentösen Abbruch sind selten. Verläuft der Schwangerschaftsabbruch ohne Komplikationen, gibt es in der Regel keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und auf spätere Schwangerschaften. Die Frau kann problemlos Kinder bekommen.

Operativer Schwangerschaftsabbruch (Absaugung)

Ein operativer Schwangerschaftsabbruch wird ambulant in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt. In der Regel findet die Absaugung unter Vollnarkose oder mit einer lokalen Betäubung statt. Nach dem Aufwachen und einer kurzen Wartezeit kann man anschließend wieder nach Hause gehen.

So funktioniert eine Absaugung

Die Absaugung ist ein ambulanter Eingriff. Nach dem Erwachen aus der Narkose können Betroffene am selben Tag wieder nach Hause gehen. Bildrechte: dpa

Einige Stunden vor dem Abbruch kann ein Medikament (Prostaglandin) gegeben werden, das den Muttermund weicher und leichter dehnbar macht. In der Praxis oder Klinik erhalten die Schwangeren dann eine Betäubung. Im Anschluss wird der Muttermund mit Stäbchen vorsichtig einige Millimeter aufgedehnt, sodass ein schmales Saugröhrchen eingeführt werden kann. Durch dieses wird vorsichtig der Embryo und die Gebärmutterschleimhaut abgesaugt. Anschließend prüft der Arzt oder die Ärztin, ob alles vollständig entfernt wurden. Die gesamte Absaugung dauert etwa zehn bis 15 Minuten.

Nach dem Aufwachen aus der Narkose können sich die Betroffenen in der Praxis oder der Klinik etwas ausruhen und anschließend wieder nach Hause gehen. Wegen der Narkose ist man nach dem operativen Abbruch nicht mehr verkehrstüchtig und darf nicht Auto oder Fahrrad fahren.

Wie lang dauert ein operativer Schwangerschaftsabbruch?

Die Absaugung an sich dauert etwa zehn bis 15 Minuten. Inklusive Vorbereitung und anschließender Aufwach- und Ruhephase dauert alles etwa drei Stunden.

Schmerzen

Da die Absaugung unter Narkose stattfindet, ist der Eingriff schmerzfrei. Im Anschluss können leichte Schmerzen auftreten, dann kann ein Schmerzmittel eingenommen werden. Viele Patientinnen kommen aber ohne aus.

Nach dem Abbruch kommt es zu leichten Blutungen, die in der Regel schwächer sind als die Monatsblutung. Diese können bis zu zwei Wochen anhalten. In diese Zeit sollte auf Vollbäder, Schwimmen, das Benutzen von Tampons und Geschlechtsverkehr verzichtet werden. In den ersten Tagen nach dem Abbruch sollten sich Betroffene zunächst etwas schonen. Der Körper stellt sich nach der beendeten Schwangerschaft hormonell wieder um. Etwa zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff sollte eine Nachuntersuchung bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt erfolgen.

Risiken und Komplikationen

Ein operativer Schwangerschaftsabbruch ist ein sehr sicherer Eingriff. Probleme bei der Narkose, Verletzungen der Gebärmutter, Einrisse des Muttermundes oder ein hoher Blutverlust treten sehr selten auf.

In weniger als zwei Prozent der Fälle kann es zu Fieber, starken Blutungen oder anhaltenden Unterbauchschmerzen kommen. Dann muss umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden. Dabei soll ausgeschlossen werden, dass es eine Entzündung gibt oder dass noch Restgewebe in der Gebärmutter verblieben ist.

Operativer Schwangerschaftsabbruch - Kinder bekommen ist weiter möglich

Ja. Ein komplikationsloser, operativer Abbruch hat in der Regel keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit. Spätere Schwangerschaften sind problemlos möglich.

Kürettage

Die Kürettage ist eine veraltete Art des Schwangerschaftsabbruchs. Diese wird als alleinige Methode heute nicht mehr empfohlen. In Sonderfällen kann sie eingesetzt werden, wenn nach einem Schwangerschaftsabbruch mit gängigen Methoden noch Gewebereste aus der Gebärmutter entfernt werden müssen.

Bei der Kürettage wird zunächst der Muttermund aufgedehnt, und die Gebärmutter mit einem löffelartigen Instrument ausgeschabt. Das geht mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher.

Pille danach ist keine Abtreibung

Die "Pille danach" zögert den Eisprung hinaus, wenn dieser noch nicht stattgefunden hat. So kann es nicht zu einer Befruchtung der Eizelle und einer anschließenden Schwangerschaft kommen. Die Pille danach ist ohne Rezept oder Konfliktberatung in Apotheken erhältlich.

Idealfall: Betroffene kann Methode des Abbruchs wählen

Im Idealfall können Betroffene zwischen beiden Methoden des Schwangerschaftsabbruchs wählen. Manche Patientinnen bevorzugen den operativen Abbruch, da der Eingriff schnell vorbei und die Schwangerschaft sicher beendet ist. Durch die Vollnarkose bekommen sie vom eigentlichen Abbruch nichts mit.

Ein medikamentöser Abbruch erfolgt hingegen ohne Narkose und an mehreren Tagen. Die Betroffenen erleben alle Phasen bewusst mit. Einigen Menschen kann das helfen, das Gefühl der Kontrolle zu haben.

Sieht man etwas beim Schwangerschaftsabbruch?

Während einer Schwangerschaft bildet sich erst nach etwa 6 ½ Wochen ein Embryo. Bis zur 7. Schwangerschaftswoche ist ein Embryo mit bloßen Augen nicht zu erkennen. In der 9. Woche ist das Embryo etwa 1,5 bis 2 Zentimeter groß. Bei einem medikamentösen Abbruch kann ab der 8. Schwangerschaftswoche in seltenen Fällen der ausgestoßene Embryo sichtbar sein.

Bei einem operativen Abbruch ist man in der Regel unter Vollnarkose, und kann damit nichts sehen.

Wie lang dauert ein Schwangerschaftsabbruch?

Operativ: Mit Vor- und Nachbereitung etwa drei Stunden.
Medikamentös: Die Medikamente werden mit Abstand im Verlauf von etwa drei Tagen eingenommen.

Kosten für die Abtreibung

Ein medikamentöser Abbruch kostet etwa 300 Euro. Ein operativer Abbruch per Absaugung kostet etwa 600 Euro.

Zahlt die Krankenkasse einen Schwangerschaftsabbruch?

Die Krankenkassen zahlen einen Abbruch nur, wenn ein medizinischer Grund vorliegt oder nach einer Straftat. Bei einem Schwangerschaftsabbruch aus eigener Entscheidung zahlt die Betroffene.

Viele Betroffene sind aber für eine Kostenübernahme qualifiziert. Wer weniger als 1.258 Euro netto im Monat hat, kann diese beantragen. Für jedes Kind, das im Haushalt der Schwangeren lebt, steigt dieser Betrag um je 298 Euro an. Eine weitere Erhöhung um maximal 368 Euro ist möglich, wenn die Kosten der Unterkunft 368 Euro übersteigen.

Beispiel KostenübernahmeEine Frau mit zwei Kindern und einer Miete von 400 Euro im Monat, die weniger als 2.222 Euro Netto-Einkommen hat, kann eine Übernahme beantragen. Diese Einkommensgrenze gilt zunächst bis zum 30. Juni 2022.

Die Kostenübernahme muss vor dem Arzttermin bei einer Krankenkasse beantragt werden. Privatversicherte können eine Kostenübernahme bei jeder gesetzlichen Krankenkasse beantragen.

Verhütung nach dem Schwangerschaftsabbruch

Bei beiden Methoden beginnt mit dem Tag des Abbruchs ein neuer Menstruationszyklus. Daher sollte auf eine wirksame Verhütung geachtet werden.

Der Embryo spürt nichts

Stand der medizinischen Forschung ist, dass das neuronale Netz des Embryos zum Zeitpunkt des Abbruchs noch nicht entsprechend ausgebildet ist.

Wie geht es Betroffenen psychisch nach einem Abbruch?

Eine Schwangerschaft ist ein seelischer und körperlicher Ausnahmezustand. Eine Schwangerschaft bringt eine starke Veränderung des Hormonhaushalts der Frau mit sich. Nach einem Abbruch normalisiert sich dieser wieder. Das kann mit Stimmungsschwankungen einhergehen, die sich in einem seelischen Tief äußern.

Wie eine Frau das Geschehen verarbeitet, hängt von der persönlichen Einstellung und der jeweiligen Lebenssituation ab. Die klinische Praxis zeigt, dass die meisten Frauen nach dem Abbruch zunächst erleichtert sind. Der Abbruch kann aber auch eine depressive Verstimmung oder Schlaflosigkeit auslösen.

Bei länger anhaltenden psychischen Problemen sollten Betroffene psychotherapeutische Hilfe suchen.

Keine Hinweise auf angebliches "Post-Abortion-Syndrom"

Mehrere Studien zeigen: Ein Schwangerschaftsabbruch führt nicht zu einem höheren Risiko für psychische Störungen.
Studien zeigen, dass unter bestimmten äußeren Umständen das Risiko für psychische Störungen nach dem Abbruch steigen kann. Risikofaktoren sind dabei:

  • die wahrgenommene Stigmatisierung
  • die Notwendigkeit, den Schwangerschaftsabbruch geheim zu halten
  • geringe soziale Unterstützung für die Entscheidung
  • niedriges Selbstwertgefühl
  • verleugnende und vermeidende Bewältigungsstrategien
  • und vor allem: vorangegangene psychische Probleme

Keine medizinische oder psychiatrische Vereinigung erkennt das sogenannte Post-Abortion-Syndrom an. Mit diesem Begriff soll in der politischen Auseinandersetzung um Schwangerschaftsabbrüche eine Reihe negativer Folgen dem Schwangerschaftsabbruch zugeschrieben werden.

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Bundesärztekammer, Doctors for Choice, Bundesjustizministerium

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2022 | 16:06 Uhr