Corona-Lockerungen Was bei einer Inzidenz von 35 passieren soll

Erst war es die 50, jetzt ist es die 35: die Inzidenz-Zielmarke, die neue Lockerungen verspricht. Doch seit dem vergangenen Bund-Länder-Treffen vor einer Woche sorgt die "35" vor allem für Verwirrung: Wo kommt die Zahl jetzt her? Und wie lange muss sie stabil bleiben? Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in den vergangen Tagen mal von drei bis fünf, dann von vierzehn Tagen. Was denn nun?

Angela Merkel vor Pressevertretern
Bundeskanzlerin Merkel sorgte mit neuen Zahlen zu den Corona-Lockerungen für Verwirrung. Bildrechte: dpa

Dass nun alle plötzlich von der 35 statt der 50 reden, liegt am Infektionsschutzgesetz, das im November angepasst wurde. Beide Zahlen sind als Richtwerte für Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie genannt – so viel vorweg. Marian Wendt, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Nordsachsen weiß auch, woher die "drei bis fünf" Tage kommen, von denen die Bundeskanzlerin gesprochen hat: "Die 5-Tage-Regelung haben wir bereits heute ja in den Verordnungen stehen, also dass ein Inzidenzwert mindestens fünf Tage gehalten werden muss, um zu lockern."

Erst dann kämen die 14 Tage ins Spiel. Wenn zum Beispiel der Einzelhandel öffne, müsse erst zwei Wochen abgewartet werden, wie sich die Lockerung auf das Infektionsgeschehen auswirke, erklärte Angela Merkel im ZDF. Bleibe die 7-Tage-Inzidenz dann immer noch bei unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, könne die nächste Lockerung folgen.

Länder entscheiden über die Lockerungen

So weit so gut – aber auf welcher Ebene muss die Inzidenz von 35 erreicht werden? Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds sagt: "Wir wissen, bei 35 geht es los, aber wir wissen zum Beispiel auch nicht: Heißt das, dass das ganze Bundesland diese Zahl erreichen muss, oder sind es möglicherweise nur einzelne Gesundheitsamtsbezirke?"

Ein Sprecher der Bundesregierung teilte MDR AKTUELL dazu mit, dass die Länder über die Umsetzung der Öffnungsschritte entschieden. Also auch darüber, ob einzelne Kreise schon lockern dürften, obwohl noch nicht überall im Bundesland die Inzidenz unter 35 liege. Gerd Landsberg glaubt, die Länder würden bei den Geschäften und später bei den Restaurants und Hotels landeseinheitliche Lösungen anstreben.

Konzepte unterscheiden sich je nach Bundesland

In Mitteldeutschland gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Die Landesregierung Sachsen-Anhalt arbeite an einem Szenario, das auch andere Kriterien als die Inzidenzzahlen berücksichtige, teilte der Regierungssprecher MDR AKTUELL mit. Auch Thüringen setze auf ein Gesamtbild und möchte am eigens schon erarbeiteten Plan festhalten, der einen Inzidenzkorridor von 25 bis 50 nennt: "Solange nicht mit den anderen Ländern und dem Bund ein gemeinsamer, besserer Stufenplan verabredet wird, bleibt unser Plan die Grundlinie", schreibt dazu die Thüringer Staatskanzlei.

Auch Sachsen arbeite an einem eigenen Öffnungsplan – Details werden noch nicht genannt. Der sächsische Bundestagsabgeordnete Marian Wendt spricht sich für ein Ampelsystem aus, das neben der Inzidenz zum Beispiel auch noch die Impfquote und die Bettenbelegung in Krankenhäusern mit berücksichtigt: "Wo man sagt, wenn die und die Faktoren so sind, dann gibt es die gelbe Farbe, die rote Farbe oder die orangene Farbe und danach werden die Maßnahmen erfolgen." Wendt glaubt, für die Bürgerinnen und Bürger wäre das leichter zu verstehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Februar 2021 | 06:05 Uhr

155 Kommentare

Ritter Runkel vor 30 Wochen

Ich finde es richtig, gewisse Maßnahmen durch- und auch umzusetzen
Aber man hat bei manchen Politikern immer so ein wenig den Eindruck, dass sie Corona insgeheim ganz klasse finden, weil sie jetzt hemmungslos die Grundrechte massiv einschränken können, um die Menschen zu kontrollieren und zu steuern. Ansonsten hätte man sich rechtzeitig um den Impfstoff und entsprechende Produktionskapazitäten gekümmert. Immerhin hat man mittlerweile über ein Jahr Zeit gehabt, Produktionsstätten aufzubauen. Wenn man die Kölner Oberbürgermeisterin gehört oder davon gelesen hat, wie sie gönnerisch davon gesprochen hat, einzelne Freiheitsrechte zurückzugeben und dann darauf hinweist, dass das natürlich nur bei Wohlverhalten erfolgt. Da sind schon einige Maßstäbe verrutscht.

Ritter Runkel vor 30 Wochen

Unsere Regierung hat durchaus die Möglichkeit, einen Weg wie in Schweden zu fahren oder sämtliche Maßnahmen auch komplett aufzuheben. Die Frage ist dann, welche Konsequenzen das hätte. Die Krise besteht aber seit über einem Jahr auch deshalb, weil keine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile eines Lockdowns bzw. des Verzichts darauf stattfindet.
Unsere Regierung und Artikel wie dieser suggerieren uns stattdessen, es gäbe nur eine Möglichkeit, auf die Krankheit zu reagieren.

Ritter Runkel vor 30 Wochen

Wir diskutieren über NoCovid bzw. ZeroCovid und akzeptieren nicht, dass Corona lange endemisch geworden ist.
Wir folgen eitlen Wissenschaftlern und überforderten Politiker und flüchten uns in Angstpsychosen.
Die Wellen, in denen Corona zuschlägt, sind natürlichen Ursprungs und für die Mehrheit der Bevölkerung ist die Infektionskrankheit ungefährlich.
Das sind die einzigen bestätigten Fakten über das Virus.

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