Rückholaktion Mutmaßliche IS-Anhängerin aus Aschersleben im Gefängnis in Halle

Deutschland hat weitere mutmaßliche Anhängerinnen der Terrororganisation Islamischer Staat sowie ihre Kinder nach Deutschland zurückgebracht. Gegen einige der zehn Frauen liegen bereits Haftbefehle vor, darunter auch eine junge Frau aus Aschersleben. Sie sitzt nun im Gefängnis "Roter Ochse" in Halle.

Eine Person vor einem Laptop.
Mutmaßliche IS-Anhängerinnen zurückgeholt – eine aus Aschersleben Bildrechte: imago/Reporters

Die in dieser Woche festgenommene IS-Anhängerin aus Aschersleben ist in einem Gefängnis in Halle untergebracht worden. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT befindet sich die junge Frau seit Donnerstagabend in der Haftanstalt "Roter Ochse". Einen nächsten Prüfungstermin beim Generalbundesanwalt gibt es demnach in 14 Tagen.

Annalena Baerbock
Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bestätigte die Rückholaktion. Bildrechte: imago images/photothek

Die Bundesregierung hatte vor wenigen Tagen zehn deutsche Anhängerinnen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mit deren 27 Kindern nach Deutschland zurückgeholt. Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes hieß es, die Frauen aus dem Lager Roj in Nordostsyrien seien zur Rückkehr bereit gewesen, müssten sich nun aber in Deutschland verantworten. "Einige von Ihnen wurden direkt nach Ankunft in Deutschland in Haft genommen", erklärte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne). "Die 27 Kinder sind letztlich Opfer des IS", hieß es weiter.

Die 27 Kinder sind letztlich Opfer des IS, und sie haben ein Recht auf eine bessere Zukunft fernab seiner tödlichen Ideologie und auf ein Leben in Sicherheit, wie wir es auch unseren eigenen Kindern wünschen. Die Mütter müssen sich für ihr Handeln verantworten.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne)

Es handelt sich um die bislang größte Rückholaktion dieser Art. Baerbock sprach von einem "äußerst schwierigen" Unterfangen. Es gebe jetzt "nur noch wenige, besonders gelagerte Fälle", für die die Bundesregierung weiter an individuellen Lösungen arbeite. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, befand sich zuletzt noch eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger in Lagern in Nordostsyrien, etwa die Hälfte davon Kinder. 

Offenbar Haftbefehl gegen junge Aschersleberin

Laut Bundesanwaltschaft lagen bereits gegen vier der zehn Frauen Haftbefehle vor. Unter ihnen war auch die inzwischen Volljährige aus Aschersleben im Salzlandkreis. Nach Informationen der "Bild" hat sie sich noch im Jugendalter im Internet radikalisiert und über einen IS-Kontakt rekrutieren lassen. 2014 sei sie als Schülerin mit gefälschter Vollmacht ihrer Eltern nach Syrien gereist, habe dort einen aus Wolfsburg stammenden Kämpfer geheiratet und drei Kinder bekommen.

Den Angaben der Bundesanwaltschaft zufolge lebte das Paar bis März 2019 in verschiedenen syrischen Ortschaften unter der Herrschaft des IS. Die Frau soll ihrem Mann die Arbeit für den IS dadurch ermöglicht haben, dass sie den Haushalt führte und die gemeinsamen Kinder betreute. Im Gegenzug habe die Familie vom IS Geld und eine Wohnung erhalten. Im Frühjahr sollen sie festgenommen worden und in kurdischen Lagern untergebracht worden sein. Alle Beschuldigten sollen im Laufe des Donnerstags dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Dann werde über eine U-Haft entschieden.

Prozess gegen Leonora M. läuft seit Januar

Die Zahl von Rückkehrern, die in Deutschland inzwischen rechtskräftig verurteilt wurden, bewegt sich laut Bundesamt für Verfassungsschutz im mittleren zweistelligen Bereich. Seit Januar dieses Jahres verhandelt das Oberlandesgericht Naumburg im Justizzentrum von Halle gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Leonora M. aus Sangerhausen. Die Bundesanwaltschaft wirft Leonora M. Beteiligung an der ausländischen terroristischen IS-Vereinigung, Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz vor. Der Prozess läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

AFP, MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. März 2022 | 08:00 Uhr

21 Kommentare

Thommi Tulpe vor 43 Wochen

Dahingehend bin ich sogar bei Ihnen.
Gerade im pupertären Alter prägen sich Einstellungen, welche man im Laufe seines späteren Lebens in manchen Punkten relativiert. Aber der Kerngedanke, den man in diesem Lebensalter entwickelt, bleibt in weiten Teilen erhalten.
Auch ich halte radikalisierte Menschen für "tickende Zeitbomben".

Thommi Tulpe vor 43 Wochen

hilflos.
Der IS ist nur eine von unzähligen wahnsinnigen Ideologien auf dieser Welt.
Diese "IS-Damen", wie Sie diese Leute nennen, sind sicher nicht die einzigen, welche Sie und mich als "Schweine" ansehen und uns töten zu müssen glauben.
Wir alle auf dieser Welt nehmen für uns das Recht auf "absolute" Wahrheit, auf irgendeine Berechtigung (selbst zum Töten!) aufgrund dieses Rechts in Anspruch. Und so wird jeder Mensch auf dieser Welt an einem ganz bestimmten Ort auf dieser Welt seinen Widersacher haben, der einem am liebsten irgendwann einen "Kopf kleiner" machen und das auch tun würde, so er/ sie könnte.

Thommi Tulpe vor 43 Wochen

Es ist schon paradox, ein gut behütetes Elternhaus gehabt zu haben, in einem freiheitlich-demokratischen Land aufgewachsen zu sein und sich dennoch radikalisiert zu haben. Weshalb ist wann ist auf diesem Lebensweg wo was schiefgegangen? Die Frageworte des letzten Satzes lassen sich beliebig variieren!

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