Hessen Gedenken an Anschlagsopfer von Hanau

Vor einem Jahr erschoss ein 43-Jähriger aus Rassismus in Hanau neun Menschen. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Die Stadt erinnerte am Freitag an den Anschlag. Bereits am Abend zuvor demonstierten Tausende Menschen gegen Rassismus und Rechtextremismus.

Gedenken in Dresden an Vorfälle in Hanau
Menschen erinnern mit einem schwarzen Banner an den Anschlag in Hanau. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Bei der Trauerfeier für die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau haben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Namen der neun Toten vorgelesen. Beide Politiker zeigten sich bei der Gedenkfeier, die coronabedingt am Freitag auf 50 Teilnehmer begrenzt war, sehr berührt. Eine extra Rede hielten Bouffier und Kaminsky nicht. Hanaus Ehrenbürger und Ex-Fußball-Nationalspieler Rudi Völler hatte zum Auftakt der Veranstaltung eine Gedenkkerze entzündet und ein Wilhelm-Grimm-Zitat vorgelesen.

Bundespräsident sieht Aufarbeitung als Bringschuld

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Gedenken an die Opfer eine Aufklärung aller offenen Fragen gefordert. Zugleich rief er die Bürger zum Zusammenhalt gegen Hass, Rassismus und Hetze auf. "Aufklärung und Aufarbeitung stehen nicht in freiem Ermessen", sagte er bei der Gedenkveranstaltung in der Stadt. "Sie sind Bringschuld des Staates gegenüber der Öffentlichkeit und vor allem gegenüber den Angehörigen."

Tausende demonstrieren vor Jahrestag

Der Vater des Opfers Ferhat Ungar hält ein Porträt seines Sohnes während einer Demonstration zum Gedenken an den Anschlag von Hanau.
Der Vater eines der Opfer mit Porträt bei der Demonstration in Frankfurt am Main. Bildrechte: dpa

In Hamburg gingen am Freitag 2.000 Demonstranten unter dem Motto "Solidarität von Hamburg nach Hanau" auf die Straße. Bereits am Donnerstagabend haben knapp 3.000 Menschen in Frankfurt am Main an den rassistischen Anschlag in Hanau erinnert. Bei einer Kundgebung und einem anschließenden Demonstrationszug trugen viele Teilnehmer Porträts der Getöteten.

Sie forderten unter anderem eine stärkere Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland.

Rassismus als Motiv

Am 19. Februar 2020 hatte ein Deutscher in zwei Shisha-Bars und einem Kiosk in Hanau neun Menschen erschossen. Alle Todesopfer hatten ausländische Wurzeln. Nach der Tat tötete der Mann seine Mutter und sich selbst. Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der 43-Jährige Videos und Mordfantasien im Internet verbreitet. Die Bundesanwaltschaft attestierte ihm eine zutiefst rassistische Gesinnung. Zudem ergab ein Gutachten eine paranoide schizophrene Störung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL Radio | 19. Februar 2021 | 10:40 Uhr

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