Kanzlerkandidatur Baerbock bei grüner Basis in Mitteldeutschland leicht vorn

Robin Hartmann
Bildrechte: MDR / Isabel Theis

Annalena Baerbock oder Robert Habeck – wer von den beiden wird der erste Kanzlerkandidat der Grünen? Die beiden haben sich in den letzten Tagen beraten und heute wird die Entscheidung erwartet. Ein wichtiger Punkt bei den Gesprächen wird gewesen sein, wer mehr Wählerstimmen für die Partei bei der Bundestagswahl im Herbst gewinnen kann. Wie wenig von diesen Absprachen nach außen dringt, sieht man, wenn man bei den Grünen im Sendegebiet nachfragt.

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, verlassen die Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Die Doppelspitze der Grünen: Sowohl Annalena Baerbock als auch Robert Habeck traut die grüne Basis in Mitteldeutschland das Kanzleramt zu - mit einer leichten Tendez zu einer weiteren Kanzlerin. Bildrechte: dpa

Selbst der sächsische Landesvorstandssprecher Norman Volger mit guten Kontakten in den Bundesvorstand weiß noch nicht, wie die Entscheidung ausfallen wird und möchte sich daher auf keinen Favoriten festlegen: "Ich bevorzuge niemanden von beiden. Ich halte beide für gleich geeignet, beide werden eine sehr gute Entscheidung sein. Ich werde das gut finden und dahinter stehen." Bei der Parteibasis in Mitteldeutschland scheint es dennoch einen Favoriten zu geben.

Wenn man bei den grünen Kreisverbänden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nachfragt, wer es denn jetzt machen soll, wird diplomatisch geantwortet:

Das ist ein hammerharter Job und wenn zwei Leute sich das teilen könnten, wär‘s optimal.

Grundsätzlich sehe ich da keine Unterschiede. Die bilden zurzeit eine Spitze bei uns, die sehr ausgeglichen ist.

Wir sind in der super Lage, zwei super KandidatInnen zu haben und das zeigt, wie stark wir gerade aufgestellt sind. Das wird den Wahlkampf der Grünen nicht bestimmen, aber ihm ein Gesicht geben.

Unterschiedliche Backgrounds

Ist es wirklich so egal, wer für die Grünen ins Rennen geht? Es geht schließlich nicht nur um das Gesicht des Grünen-Wahlkampfes, sondern auch um eine mögliche Kanzlerschaft. Und so gleich ist das Führungsduo der Grünen dann doch nicht. Annalena Baerbock sitzt seit acht Jahren im Bundestag und könnte jüngste Kanzlerin der Bundesrepublik werden.

Für Lydia Engelmann von den Grünen in Freital ist Baerbock bei der Basis beliebt, weil sie das politische Berlin kennt und auch gut im Parlament vernetzt ist.

Annalena ist dafür bekannt, dass sie im Bundestag, wenn‘s um Gesetzesentwürfe der Grünen geht, auch immer zu den anderen Parteien geht und mit denen in Verhandlung steht. Sie holt sich die Unterstützung auch aus den anderen Fraktionen. Ich glaube, auch diese Eigenschaft macht eine gute Kanzlerin aus.

Lydia Engelmann Grüne Freital

Robert Habeck musste sich im Bundestag noch nicht beweisen. Als stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister von Schleswig-Holstein konnte er aber sechs Jahre lang Regierungsverantwortung übernehmen. Das Amt legte er ab 2018 ab, als er Bundesvorsitzender der Grünen wurde. Die Erfahrung und das sprachliches Geschick des Schriftstellers könnten bei den Wählerinnen und Wählern besser ankommen, glaubt Cathleen Hoffmann von den Grünen in der Altmark:

Roberts Stärke ist, schwierige Situationen und komplexe Sachen zu analysieren und dann auch so an die Menschen wiederzugeben, dass sie es verstehen. Das ist eine Tugend, die gerade in der jetzigen Zeit total wichtig ist. Sachen so zu formulieren, dass man sie wieder versteht, das gelingt ganz wenigen gerade und das kann Robert sehr gut.

Cathleen Hoffmann Grüne Altmark

Details geben den Ausschlag an der Basis

Die Grünen haben ein Führungsduo, das sich gut ergänzt. Doch Kanzlerschaft zu zweit sieht das Grundgesetz nun einmal nicht vor. Und so kommt es für die Basis auf Kleinigkeiten an. Und da hat dann doch ein Kanzlerkandidat – oder besser gesagt – eine Kandidatin, die Nase leicht vorn. "Wenn ich mir ein Fernsehduell vorstelle, dann (sehe ich) tatsächlich Annalena", meint Lydia Engelmann. Baerbock greife den politischen Gegner etwas schärfer an als Robert Habeck und vielleicht auch nicht ganz so philosophisch wie er das gerne mache. 

Ganz ähnlich sieht es auch Wolfgang Strauhs von den Grünen in Wernigerode. "Ich würde Annalena Baerbock bevorzugen, aber das ist Spitz-auf Knopf, das ist um Haaresbreite, reine Sympathie." In der Politik der beiden gebe es keine Unterschiede, sondern eher sehe es eher so: "Noch eine Frau wäre nicht schlecht als Kanzlerin."

Alles Überlegungen, die Baerbock und Habeck auch bei ihren Gesprächen in den letzten Tagen mit einbezogen haben werden. Auch der Blick zur Konkurrenz wird eine Rolle spielen. Denn CDU, CSU und SPD haben allesamt Männer ins Rennen um die Kanzlerschaft geschickt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. April 2021 | 06:09 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland