Energieversorgung Kemfert: Deutschland durch Nord Stream 2 erpressbar

Deutschland hat sich nach Meinung der Energie-Expertin Claudia Kemfert durch sein Festhalten an Nord Stream 2 erpressbar gemacht. In ihrem Podcast sagt sie, Deutschland stehe zwischen den Interessen Russlands und der USA. Dabei sei die Pipeline gar nicht notwendig für die Energieversorgung.

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasanlandestation von Nord Stream 2.
Hoch umstritten und noch immer nicht in Betrieb: Nord Stream 2 Bildrechte: dpa

Die Energie-Ökonomin Claudia Kemfert sieht auf die Bundesregierung wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 schwierige Zeiten zukommen. Kemfert sagte am Mittwoch bei MDR AKTUELL: "Deutschland hat sich erpressbar gemacht, Nord Stream 2 ist der Elefant im Raum."

Deutschland zwischen den Interessen der USA und Russlands

Kemfert spricht von einer Zwickmühle. Sollte Nord Stream 2 scheitern, kämen auf die Bundesregierung hohe Entschädigungszahlungen zu. Zudem werde Gas seit längerem als politische Waffe eingesetzt. Die USA und Russland verfolgten ihre eigenen Interessen, Deutschland befinde sich in der Mitte dazwischen. "Im Moment ist das eine ganz heikle Geschichte. Deutschland hat sich geopolitisch ins Abseits manövriert."

Kemfert: Neue Gaspipeline nicht nötig für Energieversorgung

Nach Ansicht von Kemfert ist die neue Gaspipeline für die deutsche Energieversorgung nicht notwendig: "Das geplante Vorhaben ist energiewirtschaftlich unnötig, umweltpolitisch schädlich und betriebswirtschaftlich unrentabel." Das werde seit Jahren durch Studien belegt.

"Wir haben ausreichend Pipelines, die wir nutzen könnten", betonte die Abteilungsleiterin am DIW Berlin. Andere europäische Länder hätten in den vergangenen Jahren zudem auf Flüssiggasterminals gesetzt, auf die man im Verbund zurückgreifen könne. Außerdem werde der Anteil an fossilem Erdgas langfristig zurückgehen, wenn man die Klimaschutzziele erfüllen wolle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Februar 2022 | 17:00 Uhr

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