Klima-Podcast Kemfert: Neue Bundesregierung muss Voraussetzungen für schnelleren Kohleausstieg schaffen

SPD, Grüne und FDP streben an, den Kohleausstieg auf das Jahr 2030 vorzuziehen. Energieökonomin Claudia Kemfert hält das für realistisch. Dafür müsse aber der Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich beschleunigt werden. Hier gebe es aber noch etliche Probleme. So hätten pauschale Abstandsregeln zu Wohngebieten den Bau von Windrädern in einigen Bundesländern zum Erliegen gebracht.

Energieökonomin Claudia Kemfert hat die Ampel-Parteien aufgefordert, für einen schnelleren Kohleausstieg die geeigneten Voraussetzungen zu schaffen. Die Wissenschaftlerin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte am Mittwoch MDR AKTUELL, für einen Ausstieg bis 2030 müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich schneller vorankommen. "Das ist der Dreh- und Angelpunkt, um den es hier geht", sagte Kemfert.

Abstandsregeln verhindern Windräder

Defizite sieht die Energieökonomin derzeit vor allem beim Bau von Windrädern. Dafür müssten in jedem Bundesland zwei Prozent der Fläche ausgewiesen werden. Das werde aber zum Teil durch Abstandsregeln zu Wohngebieten verhindert. Eine Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP müsse deshalb klare Vorgaben machen: "Sonst ist es eben so, dass die pauschalen Abstandsregeln wie in Bayern, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen den Ausbau der Windenergie zum Erliegen bringen."

Erneuerbare Energien systemrelevant

Außerdem sprach sich Kemfert dafür aus, die Genehmigungsverfahren für Windräder zu vereinfachen. Dafür brauche es eine "Prioritätenliste", bei der die Versorgungssicherheit an erster Stelle stehe – noch vor Arten- und Umweltschutz.

Nichts gegen Artenschutz und Umweltschutz. Aber wir wir brauchen Versorgungssicherheit an erster Stelle.

Claudia Kemfert Energieökonomin

Bei der Kohle wird das nach Aussage Kemferts auch so gemacht: "Da baggern wir ganze Dorfschaften ab und siedeln um, weil wir feststellen, dass wir diese Energie brauchen." Diese Systemrelevanz müsse auch für die erneuerbaren Energien eingeführt werden. Wenn die neue Bundesregierung es wirklich schaffe, dass bis 2030 Deutschland 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien beziehe, "dann ist es realistisch, dass der Kohleausstieg bis 2030 tatsächlich stattfinden kann".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2021 | 14:45 Uhr

Mehr aus Politik

Eine Grafik zeigt das Piktogramm von einem Menschen, dazu der Text "Beschlossene Corona-Regeln - 2G-Regel. Für Freizeiteinrichtungen und Einzelhandel". 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland