Klimabilanz 2020 Pandemie hilft beim Erreichen der Klimaschutzziele

Volontärin Fabienne von der Eltz
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Deutschland hat seine Klimaziele 2020 eingehalten. Allerdings hat die Corona-Pandemie einen nicht geringen Anteil daran. Nicht nur deshalb fordern Umweltverbände mehr Tempo beim Klimaschutz.

Der Windenergiepark 'Odervorland'
Im Energiesektor wurden nach Angaben der Bundesregierung besonders viel CO2 eingespart. Bildrechte: dpa

Flugzeuge, die nicht starten dürfen, verbrauchen kein Kerosin. Autos, die in der Garage stehen, müssen nicht betankt werden. Und in Großraumbüros sinkt der Stromverbrauch, weil viele Beschäftigte Zuhause arbeiten. Durch die Corona-Pandemie wurde im vergangenen Jahr weniger Energie verbraucht und Deutschland konnte seine selbstgesteckten Klimaziele nicht nur erreichen, sondern leicht übertreffen. 

Die CO2-Emissionen gingen gegenüber 1990 um 40,8 Prozent zurück, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Dienstag bei der Vorstellung der Klimabilanz 2020. Die sei der größte jährliche Rückgang seit der Deutschen Einheit. Vor Beginn der Pandemie war die Bundesregierung nicht davon ausgegangen, dass das 40-Prozent-Ziel in 2020 noch erreicht werden kann.

Svenja Schulze
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Mit der Klimabilanz 2020 macht Deutschland schon im dritten Jahr in Folge Fortschritte beim Klimaschutz.

Svenja Schulze, SPD Bundesumweltministerin

Größte CO2-Einsparungen bei Energie und Verkehr

Laut Umweltbundesamt wurde das meiste CO2 im Energiesektor eingespart. Die Emissionen seien hier um 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Vor allem in der Verstromung von Braunkohle und Steinkohle sei deutlich weniger CO2 ausgestoßen worden. Auch im Verkehrssektor sind die Treibhausgasemissionen demnach stark gesunken, um 11,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der einzige Sektor, der die Vorgaben verfehlte, ist der Gebäudebereich. Hier wurde der zulässige Höchstwert von 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten trotz eines Rückgangs leicht überschritten.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass etwa ein Drittel des Emissionsrückgangs auf die Corona-Pandemie und deren Folgen zurückzuführen ist. Zwar hätte es auch ohne die Krise eine deutliche Minderung gegeben, allerdings nicht genug, um die Klimaziele zu erreichen. Umweltministerin Schulze betonte, dass aber auch strukturelle Veränderungen wie der Kohleausstieg oder der Ausbau der Erneuerbarer Energien zu der positiven Klimabilanz beigetragen hätten.

Klimaschutz bleibe eine wichtige Aufgabe, erklärte Schulze. Sie wolle auch in Zukunft den Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen massiv erhöhen und die Zahl der Verbrennerautos reduzieren. Die schärferen EU-Klimaziele erforderten auch in Deutschland zusätzliche Anstrengungen in allen Ressorts. Jede Ministerin und jeder Minister sei auch Klimaminister oder -ministerin.

Kritik von Umweltverbänden

Umweltverbände wie Greenpeace oder die Deutsche Umwelthilfe kritisierten die Maßnahmen der Bundesregierung als unzureichend und fordern mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Die Verminderung der CO2-Emissionen sei auf einen Einmaleffekt durch die Pandemie zurückzuführen, teilte die Deutsche Umwelthilfe mit. Sie fordert, die vorgesehenen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele aus dem Klimaschutzgesetz nachzubessern und hat eine Klage gegen die Bundesregierung eingereicht.

Studie: Wirtschaftsrat de facto Lobbyverband innerhalb der CDU

Unterdessen gerät die CDU nach den Lobbyaffären der vergangenen Tage weiter unter Druck. Die Transparenzorganisation LobbyControl hat in einer Studie den Einfluss des CDU-Wirtschaftsrates in der Partei untersucht. Sie kommt zu dem Schluss: Der Wirtschaftsrat sei kein CDU-Parteigremium, sondern de facto ein Lobbyverband, der sogar einen Sitz im Parteivorstand habe. Der Name sei irreführend. Die Studie zeige, dass der Verband in den Medien überwiegend wie ein Parteigremium beschrieben werde.

Ein Lobbyverband mit Sitz im Parteivorstand ist ein Unding. Mit seinen exklusiven Verbindungen in die Partei verfügt der Wirtschaftsrat dort über eine besondere Machtstellung.

Christina Deckwirth, LobbyControl

Eine solche Bevorzugung eines einzelnen Lobbyverbands befördere die einseitige Einflussnahme auf die Partei und führe damit zu unausgewogenen politischen Entscheidungen, erklärte LobbyControl. Zu den derzeit über 12.000 Mitgliedern im Wirtschaftsrat gehören demnach unter anderem Eon, Daimler oder die Deutsche Bank und damit vor allem Unternehmen, die Klimaschutzmaßnahmen skeptisch gegenüberstehen.

Vorwurf: CDU-Wirtschaftsrat bremst Klimaschutz

Der Studie zufolge forderte der Wirtschaftsrat jüngst, die europäischen Klimaziele wegen der Corona-Krise nicht, wie geplant, zu erhöhen. Diese Forderung habe dann auch in einem Entwurf-Positionspapier der CDU-Bundestagsfraktion gestanden, das erst nach heftigen Protesten wieder abgeschwächt wurde. LobbyControl kritisiert weiter, der Verband habe gegen schärfere Abgasgrenzwerte oder höhere Umweltstandards in globalen Lieferketten lobbyiert.

Eine solche Nähe zwischen Lobbyverband und Partei ist schädlich für die Demokratie und das Klima.

Christina Deckwirth, LobbyControl

Als Berufsverband unterliege der Wirtschaftsrat der CDU trotz seiner Parteinähe nicht den Transparenzpflichten von Parteien, erklärte LobbyControl. Es dürfe nicht sein, dass ein Lobbyverband seine Finanzierung im Dunkeln halten könne. Die Organisation forderte eine klare Trennung zwischen Partei und Lobbyverband.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: 16. März 2021 | 13:00 Uhr

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