Energiewende Mitteldeutsche Energiewirtschaft nennt Habecks Pläne "ambitioniert"

Raja Kraus, Autorin, Reporterin
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Klimaschutzminister Robert Habeck hat sein "Arbeitsprogramm" für den Klimaschutz vorgestellt. Darin enthalten: Bis 2030 sollen rund achtzig Prozent des Strombedarfs in Deutschland aus den erneuerbaren Quellen Wind und Sonne kommen. Bisher liegt der Anteil gerade mal bei etwa 40 Prozent. Stimmen aus Mitteldeutschland zu den Plänen.

Windräder und Strommast
Das in der Zeit um Ostern geplante erste Maßnahmenpaket soll die sofort wirksamen Maßnahmen bündeln und bis zur Sommerpause parlamentarisch umgesetzt werden. Bildrechte: IMAGO

Mehr Solarenergie? Bei der Firma Meyer Burger Technology, die seit 2021 Solarmodule in Sachsen und Sachsen-Anhalt fertigt, hört man das natürlich gerne. Geschäftsführer Gunter Erfurt sagt aber auch: Es reiche nicht, Solarmodule zu produzieren. Irgendjemand müsse sie auch auf die Dächer bringen. Und das könne in Zukunft ein Flaschenhals sein. Man müsse genau hinschauen, dass man auch das Handwerk fördere.

Verpflichtende Solaranlagen für Gewerbe im ländlichen Raum?

Eine Solaranlagenpflicht für gewerbliche Neubauten ist ein vorgesehener Schritt in Habecks Klimaprogramm, um den Ökostrom-Anteil in Deutschland zu erhöhen. Jens Zillmann ist der Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. Er sagt, im ländlichen Raum gehe es eher um Leerstand: "Wohnungsneubau ist in Sachsen-Anhalt nicht der primäre Faktor. Die Einsparungen im CO2-Bereich können nur über vorhandene Gebäudesubstanz kommen. Insofern bedarf es innerhalb von neun Jahren, wenn ich von heute ab rechne, schon enormer Anstrengung, diesen Beitrag im Bestand zu leisten."

Die Branche wolle ihren Beitrag leisten. Auch durch Solaranlagen auf Dächern schon bestehender Immobilien. Zillmann sagt aber auch, dass die Wohnungsunternehmen Vermieter und keine Energieerzeuger seien.

Genehmigungsverfahren brauchen mehr Tempo

Für letztere spricht Mario Müller. Er ist der Geschäftsführer der Landesgruppe Mitteldeutschland beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Die Ziele der Bundesregierung? Er nennt sie ambitioniert: "Auch in Mitteldeutschland geht es darum, das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren spürbar zu erhöhen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Und damit sind wir bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren, die einfach schneller ablaufen müssen."

Der Energieversorger SachsenEnergie schreibt MDR AKTUELL von einem Kraftakt für die Energiewirtschaft. In Sachsen gebe es im Vergleich zu anderen Bundesländern Nachholbedarf bei erneuerbaren Energien. Der Anbieter eins Energie Sachsen schreibt, man könne derzeit noch nicht sagen, in welchem Jahr das Unternehmen eine gänzlich CO2-neutralen Strom-Erzeugung erreicht werde.

Moderne Technologien versus Naturschutz?

Ein Schild mit der Eule als Zeichen für Naturschutz
Naturschutz behält Priorität. Bildrechte: dpa

Und welche Auswirkungen haben Habecks Pläne auf den Naturschutz? Immer wieder steht der mit den erneuerbaren Technologien im Konflikt. Robert Bednarsky, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, sagt: "Der Natur- und Umweltschutz, und unser Verband tritt für beides ein, achtet genau vor Ort darauf, dass die planungsrechtliche Genehmigung eingehalten wird und der Naturschutz nicht vernachlässigt wird. Das schließt sich im Einzelfall manchmal aus, ein Windrad aufzustellen, aber nicht pauschal."

Bednarsky findet den massiven Ausbau der Wind- und Solarenergie bis 2030 lange überfällig. Sein Verband will den Weg unterstützen, dabei aber auch darauf achten, dass Natur- und Artenschutz nicht zu kurz kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2022 | 06:05 Uhr

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