Kohleausstieg 100 Ideen für Großforschungszentren in Mitteldeutschland

Jessica Brautzsch
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Im Zuge des Kohleausstiegs sollen in Sachsen und Sachsen-Anhalt mehrere neue Forschungszentren entstehen. Im Vergabewettbewerb sind einige Einreichungen in der engeren Auswahl. Eine Entscheidung soll im Sommer fallen.

Ein Forscher arbeitet an einem Messgerät mit einem Weißlichtlaser.
Ein Forscher arbeitet an einem Messgerät mit einem Weißlichtlaser im Zwickauer Fraunhofer-Anwendungszentrum für Oberflächentechnologien und Optische Messtechnik (AZOM). Bildrechte: dpa

Nachhaltiges Bauen oder Astrophysik mit Gravitationswellen-Teleskop? Was in den Großforschungszentren in Mitteldeutschland passieren wird, ist so unklar wie ihr genauer Standort. Sicher ist aber, dass jährlich bis zu 170 Millionen Euro pro Einrichtung fließen sollen. Welche Projekte sich auf den Zuschlag freuen können, entscheidet ein laufender Wettbewerb.

So sieht es das "Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen" vor. Dort geht es konkret um die "Gründung je eines neuen institutionell geförderten Großforschungszentrums (…) in der sächsischen Lausitz und im mitteldeutschen Revier auf Grundlage eines Wettbewerbsverfahrens".

Wirtschafsförderung und Arbeitsplätze

Bis April konnten Wissenschaftler ihre Ideenskizzen einreichen. Die sollten einerseits Projekte vorstellen, die sowohl Grundlagenforschung als auch konkrete Umsetzungen umfassen. Und sie sollten die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichen.

Denn von den geplanten Großforschungszentren solle ja die gesamte Region profitieren, erklärt Franziska Krüger, Leiterin der Stabsstelle Strukturwandel im Kultusministerium von Sachsen-Anhalt: "Insgesamt soll die Wirtschaft vor Ort gestärkt werden. Neue Perspektiven für die Region entstehen. Wir brauchen Arbeitsplätze. Und wir brauchen eine hohe Attraktivität der Region, damit sich Fachkräfte bei uns wohlfühlen."

Große Konkurrenz

Viele Bewerbungen sind aus Mitteldeutschland eingegangen. Doch die Konkurrenz sei groß, erklärt Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: "Wir hatten etwa beim Bundesministerium für Bildung und Forschung 100 Einreichungen, wovon ungefähr 50 in die engere Auswahl gekommen sind." Eine Expertenkommission setze sich jetzt mit den Ideen auseinander und werde im Sommer eine Entscheidung herbeiführen.

In der sogenannten Perspektivkommission sitzen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Die bekanntesten Gesichter dürften Astronaut Alexander Gerst und Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell sein. Fünf der 16 Mitglieder haben einen ostdeutschen Hintergrund.

Johannes Weber, inspiziert einen Industrieroboter zur digitalen Funktionalisierung von 3D-Bauteilen.
Robotik, Bauteile aus dem 3D-Drucker sowie Künstliche Intelligenz sind aktuelle Felder der Forschung. Bildrechte: dpa

Erfahrungen aus den 90ern

Doch warum stellen Bund und Länder ein so großes Budget für Projekte bereit, die noch gar nicht feststehen? Bei der Vorstellung des Wettbewerbs 2020 begründete Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Entscheidung mit den Erfahrungen aus den 1990er-Jahren. Damals sei auch die Die Max-Plank-Gesellschaft aufgefordert worden, in die neuen Länder zu gehen. "Und sie haben damals gesagt, wir machen das, wenn der Bund uns das Geld gibt, aber wir bestimmen die Themen selbst. Und dann sind in den 90er-Jahren Institute gegründet worden mit den spannendsten, den neuesten Themen, wissenschaftsbereichsübergreifend, die auch heute zu den führenden der Max-Plank-Gesellschaft gehören."

Manche Regionen fürchten dennoch, dass die tatsächlich betroffenen Gebiete des Kohleausstiegs am Ende zu kurz kommen. Länderübergreifend hat sich deshalb die "Lausitzkommission" gegründet. So will sich etwa Mitglied und Bürgermeister von Hoyerswerda, Torsten Ruban-Zeh, dafür einsetzen, dass Kommunen ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 15. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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