Kohlendioxid Bundesregierung plant CO2-Speicher im Meer

Die Bundesregierung will Kohlendioxid ins Ausland exportieren und im Meeresboden speichern lassen. Dafür soll es Gesetzesänderungen geben. Doch die Technik, der eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel beigemessen wird, birgt Gefahren.

Blick auf die Nordsee
Deutsches Kohlendioxid unter die Nordsee? Die Bundesregierung möchte die Grundlagen für die CO2-Speicherung im Meer, jedoch außerhalb von deutschem Hoheitsgebiet, schaffen. Bildrechte: colourbox.com

Die Bundesregierung will die Speicherung von Kohlendioxid im Meeresboden im Hoheitsgebiet anderer Staaten ermöglichen. Dazu werden derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst. Das Bundesumweltministerium bestätigte dem Evangelischen Pressedienst einen entsprechenden Bericht der "Welt am Sonntag". Dem Ministerium zufolge geht es um Kohlendioxid, das bei der Produktion von Grundstoffen für die Industrie entsteht. Die Speicherung von CO2 aus der Energiewirtschaft, etwa aus Kohlekraftwerken, sei nicht vorgesehen.

Umweltministerium: Gesetzesänderungen erforderlich

Konkret soll ein geänderter Artikel des sogenannten London-Protokolls ratifiziert werden. Das Protokoll ist ein internationales Übereinkommen, dem Deutschland beigetreten ist. Damit werde "der grenzüberschreitende CO2-Transport zwecks Speicherung im tiefen Untergrund unter dem Meeresboden ermöglicht", erklärte das Bundesumweltministerium in der "Welt am Sonntag". Nach der Ratifizierung des neu gefassten Artikels seien zum Zwecke der CO2-Deponierung im Ausland allerdings "noch Änderungen im nationalen Recht erforderlich".

Risiken für Grundwasser und Boden

Die Technik zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid wird als Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet. Ob sie die von Wissenschaftlern formulierte Annahme, 65 bis 80 Prozent des CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre fernhalten zu können, tatsächlich erfüllen kann, ist dem Umweltbundesamt zufolge noch nicht geklärt. Problematisch sei vor allem der enorme zusätzliche Energieaufwand für die Abscheidung, den Transport und die Speicherung. Zudem bestehe das Risiko, dass durch undichte Stellen Grundwasser und Boden Schaden nehmen, so das Umweltbundesamt.

Weltklimarat: unterirdische CO2-Speicher unerlässlich

Nordsee-Anrainer wie Norwegen, die Niederlande, Belgien und Großbritannien bereiten die Verpressung großer Mengen CO2 im Meeresboden vor. Nach aktuellen Szenarien, etwa des Weltklimarats IPCC, sind unterirdische CO2-Speicher zur Erreichung der Klimaneutralität unerlässlich.

Quellen: epd, AFP

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