Kommentar Für ein Recht auf Homeoffice

Wer im Homeoffice arbeiten kann, kann seine Arbeitszeit flexibel einteilen – das kommt Beruf und Familie zugute. Auch sollten Chefs ihren Angestellten mehr vertrauen, dass sie im Homeoffice auch tatsächlich arbeiten. Doch muss der Anspruch auf Homeoffice in ein Gesetz gegossen werden, sonst wird wenig passieren, meint Hauptstadt-Korrespondentin Sarah Frühauf.

Homeoffice
Arbeiten im Homeoffice - Bei Bürojobs sehr wohl möglich. Bildrechte: imago images/CTK Photo

Jeden Morgen das Gleiche: Ich steige in Berlin in die Ringbahn und hoffe, irgendwo ein Plätzchen zu finden, an dem die Abstandregeln irgendwie einzuhalten sind. Von außen betrachtet, sieht das sicherlich ganz lustig aus. Es ist wie ein Bäumchen-Wechsel-dich- Spiel. Immer wenn wieder jemand einsteigt, geht die Platzsuche von vorn los. Ich frage mich dann immer: Müssen all diese Menschen tatsächlich unterwegs sein? Müssen sie unbedingt in ihre Büros? Diejenigen, die von zuhause arbeiten können, sollten das jetzt auch tun, um die vor einer Corona-Ansteckung zu schützen, die es nicht können.

Mehr Verantwortung für Arbeitnehmer

Einig sind sich wohl alle, dass Homeoffice in der Pandemie unerlässlich ist. Wie häufig wird zurzeit darüber philosophiert, was wohl nach der Krise bleiben wird. Ich hoffe, dass es das Recht für Arbeitnehmer sein wird, ihren Job auch von zuhause erledigen zu können. Denn ich glaube, die Zukunft der Arbeit sollte so aussehen, dass Arbeitnehmer mehr Eigenverantwortung übernehmen und selbst entscheiden, welche Form des Arbeitens ihren Bedürfnissen entspricht.

Sarah Frühauf
Hauptstadt-Korrespondentin Sarah Frühauf ist für ein Recht auf Homeoffice. Bildrechte: MDR/Lars Jeschke

Arbeitsweg kostet wertvolle Zeit

Studien zeigen, dass der Arbeitsweg der Deutschen in den vergangenen Jahren immer länger und immer weiter geworden ist. Im Schnitt gehen einem Arbeitnehmer pro Tag insgesamt eine Stunde Lebenszeit verloren. Was man damit alles anstellen könnte: Arzttermine wahrnehmen, seinem Hobby nachgehen oder vielleicht sogar mehr Zeit in das Projekt investieren, was gerade im Job ansteht. Das Homeoffice erlaubt mehr Flexibilität, auch zeitliche. Im Homeoffice könnte eine junge Mutter zum Beispiel ihr Kind am Nachmittag aus der Kita abholen und sich später noch einmal im eigenen Büro an die Arbeit setzen. Das wäre doch mal ein Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Lichter von Autos auf einer Autobahn
Im Schnitt benötigen Arbeitnehmer pro Tag eine Stunde für den Arbeitsweg. Bildrechte: dpa

Chefs sollten Angestellten mehr vertrauen

Hört sich zu gut an, um wahr zu sein. Das zumindest denken immer noch einige Chefs. Ihnen fallen zahlreiche Argumente ein, warum es doch besser wäre, dass ihre Mitarbeiter ins Büro kommen. So sollen sie zum Beispiel den Kontakt zur Firma nicht verlieren. Dafür, das hat die Corona-Krise gezeigt, gib es allerdings mittlerweile ziemlich gut funktionierende Video-Konferenz-Tools.

Wahrscheinlich steckt dahinter eher die Angst vor Kontrollverlust. Vorgesetzte sollten lernen zu vertrauen. In der heutigen Zeit arbeitet kaum noch jemand in einem Beruf, der ihm aufgezwungen wurde. Wem sein Job nicht gefällt, der wechselt ihn. Alle anderen versuchen, ihre Arbeit so gut wie möglich zu machen. Auch im Homeoffice.

Ohne Gesetz keine Homeoffice-Realität

Aber braucht es tatsächlich einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Homeoffice? Ja. Keiner würde das Recht auf Urlaub oder Krankengeld als unzulässigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit bezeichnen. Sie sind eine Selbstverständlichkeit.

Das sollte der Rechtsanspruch auf Homeoffice künftig auch sein: Natürlich werden nicht alle davon profitieren können. Ärzte können ihre Patienten nicht am eigenen Schreibtisch behandeln und Verkäufer in Supermärkten die Waren nicht durchs heimische Fenster ausgeben. Aber auch das gehört zur Arbeitswelt dazu, dass die einen von bestimmten Errungenschaften mehr profitieren als die anderen. Deswegen sind sie nicht weniger wert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2021 | 08:30 Uhr

6 Kommentare

Wessi vor 28 Wochen

@ MikeS ...verbreitet Unsinn mit der Bezeichnung "Regierungs-mainstream".Unsere Regierung ist demokratisch+frei gewählt und das hier diffamierend gebrauchte Wort "mainstream" bedeutet nichts anderes, als daß hinter den Entscheidungen Mehrheiten stehen."Lebensfremd" ist nichts in einer sozialen Marktwirtschaft."Unterwandern" ist ein völlig falscher Begriff.Wir leben nicht in einem Unrechtsstaat in der die Arbeitgeber machen können, was sie wollen auch wenn sie ggf. die Volksgesundheit gefährden.Übrigens: so einfach, wie sich das manche politisch vorstellen, geht "homeoffice" nicht.So ein Gesetz muß differenziert ausgearbeitet sein und "Jobwechsel" ist,wie Frau Frühauf so leicht+locker behauptet, alles andere als leicht,mag bei höherem Bildungsstand möglich sein, sonstwo aber nicht."Flexibilität" ist unter dem Strich menschenunfreundlich+widerspricht auch dem deutschen Charakterzug der Ordnung.

MikeS vor 28 Wochen

Frau Frühauf lebt in einer Journalisten-Welt, nicht in der Realität. Sie verbreitet Regierungs-Mainstream und ist vermutlich nur für sich selbst verantwortlich. Innerbetriebliche Abläufe eines Unternehmens sind ihr völlig fremd, getreu dem Motto "Friday for Homeoffice". Das Direktionsrecht eines Arbeitgebers auf diese Weise unterwandern zu wollen, ist lebensfremd.

Atheist vor 28 Wochen

Liebe Frau Frühauf,
Ich sehe schon Sie haben weder im Homeoffice gearbeitet noch 2-3 Kinder den ganzen Tag betreut.
Was Koch ich heute, Wer kauft ein mit 3 Kindern, dazu kommt das man beruflich keinen Kontakt zu Kollegen hat und damit ausgegrenzt und isoliert ist.
In Wirklichkeit ist man 24 Stunden am Tag erreichbar, Feierabend oder We gibt es nicht.
Zudem kommen kosten wie Heizung Strom...dazu.

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