Corona-Teststrategie Ärzte und Apotheker ratlos wegen kostenloser Schnelltests

Wer einen Corona-Schnelltest machen möchte, der soll das künftig nicht mehr bezahlen müssen – und zwar auch dann nicht, wenn man selbst keine Symptome hat. Das haben Bund und Länder bei ihrem jüngsten Corona-Gipfel ausgemacht. Einmal wöchentlich soll man sich demnach im Testzentrum, beim Arzt oder in der Apotheke testen lassen können. Aber wie genau soll das aussehen und ablaufen? Stand jetzt, ist da noch ziemlich vieles unklar.

Corona Schnelltest für jedermann
Wie realistisch ist es, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger einmal pro Woche kostenlos testen lassen können? Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Rund einen Monat Zeit geben sich Bund und Länder, um die neue Teststrategie umzusetzen. Schrittweise bis Anfang April sollen kostenlose wöchentliche Tests dann fast überall möglich sein: in den Schulen, in der Kinderbetreuung, in den Unternehmen und schließlich auch für alle. An fehlenden Schnelltests soll es jedenfalls nicht scheitern. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärt das Bundesgesundheitsministerium: "Es gibt genug Schnelltests auf dem Markt. 150 Millionen Schnelltests liegen laut Herstellerangaben bereits heute auf Halde und können direkt geliefert werden. Die Länder und Kommunen müssen die nur abrufen – und machen das bereits heute schon (zum Beispiel für Pflegeheime). Der Bund hat – Stand heute – mindestens 800 Millionen Schnelltest für dieses Jahr gesichert."

Viele Fragen offen: Wie, wo, wann?

Ab nächster Woche übernimmt der Bund die Kosten für die Tests. Ab dann können die Länder und Kommunen das Angebot umsetzen. Aber wie soll das ablaufen? Wo meldet man sich an? Muss man sich ausweisen? Alles noch unklar. Und: Wie wird überhaupt kontrolliert und protokolliert, wer den kostenlosen Test schon gemacht hat? Dass sich nicht jemand erst im Unternehmen und dann wenig später beim Arzt ein zweites Mal kostenlos testen lässt? Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagt dazu: "Das wird dokumentiert. Zunächst mal auf Papier – hoffentlich in absehbarer Zeit auch elektronisch."

Unklarheiten über Protokollierung der Tests

Vieles in Sachen Infrastruktur werde erst in den kommenden Tagen und Wochen entstehen, sagt Kretschmer. Und das muss es offensichtlich auch. Denn bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen weiß man noch nicht so recht, wie das Testgeschehen protokolliert werden soll. Präsident Klaus Heckemann sagt, es werde "hinterher möglich sein, das zu recherchieren, ob die Bürger das häufiger als einmal pro Woche in Anspruch genommen haben. Ob man das dann irgendwann mal recherchieren will, ist eine andere Frage. Aber aus den Abrechnungsdaten wäre es möglich."

Wenn der Test aber nicht in einer Arztpraxis oder einem Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung durchgeführt werde, dann sei völlig offen, wie die Leistungen dokumentiert werden sollen, sagt Heckemann: "Mit Sicherheit über ein anderes System, nicht über die Kassenärztliche Vereinigung. Dann müsste man ja die verschiedenen Systeme zu einer Überprüfung hinterher zusammenbringen. Daran glaube ich nicht."

Apotheken bekommen keine Informationen

Auch auf Seiten der Apotheken tappt man noch im Dunkeln. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte ursprünglich einmal geplant, dass geschultes Personal in den Apotheken kostenlose Schnelltests durchführen soll – und zwar schon mit Beginn dieses Monats. Daraus wurde bekanntlich nichts. Und jetzt? Der Präsident der Apothekerkammer in Sachsen-Anhalt, Jens-Andreas Münch, weiß es nicht – und schon gar nicht, wie er und seine Kollegen den Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest kontrollieren sollen: "Genau das ist einer der Punkte, die in der Ausgestaltung im Moment noch völlig offen sind. Dazu habe ich bisher keine Informationen."

Diese Ausgestaltung liege jetzt in den Händen der Länder und der zuständigen Gesundheitsämter, sagt Münch. Und bis dahin müssten wir uns alle wohl noch ein paar Tage gedulden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2021 | 06:09 Uhr

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