Krankenversicherung Gesetzliche Kassen erwarten Defizit von 15 Milliarden Euro

Nicht sieben sondern bis zu 15 Milliarden Euro seien nötig, um das Minus der gesetzlichen Krankenversicherung im kommenden Jahr auszugleichen. Das prognostiziert der Spitzenverband der Kassen. Damit drohen den Versicherten höhere Zusatzbeiträge, selbst wenn der Bund einen Teil davon ausgleicht.

Gesundheitskarte mit Geldscheinen
Der Finanzbedarf der gesetzlichen Krankenkassen steigt offenbar stärker als erwartet. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geht davon aus, dass der von der Bundesregierung für das kommende Jahr beschlossene Steuerzuschuss für die Kassen nicht ausreicht. Statt der zugesagten sieben Milliarden Euro seien rund 15 Milliarden Euro nötig, um das zu erwartende Minus auszugleichen, sagte die Chefin des Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Keine Gesundheitsversorgung nach Haushaltslage"

Pfeiffer zufolge war vereinbart worden, dass noch vor der Bundestagswahl, wenn genauere Zahlen vorliegen, die Lücke bestimmt und vom Bundestag ein höherer Bundeszuschuss beschlossen wird: "Ich erwarte von der Regierung, dass sie sich an diese Zusage hält." Andernfalls drohten Anfang 2022 höhere Zusatzbeiträge.

In der kommenden Wahlperiode sollten die Steuerzuschüsse gesetzlich neu geregelt werden, verlangte Pfeiffer. Es dürfe keine Gesundheitsversorgung nach Haushaltslage geben. "Es muss wie in der Rentenversicherung gesetzlich klar geregelt werden, was originäre Aufgaben der Krankenversicherung sind und was gesamtstaatliche Aufträge, die dann richtigerweise aus Steuermitteln finanziert werden müssen", erklärte die Spitzenverband-Chefin.

Höhere Zusatzbeiträge drohen

Arztpraxis, Elektronische Gesundheitskarte, Detail von Leonardo-Logo und Datenchip
Krankenkassen erwarten großes Minus. Bildrechte: imago images/Martin Bäuml Fotodesign

Nach dpa-Informationen wollen die Union und die SPD die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse trotz der Milliardenkosten der Coronavirus-Pandemie vor steigenden Beiträgen bewahren. So sei geplant, bei Bedarf den Steuerzuschuss so zu erhöhen, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag das heutige Niveau von 1,3 Prozent nicht übersteigt.

Die konkrete Höhe des Zusatzbeitrags legen die Kassen jeweils selbst für ihre Mitglieder fest, sie können dabei vom Durchschnitt abweichen. Im Schnitt war der Aufschlag auf den allgemeinen Satz bereits zu Jahrensbeginn um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Der Gesamtbeitrag umfasst den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent und den kassenindividuellen Zusatzbeitrag.

Quelle: KNA, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 28. Juni 2021 | 06:30 Uhr

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