Bundeswehr Inventur-Daten beim Kommando Spezialkräfte gelöscht

Beim Kommando Spezialkräfte sind große Mengen Munition verschwunden. Nun stellt sich heraus, dass die Inventur-Daten des Jahres 2018 gelöscht wurden. Im Visier der Ermittlungen steht ein Oberstleutnant.

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte stürmen 2014 auf dem Kasernengelände während einer Übung ein Fahrzeug.
Beim KSK fehlen große Mengen Munition und Sprengstoff, Inventurdaten wurden gelöscht. Bildrechte: dpa

Im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr, kurz KSK, sind Daten aus dem Jahr 2018 gelöscht worden. Das geht aus einem als vertraulich eingestuften Zwischenbericht der Bundeswehr zur Munition beim KSK hervor. Der Bericht liegt dem MDR vor. Wie das Nachrichtenportal "The Pioneer" berichtet, hat das Löschen der Daten nun erste Konsequenzen. Bei der Bundeswehr laufe ein Disziplinarverfahren. Im Visier stehe ein Oberstleutnant, der inzwischen nicht mehr Teil des Heeres, aber weiterhin bei der Bundeswehr sei.

Abgeordnete sind informiert

Über den Fall hatte das Verteidigungsministerium am 3. März die Fachpolitiker im Bundestag unterrichtet. Ein Protokoll liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Demnach kann anhand des Datensystems festgestellt werden, dass die Inventur 2018 angelegt und wieder gelöscht wurde. Eine neue Inventur sei nicht angelegt worden.

Für die Inventuren wird das interne Computersystem SASPF benutzt. Dabei werden Sollzahlen mit den tatsächlich in den Depots vorhandenen Beständen abgeglichen. Im Fall von Munition hätten erhebliche Fehlbestände auffallen müssen – wenn ordnungsgemäß vorgegangen wurde. Die Löschung erschwert es, Details der Munitionswirtschaft nachzuvollziehen.

Der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner sagte dem Nachrichtenportal, Hinweise auf Fehlbestände beim KSK hätten viel früher existiert als gedacht. Die verantwortlichen Generäle des Heeres hätten früher hellhörig werden müssen.

KSK fehlen 62 Kilogramm Sprengstoff

Beim KSK wurde jahrelang gegen Vorgaben zu Waffen und Munition verstoßen. Das belegt ein internes Papier, das dem MDR vorliegt. Darin steht, dass die Verwantwortlichen derzeit nicht wissen, wo etwa 13.000 Schuss Munition und rund 62 Kilogramm Sprengstoff verblieben sind.

Auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten aus Nordsachsen waren im vergangenen Jahr Waffen, Munition und Sprengstoff entdeckt worden. Vergangene Woche wurde der Mann vom Landgericht Leipzig wegen Verstößen gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2021 | 18:00 Uhr

8 Kommentare

Jedimeister Joda vor 4 Wochen

Haha! Gegen wieviele Gesetze hat die KSK oder ihre Leute verstoßen? Wie lange geht das schon? Werhat hier die Verantwortung? Wie soll da überhaupt Klarheit entstehen? Meiner galaktischen Erfahrung nach ist es ein Systemproblem. Wenn niemand mit Sanktionen zu rechnen hat wird sich nix ändern. Also Nachdenken kann helfen. Nur wenn euere Putzobersten dabei kein Glück haben dann seid ihr am Arsch. Wünsch euch viel Glück. Gut Nacht euer Joda

Matthi vor 4 Wochen

Ich glaube die Bundeswehr hat seit Jahren ein strukturelles Problem, viele Lamettaträger die ihr Geld nicht Wert sind. Da sieht man den Unterschied zwischen Bundeswehr und NVA da musste Rechenschaft über jede Patrone und andere Sprengsachen abgegeben werden wenn da Verstöße festgestellt wurden gab es auch schon mal Postenverlust und Degradierung. Die Frage sollte sein wo sind die Sachen abgeblieben vielleicht verkauft, das muss geklärt werden. Was würde eine Privat Person für eine Strafe bekommen wenn er Waffen Munition Sprengstoff vielleicht noch Kriegswaffen hat. Sind nicht alle vor dem Gesetz gleich oder nicht.

Altmeister 50 vor 5 Wochen

Verstehe ich alles nicht. Wenn der Inventurablauf nur annähernd wie in der Wirtschaft geregelt ist, dann erfolgt die Bestandsaufnahme der Munition und des Sprengstoffes körperlich durch Inventurteams und auf Listen aus Papier. Danach erfolgt die Eingabe ins Computersystem. Auf den Inventurlisten bestätigen der Zähler, der Schreiber und der Dateneingeber mit ihrer Unterschrift die korrekte Arbeitsweise. Die Listen werden in Ordnern abgeheftet und gehen unmittelbar an die Controlingabteilung. Dort wird die Differenzliste zwischen Soll und Ist- Bestand (auch auf Papier) erstellt.
Die Differenz ist plausibel zu begründen. Bei besonderen Auffälligkeiten erfolgt durch einen externen Wirtschaftsprüfer eine Inventurprüfung. Im Falle von Munition und Sprengstoff hätten hier alle Alarmglocken läuten und alle Ermittlungsregister gezogen werden müssen.
Normalerweise kann man da mit Datenlöschung überhaupt nichts vertuschen. Da muss was Größeres gelaufen sein.

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