Landtagswahl Rekordergebnis für Grüne: Kretschmann will schnelle Sondierungen

Baden-Württemberg wird aller Voraussicht nach weiter von Winfried Kretschmann regiert. Seine Grünen haben die Landtagswahl mit 32,6 Prozent klar gewonnen – ein Rekordergebnis. Die mitregierende CDU musste schwere Verluste hinnehmen. Nun will Kretschmann schnell Koalitionsgespräche führen.

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sind die Grünen klar stärkste Kraft geworden. Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf 32,6 Prozent – ein neuer Höchstwert. Die mitregierende CDU sackt auf historisch schwache 24,1 Prozent ab. Die SPD verliert ebenfalls, schiebt sich aber mit 11,0 Prozent auf Platz drei vor. Die FDP legt auf 10,5 Prozent zu. Die AfD sinkt auf 9,7 Prozent. Die Linke verpasst erneut klar den Einzug in den Landtag. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,8 Prozent, deutlich weniger als 2016 (70,4 Prozent). Etwa die Hälfte der Wähler stimmte per Briefwahl ab.

Kretschmann sieht Auftrag zum Weiterregieren

Kretschmann bezeichnete das Wahlergebnis als "Auftrag, unserem Land weiter als Ministerpräsident zu dienen". Der Grünen-Politiker ließ allerdings nicht erkennen, ob er an der Koalition mit der CDU festhält oder eine rechnerisch mögliche Ampel-Koalition mit SPD und FDP anstrebt. Er wolle zügig eine neue Regierung bilden und daher schnell Sondierungsgespräche führen, sagte Kretschmann.

Die Grünen würden "mit allen demokratischen Parteien" sprechen. "Das werden wir in der nötigen Ernsthaftigkeit tun", sagte Kretschmann. Es gelte, den Klimawandel zu begrenzen, den Strukturwandel der Wirtschaft zu meistern und die Demokratie zu verteidigen.

Grüne: Superstart ins Wahljahr

Grünen-Chef Robert Habeck sprach von einem "Superstart ins Superwahljahr". Weitsicht und Pragmatismus seien der Auftrag an die Bundespartei.

Co-Parteichefin Annalena Baerbock wertete die Wahlergebnisse als Zeichen, dass die Grünen auch in schwierigen Zeiten das Vertrauen der Wähler gewinnen könnten: "Für uns ist das jetzt ein großer Auftrag für mehr Klimaschutz."

Klingbeil: Mehrheit jenseits der Union möglich

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte, das Wahlergebnis stelle ihn "nicht zufrieden". Nun stelle sich die Frage, ob es die SPD in Stuttgart in die Regierung schaffe.

"Wir sind bereit, wir wollen Baden-Württemberg voranbringen." Beide Landtagswahlen hätten aber gezeigt, dass es "Mehrheiten jenseits der Union" gebe. Das sei "ein gutes Zeichen auch für die Bundestagswahl".

CDU will Koalition fortsetzen

CDU-Landeschef Thomas Strobl sprach sich trotz der Verluste seiner Partei für eine Fortsetzung der Koalition mit den Grünen aus: "Mein Eindruck ist auch, dass eine Mehrheit der Bevölkerung das möchte", sagte Strobl im Ersten. "Ich konnte auch nicht feststellen in den Wochen vor der Wahl, dass es eine Art Wechselstimmung gegeben hat, sondern die Menschen vertrauen dieser Regierung, dieser Koalition." Dennoch sei das Wahlergebnis enttäuschend.

Generalsekretär Paul Ziemiak bezeichnete das Ergebnis als "einen ganz persönlichen Sieg von Winfried Kretschmann". In der Krise vertrauten die Menschen den Regierenden und den Regierungschefs. Zudem habe das "wirklich unanständige Verhalten und die Schamlosigkeit einzelner Abgeordneter" dafür gesorgt, dass den Wahlkämpfern ein straffer Wind ins Gesicht geblasen habe.

Auch FDP zu Koalition bereit

Die baden-württembergische FDP hat Gesprächsbereitschaft über eine mögliche Ampel-Koalition signalisiert. Generalsekretärin Judith Skudelny sagte, man sei bereit zu sondieren und zu verhandeln, "wie wir Baden-Württemberg besser machen."

FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete die Ergebnisse seiner Partei als "starken Aufschlag in das wichtige Wahljahr 2021". Trotz aller Schwierigkeiten habe sich für die FDP ein wachsender Zuspruch ergeben: "In Baden-Württemberg scheint es so, als hätten wir eines der besten Wahlergebnisse seit Jahrzehnten erzielt." Die FDP habe zu Beginn des Wahljahrs an politischem Gewicht gewonnen.

AfD zeigt sich zufrieden mit Wahlergebnis

Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Partei. Die AfD habe unter widrigsten Bedingungen Wahlkampf führen müssen und trotzdem ein "gutes Ergebnis eingefahren", sagte sie im Ersten. So sei der Partei "rechtswidrig der Verfassungsschutz auf den Hals gehetzt" worden. Auch AfD-Bundeschef Jörg Meuthen führte die Verluste der AfD vor allem auf den Konflikt seiner Partei mit dem Verfassungsschutz zurück.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. März 2021 | 19:30 Uhr

326 Kommentare

MDR-Team vor 37 Wochen

Lieber Sonnenseite,
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Denkschnecke vor 37 Wochen

Ich verstehe bei Ihrem Kommentar nur nicht, wie ein wirkungsloser, "zahme[r] Juniorpartner" dafür verantwortlich sein kann, dass es Teilen der Gesellschaft "deutlich schlechter gehen wird" und diese sich genau diese Partei "nicht leisten kann".
Übrigens ist Sozialabbau und sinkende Löhne ncht gerade das, wofür die Grünen eintreten. Das erste baden-württembergische Kabinett Kretschmann hat vor neun Jahren im Bundesrat den Mindestlohn überhaupt erst wieder auf die Agenda gebracht, was damals an der konservativen Mehrheit im Bundesrat scheiterte.

Wessi vor 37 Wochen

@ Heimatloser ...es geht hier um BW...Ihnen....und auch mir...wahrscheinlich um DDR resp. BRD (West),oder?Und das reduziere ICH primär am auf gelebte,unterschiedliche Kultur...obwohl das Oberthema hier "Politik" ist...pardon mdr...total OT...!

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