Interview Lauterbach: Das Schwerste steht noch bevor

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht nicht davon aus, dass der Corona-Lockdown schnell gelockert werden kann. Wenn man zum 1. Februar aus dem Lockdown gehe, würden die Infektionszahlen sofort wieder steigen.

Tische und Bänke stehen vor einem Restaurant in der Innenstadt von Leipzig
Leere Tische und Bänke vor einem Restaurant in der Leipziger Innenstadt Bildrechte: dpa

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat vor der Illusion gewarnt, "dass wir in der Corona-Pandemie das Wichtigste schon hinter uns hätten". Lauterbach sagte am Mittwoch im Radioprogramm von MDR AKTUELL: "Die nächsten zwei Monate werden am schwersten sein." Wenn man jetzt zu früh aus dem Lockdown herausgehe, etwa am 1. Februar, würden die Infektionszahlen sofort wieder steigen.

Aber sie ließen sich danach sehr viel schwerer kontrollieren, weil mit großer Wahrscheinlichkeit die mutierte Coronavirus-Variante kursiere. Lauterbach betonte: "Das kann man einfach nicht riskieren. Und ich kenne auch keinen in Regierungsverantwortung, der dazu bereit wäre."

Erleichterung erst im Sommer

Zur Debatte um die Impfstoffe sagte Lauterbach, er wolle keine Noten vergeben. Auch er hätte sich gewünscht, man hätte mehr Impfstoff zur Verfügung. Nun werde man in den ersten drei Monaten des Jahres vielleicht fünf bis sechs Millionen Menschen impfen, weitere 20 Millionen in den folgenden Monaten. Eine richtige Erleichterung werde es erst im Sommer geben.

Skepsis gegenüber Söders FF2-Strategie

Lauterbach äußerte sich zurückhaltend zum Vorstoß von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, FFP2-Masken beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen vorzuschreiben, um damit eher zu Lockerungen zu kommen. Lauterbach sagte, es gebe keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass wir mit FFP2-Masken den Lockdown verkürzen oder gar vorzeitig verlassen könnten. Das Entscheidende sei die Reduktion der Kontakte. Diese müssten um 75 Prozent verringert werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Januar 2021 | 18:18 Uhr

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