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Die Linken-Bundesvorsitzende Janine Wissler auf dem niedersächsischen Landesparteitag. Wissler hat angekündigt, erneut für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Bildrechte: dpa

Trotz ParteikriseLinken-Vorsitzende Wissler will erneut kandidieren

von MDR AKTUELL

Stand: 21. Mai 2022, 16:04 Uhr

Janine Wissler hat angekündigt, erneut für das Amt der Linken-Parteivorsitzenden zu kandidieren. Wissler sagte, sie wolle mit ihrer Kandidatur einen Beitrag zur Erneuerung der Linken leisten. Gleichzeitig übte Wissler Kritik am Umgang ihrer Partei mit russischen Angriffskriegen. Der ehemalige Vorsitzende der Linken, Gregor Gysi, plant eine Initiative zur Rettung der Partei.

Janine Wissler will Vorsitzende der Linkspartei bleiben. Sie wolle mit einer erneuten Kandidatur auf dem Parteitag Ende Juni einen Beitrag zur Erneuerung der Linken leisten, sagte Wissler der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Zuerst hatte die "Tagesschau" über den geplanten Wiederantritt der Linken-Chefin berichtet.

"Ich bin sehr gerne Parteivorsitzende und habe noch einiges vor", sagte Wissler weiter. Es gebe "sowohl das Potenzial als auch den Bedarf nach einer linken Partei", betonte sie. "Wir haben es selbst in der Hand und ich möchte mit der erneuten Kandidatur meinen Beitrag leisten." Ende Juni soll auf einem Bundesparteitag in Erfurt die komplette Parteispitze neu gewählt werden.

Selbstkritik beim Umgang mit Russland

Wissler äußerte sich zudem selbstkritisch zum Umgang ihrer Partei mit von Russland geführten Kriegen. Zu Recht habe die Linkspartei in den vergangenen Jahren alle Kriege der USA scharf kritisiert, sagte Wissler den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Aber die Kritik ihrer Partei an den von Russland geführten Kriegen wie in Syrien oder Tschetschenien sei "zu verhalten und oft kaum hörbar" gewesen, fügte sie hinzu.

Mit Blick auf den geplanten Nato-Beitritt von Finnland und Schweden sagte Wissler, der Angriffskrieg von Russlands Staatschef Wladimir Putin gegen die Ukraine habe die Zustimmung zur Nato erhöht. "Deswegen ist die Nato-Erweiterung trotzdem kein guter Schritt", sagte sie.

Offen bleibt weiterhin, ob auch der Ostbeauftragte der Linksfraktion, Sören Pellmann, Ende Juni für den Bundesvorsitz kandidieren wird. Wie Wissler hatte auch Pellmann angekündigt, dazu in den kommenden Tagen eine Entscheidung verkünden zu wollen. Aus der Parteizentrale war laut DPA zu hören, dass eine Kandidatur Pellmanns noch nicht bekannt sei.

Gysi will Linke retten

Der frühere Linken-Vorsitzende Gregor Gysi plant unterdessen eine Initiative zur Rettung seiner Partei. Nötig sei eine inhaltliche und personelle Erneuerung, sagte Gysi der DPA. Der 74-Jährige schloss eine eigene Kandidatur als Partei- oder Fraktionschef zwar aus. Zugleich sagte er: "Ich lasse keine Partei in der Krise im Stich." Er übernehme "ohne Funktion eine gewisse Verantwortung."

Ich lasse keine Partei in der Krise im Stich.

Gregor Gysi | früherer Linken-Vorsitzender

"Wir müssen unsere Positionen zu zentralen Themen bestimmen und gemeinsam nach außen vertreten", betonte Gysi. "Dazu gehören für mich die Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit und gute Arbeit, die Ostidentität und die Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit mit sozialer Absicherung sowie die Gleichstellung von Frau und Mann."

Die Linkspartei hatte bei den jüngsten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein deutliche Verluste hinnehmen müssen und war am Einzug in die Parlamente gescheitert. In der Partei hatte es in den vergangenen Wochen Querelen unter anderem um die Ukraine-Politik gegeben. Für Belastungen sorgten auch Sexismus-Vorwürfe in der Partei, mit denen unter anderem die frühere Ko-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow ihren Rücktritt begründete.

AFP, dpa(jan)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2022 | 09:00 Uhr