Restaurantbesuch Kontaktverfolgung durch "Luca"-App – in Sachsen noch nicht überall Thema

Die neue Handy-App "Luca" verspricht, Kontakte schnell nachzuverfolgen und damit die Corona-Infektionsketten effektiv zu stoppen. Dadurch könnten Besuche in Restaurants oder Kinos bald wieder ermöglicht werden. Die App wird bereits in unterschiedlichen Teilen Deutschlands eingesetzt – aber nicht in Sachsen.

Ein Mann schreibt eine Nachricht auf einem Smartphone.
Durch die Luca-App können die Gesundheitsämter Kontakte schnell nachverfolgen. Bildrechte: imago images/Westend61

Der Plan für weitere Öffnungsschritte steht, aber was bisher den Besuch von Restaurants oder kleineren Veranstaltungen verhindert hatte, war die fehlende Möglichkeit der Gesundheitsämter, die Kontakte schnell genug nachzuverfolgen, falls jemand positiv getestet wird. Zwar gibt es die Corona-Warn-App, aber die gibt keine persönlichen Daten ans Gesundheitsamt weiter. Deshalb hilft den Behörden die Corona-App auch nicht.

Genau hier setzt die Handy-App Luca an. Luca ist mittlerweile prominent geworden durch den Rostocker Oberbürgermeister, der seine positiven Erfahrungen im ZDF geschildert hatte. Bei Luca muss man seine persönlichen Daten eintragen, die eigene Telefonnummer wird durch eine SMS verifiziert. Und nur damit darf man ins Restaurant oder zu einer Veranstaltung. Also im Prinzip genau so wie im letzten Sommer, als wir unsere persönlichen Daten auf Zettel schreiben mussten.

Luca-App wird bisher noch nicht in Sachsen eingesetzt

Wenn jemand positiv getestet wird, dann weiß das Gesundheitsamt sofort: Diese Person war gerade am Tag X im Restaurant – und 25 andere Handybesitzer auch. Und dann kommen alle erstmal in Quarantäne. Damit könnte verhindert werden, dass ein Restaurant zu einem Superspreader wird. Aber warum wird die "Luca"-App zwar auf Sylt oder in Rostock oder in Jena eingesetzt, aber nirgendwo in Sachsen?

MDR AKTUELL hat alle 13 sächsischen Gesundheitsämter gefragt, ob sie das Luca-Konzept kennen und einsetzen wollen. Resultat: Für die Bewohnerinnen und Bewohner etlicher Landkreise gibt es schlechte Nachrichten. Nicht bekannt und deshalb auch nicht verwendet wird die "Luca"-App gegenwärtig im Landkreise Leipzig, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis. Hier herrscht kein Interesse. Zumindest dieses Interesse ist dagegen in Bautzen durchaus vorhanden, wenn auch noch konkrete Schritte zur Umsetzung fehlen: "Wir halten digitale Werkzeuge wie die "Luca"-App für sinnvoll. Mit der App wäre die Kontaktdatenerfassung digital umsetzbar."

Der Landkreis Görlitz hatte zu Beginn der Woche noch mitgeteilt, die App nicht zu kennen und nicht zu verwenden. Inzwischen werde der Einsatz allerdings geprüft, ein entsprechendes Modellvorhaben sei geplant, hieß es in einer nachträglichen Stellungnahme der Landkreisverwaltung an MDR AKTUELL.

Pilotprojekte für Kontaktnachverfolgung in Sachsen geplant

Die Stadt Leipzig wiederum überlässt die Einführung einer solchen App dem Bemühen der Landesregierung und plant selbst keine eigenen Schritte, da ein einzelnes kommunales Gesundheitsamt keinen Einfluss darauf habe, welche App sachsenweit zum Einsatz komme.

Auf den Freistaat zu warten – das könnte dauern. Sozialministerin Petra Köpping sagte am Donnerstag, das Land plane lediglich, Pilotprojekte zu ermöglichen: "Wir haben erste Vorstellungen, dass man eine Gastronomie besucht. Und wir wollen evaluieren, wie man sowas für Perspektiven in Sachsen ausprobieren kann. Auch diese Möglichkeit wollen wir prüfen."

Chemnitz und Meißen wollen App bald einführen

Genug geprüft, genug gezögert, wir machen das jetzt einfach, sagt man sich dagegen in der Stadt Chemnitz und dem Landkreis Meißen. Ralf Hänsel, der Meißner Landrat, ist jedenfalls wild entschlossen, "Luca" oder eine konkurrierende App einzuführen: "Das Interesse ist riesengroß. Und wie man leider wieder hören musste, werden wir als Landkreise auf uns allein gestellt sein. Es ist das Beste, zu versuchen, das hier lokal möglichst zügig allein zu lösen, um schneller und besser ans Ziel zu kommen."

Und Matthias Nowak, Pressesprecher in Chemnitz, betont, auch seiner Stadt komme es aufs Tempo an: So schnell wie möglich wolle man dort diese Systeme einführen. In der kommenden Woche würden in Chemnitz mehrere Apps getestet werden, mit denen baldige Öffnungen von Läden oder Veranstaltungen erleichtert werden könnten. "Die 'Luca'-App ist natürlich auch Bestandteil dieser Tests, es gibt aber auch andere sächsische Anbieter. Aber wichtig ist uns vor allem, dass die Abläufe komplett funktionieren und dass die Schnittstelle zum Gesundheitsamt sauber funktioniert", so Nowak.

Tempo bei der Einführung einer solchen App sei wichtig

Meißen, so scheint es, könnte am Ende sogar noch schneller sein im Rennen um die Einführung, zumindest wenn Landrat Hänsel seinen Enthusiasmus in der Verwaltung durchsetzte: "Hier kommt es nach wie vor auf Geschwindigkeit an. Es nützt mir relativ wenig, wenn wir hier noch zwei, drei, viele Wochen an einer Schnittstelle basteln oder langwierige Ausschreibungsverfahren durchlaufen müssen." Er selbst habe sich die "Luca"-App bereits installiert, um zu sehen, wie sie funktioniert. Er findet, dass die App vom Grundansatz ein Weg sei, den man relativ einfach gehen könne.

Und wie sieht man die Einführung einer App wie "Luca" in der Landeshauptstadt? Ähnlich, wenn man die Vorbereitungen auch nicht so offensiv verkauft wie Chemnitz oder der Landkreis Meißen. Die Stadt Dresden prüft derzeit nach eigenen Angaben ein Modell, nachdem sie die Lizenzgebühren für eine solche App trägt und so den Gewerbetreibenden den Zugang ermöglicht. Es gebe verschiedene Anbieter dafür, mit denen die Stadt Dresden in Gespräch kommen werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2021 | 06:24 Uhr

108 Kommentare

part vor 14 Wochen

Diese Bundesregierung im Schlepptau mit Ihren Krankenkassen bringt es nicht mal fertig rechtzeitig die Berechtigungsscheine für FFP2- Masken zu versenden, erst oft nach Ablauf der Einlöse- Frist. Was oll man dazu noch sagen...

Mediator vor 14 Wochen

Was hat es mit Aufgeben der Individualität zu tun, wenn man im Fall der Fälle dem Gesundheitsamt mitteilen kann, wo und wann man die letzten 7 Tage in einem Restaurant war und der Wirt dann sehr zielgenau die Information freigeben kann, wer zu diesem Zeitpunkt noch anwesend war und gewarnt werden müsste.

Niemand zwingt sie die App zu nutzen oder sich impfen zu lassen. Mit der Schuld, dass eines ihrer Familienmitglieder oder ein Freund durch ihre Untätigkeit schweren Schaden nimmt, damit müssen sie Egoist dann aber auch alleine klar kommen. Nicht wundern, wenn man sie dann mit Vorwürfen und unschönen Worten bedenkt. Verdenken kann man das ihren Opfern dann wirklich nicht.

Ich sitze grade mit 2 Rentnern im Alter von 83 Jahren beim Kaffee. Die sind geimpft und haben null was gemerkt. Aber gehen sie ruhig in Haft, wenn sie ein Gefängnis haben will.

Mediator vor 14 Wochen

Wer wie sie keine Argumente hat, der reitet auf Spitzfindigkeiten herum:
Welchen Unterschied macht es denn für sie persönlich, wenn derjenige, der sie mit Sars-Cov-2 infiziert hat nur infiziert und nicht erkrankt war?

Danke sie müssen nicht antworten!

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