MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland MDRfragt: Mehrheit für generelle Corona-Impfpflicht

Österreich hat sie bereits beschlossen, nun wird sie auch in Deutschland diskutiert: Die Corona-Impfpflicht für alle, die sich impfen lassen können. In der MDRfragt-Gemeinschaft findet die Idee eine Mehrheit, wie die aktuelle Befragung mit rund 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigt. Im Vergleich zur letzten Befragung vor zwei Wochen ist der Anteil der Befürworter deutlich gestiegen. Und: Auch einen Lockdown hält eine knappe Mehrheit für notwendig.

56 Prozent der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, sprechen sich für eine Impfpflicht für alle aus, die sich impfen lassen können. Für eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, wie Pflegepersonal, sind weitere 13 Prozent. Gegen eine Impfpflicht sind 29 Prozent.

Impfpflicht
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Deutlicher Anstieg der Impfpflicht-Befürworter

Innerhalb der vergangenen zwei Wochen ist der Anteil der Befürworter einer Impfpflicht deutlich angewachsen: Anfang November, bei unserer letzten Befragung, waren 40 Prozent für eine Impfpflicht für alle - heute sind es mit 56 Prozent deutlich mehr.

Claudia Reiser 3 min
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MDR FERNSEHEN Mo 22.11.2021 19:50Uhr 02:30 min

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Zum Thema Impfpflicht haben uns sehr viele Kommentare erreicht. Hier eine kleine Auswahl:

Ich bin für eine Impfpflicht. Sonst werden wir nie wieder normale Verhältnisse erreichen. Das Gemeinwohl geht vor.

67-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Mein Lebensgefährte lässt sich nicht impfen. Alle Maßnahmen, die bisher eingeführt wurden, treffen ihn überhaupt nicht. Er sitzt es aus. Ich hoffe und wünsche mir, dass er sich noch überzeugen lässt. Meiner Meinung nach hilft nur eine Impfpflicht!!!

55-jährige Teilnehmerin aus dem Saale-Holzland-Kreis

Von Anfang an wurde immer wieder betont, es gibt keine Impfpflicht. Es gibt gute Gründe für diese Impfung, möglicherweise aber auch gute Gründe, sich dagegen zu entscheiden. Damit hat jeder die freie Entscheidung. Ich plädiere wenn dann schon für eine Testpflicht für alle. Das erscheint mir gerechter.

51-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Eine Impfpflicht nur für Pflegepersonal ist ungerecht. Ich arbeite auf einer Intensivstation, ich bin geimpft. Aber bei einer Impfpflicht wollen einige dann noch kündigen, dabei sind wir schon am Limit. Wenn wir die uns anvertrauten Menschen schützen sollen: Wer schützt uns?

54-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Greiz

Neuer Lockdown? Knappe Mehrheit findet ihn notwendig

In Anbetracht der derzeitigen Corona-Lage empfinden 53 Prozent einen neuen Lockdown in ihrem Bundesland für notwendig. 45 Prozent dagegen nicht.

Lockdown
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Besonders hoch ist der Anteil derjenigen, die einen neuen Lockdown in ihrem Land für notwendig halten, in Sachsen – wo am Freitagabend (nach Beginn der Befragung) weitere Einschränkungen beschlossen wurden. Hier sind 56 Prozent für einen neuen Lockdown, in Thüringen (51 %) und Sachsen-Anhalt (49 %) ist die Meinung der Befragten nahezu gespalten.

Vor allem von den sächsischen MDRfragt-Mitgliedern haben uns viele Kommentare zum neuen Kurs der Landesregierung erreicht:

Es wurde immer verkündet, dass vollständig Geimpfte ihre „Freiheiten“ zurückbekommen. Dieses Versprechen würde gebrochen.

65-jähriger Teilnehmer aus Mittelsachsen

Wir haben keine Lust mehr auf einen neuen Lockdown!

45-jährige Teilnehmerin aus Mittelsachsen

Es gilt, Menschenleben zu retten. Da ist jeder Lockdown berechtigt.

84-jähriger Teilnehmer aus dem Landkreis Bautzen

Wir können es uns nicht leisten, dass Krankenhäuser kollabieren. Aus persönlicher Sicht würde ich aber lieber gerne sagen: "Nö, da mach ich nicht mit! Ich hab das getan, was nötig war." Das wäre aber definitiv egoistisch von mir, darum wohl über übel: Lockdown.

40-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Zwei Drittel würden neuen Lockdown mit tragen

Sollte es zu einem neuen Lockdown kommen, wären 64 Prozent bereit, ihn mit zu tragen – mehr, als einen Lockdown derzeit für notwendig halten. Rund ein Drittel (34 %) wären jedoch nicht bereit, einen neuen Lockdown mit zu tragen.

Deutliche Mehrheit befürwortet neue Corona-Regeln von Bund und Ländern

Am Donnerstag wurden neue Corona-Regeln beschlossen – sowohl per Gesetz im Bundestag als auch in der Bund-Länder-Runde:

  • Besonders die Testpflicht für Alten- und Pflegeheime trifft bei der MDRfragt-Gemeinschaft auf große Zustimmung: 93 Prozent finden es richtig, dass sich Besucher und Personal täglich testen müssen, egal, ob genesen, geimpft oder nicht.

  • Auch die Homeoffice-Pflicht und die 3G-Regel am Arbeitsplatz befürworten die deutliche Mehrheit (80 bzw. 75 %).

  • Etwas geringer ist die Zustimmung für die 3G-Regel im Nah- und Fernverkehr, aber auch hier gibt es zwei Drittel Befürworter (66 %).

  • Die verpflichtenden 2G- bzw. 2G-plus-Regeln - je nach Hospitalisierungsrate im jeweiligen Bundesland - befürworten ebenfalls rund zwei Drittel der Teilnehmenden.

Zwei Drittel glauben nicht, dass die neuen Bund-Länder-Regeln die vierte Welle brechen können

So groß die Zustimmung für die Bund-Länder-Regeln auch ist: Sie werden nicht ausreichen, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Das glaubt die Mehrheit der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer (66 %). Nur 21 Prozent glauben, dass es mit den Regeln gelingen könnte. 13 Prozent wollten zu dieser Frage keine Angabe machen.

Maßnahmen ausreichend, um 4. Welle zu brechen
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Ein Grund könnte sein, dass die deutliche Mehrheit (86 %) der Ansicht ist, dass die jetzt beschlossenen Regeln zu spät kommen. Hier einige Stimmen dazu:

Diese Regeln kommen hoffnungslos zu spät! Sie hätten viel besser greifen können, wenn sich die Politiker deutlich früher bewegt hätten.

48-jähriger Teilnehmer aus Jena

Nun vergeht noch eine Woche, bis die Maßnahmen umgesetzt werden. Arbeitgeber sträuben sich noch gegen Homeoffice. Alles zu spät. Die Gefahr steigt rasant.

60-jährige Teilnehmerin aus Magdeburg

Die Politik hat es im Sommer verpasst, entsprechende Vorkehrungen zu treffen und die Booster-Impfung auf den Weg zu bringen. Es gab nur noch Wahl und kein Corona mehr. Der Bürger muss die Versäumnisse ausbaden und wird bestraft.

51-jährige Teilnehmerin aus dem Altenburger Land

Ausschluss von Ungeimpften: Zwei Drittel finden das gerecht

Dass mit vielen der neuen Regeln Menschen, die sich bislang gegen eine Impfung entschieden haben, aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens praktisch ausgeschlossen werden, finden mehr als zwei Drittel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer gerecht (64 %). 34 Prozent empfinden es dagegen als ungerecht.

Ausschluss Ungeimpfte von Großteil des öffentlichen Lebens
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Über diese Befragung Die Befragung vom 19.-22.11.2021 stand unter der Überschrift:
Lockdown für alle, Impfpflicht oder 2Gplus: Was hält Corona jetzt noch auf?

Insgesamt sind bei MDRfragt 49.337 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 22.11.2021, 9 Uhr).

29.814 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 574 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 5.736 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 12.543 Teilnehmende
65+: 10.961 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 15.658 Teilnehmende
Sachsen-Anhalt: 7.094 Teilnehmende
Thüringen: 7.062 Teilnehmende

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 52 Prozent
Weiblich: 48 Prozent

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR extra | 22. November 2021 | 19:50 Uhr