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MDRfragt - Das Meinungsbarometer für MitteldeutschlandMDRfragt: Impfstatus wird in Familien zum Streitthema

von MDRfragt-Redaktionsteam

Stand: 17. Dezember 2021, 05:00 Uhr

Nur noch wenige Tage bis Heiligabend, aber auch in diesem Jahr sind die Feiertage überschattet von Corona. Ein Thema unter vielen Weihnachtsbäumen: Die Tatsache, dass es sowohl Geimpfte als auch Ungeimpte Verwandte in der Familie gibt. Bei rund zwei Dritteln dieser Familien sorgt der Impfstatus für Diskussionen, Streit oder dafür, dass die Familie nicht wie sonst zum Fest zusammenkommt. Das zeigt die aktuelle MDRfragt-Befragung, an der mehr als 27.000 Menschen aus Mitteldeutschland teilgenommen haben.

In vielen Familien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es sowohl geimpfte als auch ungeimpfte Verwandte. Bei den MDRfragt-Mitgliedern, die sich an der Befragung beteiligt haben, ist dies bei mehr als der Hälfte der Fall.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei den Familien, in denen es Mitglieder mit unterschiedlichem Impfstatus gibt, hat das in den meisten Fällen Auswirkungen auf das Zusammenleben: So gaben 45 Prozent an, dass es Diskussionen gibt, bei 11 Prozent sogar Streit. Auch das Zusammenkommen in der Weihnachtszeit wird sich durch den unterschiedlichen Impfstatus der einzelnen Mitglieder in einigen Familien anders gestalten: 25 Prozent haben angegeben, sich seltener zu sehen und 19 Prozent werden auf ein Treffen zu Weihnachten verzichten.

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Gemeinsames Fest oder freiwillige Kontaktbeschränkungen: So gehen MDRfragt-Mitglieder mit der Impf-Frage um

Bei 35 Prozent der Befragungsteilnehmer, die sowohl geimpfte als auch ungeimpfte Verwandte in ihrer Familie haben, hat dieser Umstand dagegen keine Auswirkungen auf das Zusammenleben - so wie bei diesem MDRfragt-Mitglied:

Familie bleibt Familie, egal ob geimpft oder nicht. Die Impfung sagt nichts über den Menschen aus und wir lassen uns nicht spalten!

50-jähriger Teilnehmer aus Erfurt

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehen anders damit um:

Die Familie ist geteilt in Geimpfte und Ungeimpfte, so können nicht alle zusammen kommen.

50-jähriger Teilnehmer aus dem Ilm-Kreis

Das betrifft nicht nur die Familie, auch zu Freunden und Bekannten schränken wir die Kontakte stark ein. Von einzelnen Freunden haben wir uns bereits distanziert, die sich als hartnäckige Impfgegner erklären.

76-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

In unser Wohnung gilt die 2G-Regel! Ungeimpfte haben keinen Zutritt! Ich arbeite als Altenpflegefachkraft und habe meinen Patienten gegenüber (die alle geimpft und auch schon geboostert sind, wie auch mein Mann und ich) eine besondere Verantwortung!

50-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Leipzig

Mehr als die Hälfte will Kontakte an Weihnachten verringern

Unabhängig vom Impfstatus wollen 57 Prozent der befragten MDRfragt-Mitglieder die Kontakte zur Familie oder Besuche an Weihnachten wegen der Corona-Lage einschränken - davon 26 Prozent sehr stark bzw. stark, 31 Prozent weniger stark. 39 Prozent wollen ihre Kontakte gar nicht einschränken.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier einige Meinungen aus der MDRfragt-Gemeinschaft, die uns dazu erreicht haben:

Angesichts der Situation fühle ich mich wesentlich wohler, wenn wir uns nicht so oft und intensiv treffen (z. B. manchmal auch draußen). Wenn die anderen so tun wollen, als wäre alles "normal", ist mir das wesentlich unangenehmer.

48-jährige Teilnehmerin aus dem Erzgebirgskreis

Zu uns kommt dieses Jahr nur meine Tochter mit Hund. Wir haben auch voriges Jahr nur zu dritt gefeiert und solange die Situation so ist, wie sie ist, machen wir das Beste draus.

57-jährige Teilnehmerin aus Greiz

Wir laden niemanden ein und fahren auch zu keiner Verwandtschaft.

39-jähriger Teilnehmer aus dem Kyffhäuserkreis

Knapp 30 Prozent sorgen sich wegen Kontakteinschränkung vor Einsamkeit an Weihnachten

Diejenigen, die ihre Kontakte an Weihnachten in diesem Jahr einschränken wollen, haben wir gefragt, ob sie sich sorgen, sich einsam zu fühlen. 29 Prozent haben dies bejaht, 70 Prozent verneint.

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Meinung zu Corona-Maßnahmen: Maskenpflicht genau richtig, Weihnachtsmarkt-Aus zu streng

Wir haben in der Befragung auch danach gefragt, wie die MDRfragt-Mitglieder zu den bestehenden Corona-Schutzmaßnahmen stehen:

  • Genau richtig findet jeweils die Mehrheit die Maskenpflicht (72 Prozent), die Schließung von Bars und Klubs (59 Prozent) und 2G in Kultur-, Gastro- und Freizeiteinrichtungen (56 Prozent) genau richtig sind. Auch die Beschränkungen von Großveranstaltungen (55 Prozent) und 2G im Einzelhandel (53 Prozent) findet mehr als die Hälfte richtig.

  • Zu streng bewertet jedoch jeweils rund die Hälfte die Absage von Weihnachtsmärkten (53 Prozent) und die Schließung der Gastronomie in Hochinzidenzkreisen in Sachsen und Thüringen (50 Prozent).

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Geteilte Meinung beim Verkaufsverbot für Feuerwerk

Das Verkaufsverbot für Feuerwerk spaltet die Befragten: Während diese Entscheidung 45 Prozent genau richtig finden, empfinden sie genauso viele als zu streng (45 Prozent).

Coronakrise: Zwei Drittel zweifeln an Entscheidungen der Politik

Bei knapp zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist das Vertrauen in die Politik, in der Coronakrise die richtigen Entscheidungen zu treffen, klein bzw. nicht vorhanden – und zwar sowohl auf Bundesebene (62 Prozent), auf Landes- (64 Prozent) und auf kommunaler Ebene (65 Prozent).

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Corona-Management: 60 Prozent unzufrieden mit alter Bundesregierung

61 Prozent haben angegeben, dass sie mit dem Corona-Management der alten Bundesregierung unter Angela Merkel unzufrieden sind. Etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) zeigt sich dagegen zufrieden.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den Kommentaren haben uns MDRfragt-Mitglieder mitgeteilt, was sie am Corona-Management der alten Bundesregierung kritisieren:

Die alte Regierung hat zu spät, zu lasch und nicht vorausschauend gehandelt. Hauptsache für sich (Maskenskandale, Wählerstimmen). Frau Merkel war das Wohl im Ausland wichtiger als die Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

64-jähriger Teilnehmer aus der Börde

Es war nur ein Reagieren, nie vorausschauendes Agieren.

68-jähriger Teilnehmer aus der Sächsischen Schweiz

Mehrheit der Eltern skeptisch hinsichtlich Kinderimpfung

Von den Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmern, die Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren haben (insgesamt sind das 2.013) wollten wir wissen, wie sie zum Thema Kinderimpfung stehen. Knapp über die Hälfte der Eltern von Kindern in diesem Alter haben angegeben, dass sie derzeit ihre Kinder nicht impfen lassen wollen. Dagegen haben 18 Prozent vor, ihre Kinder zeitnah impfen zu lassen und weitere 14 Prozent zu einem späteren Zeitpunkt. 14 Prozent sind noch unentschlossen bezüglich der Kinder-Impfung.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Die Befragungsergebnisse zum Herunterladen

Über diese BefragungDie Befragung vom 10.12.-13.12.2021 stand unter der Überschrift:

Festtagsstimmung oder Coronafrust - wie erleben Sie die Weihnachtszeit?

Insgesamt sind bei MDRfragt 49.501 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 13.12.2021, 12 Uhr).

27.148 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 428 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 4.783 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 11.577 Teilnehmende
65+: 10.360 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 14.096 Teilnehmende
Sachsen-Anhalt: 6.598 Teilnehmende
Thüringen: 6.454 Teilnehmende

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 52 Prozent
Weiblich: 48 Prozent

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 17. Dezember 2021 | 11:00 Uhr