Studie Mehrheit sieht Rechtsextremismus als große Bedrohung

Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland halten Rechtsextremismus aktuell für eine große Bedrohung. Das geht aus einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit der Universität Bielefeld hervor. Zudem ist ein geschlossen rechtsextremes Weltbild nur bei einer kleinen Minderheit zu finden – besonders häufig bei Menschen mit geringer Schulbildung.

Logo, Schriftzug Friedrich-Ebert-Stiftung e. V
Die "Mitte-Studie" der Friedrich-Ebert-Stiftung erscheint alle zwei Jahre. Bildrechte: dpa

Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland halten Rechtsextremismus aktuell für eine große Bedrohung. Das geht aus der neuen "Mitte-Studie 2020/2021" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit der Uni Bielefeld hervor. Insgesamt stünden für 88 Prozent der Befragten Würde und Gleichheit aller in der Demokratie an erster Stelle. Für die Erhebung waren im Januar und Februar dieses Jahres 1.750 Menschen im gesamten Bundesgebiet befragt worden. Die repräsentative Studie umfasst 400 Seiten.

Ein geschlossen rechtsextremes Weltbild findet sich laut Studie nur bei einer kleinen Minderheit – vor allem bei Menschen mit geringer Schulbildung. Während 3,2 Prozent der Menschen mit niedriger Schulbildung solche Einstellungen vertreten, sind es bei denjenigen, die einen höheren Abschluss haben, lediglich 0,8 Prozent.

Gefühl der Machtlosigkeit bei AfD-Wählern

Besonders stark verbreitet sind der Studie zufolge rechtsextreme Einstellungen dort, "wo die AfD bei der Bundestagswahl 2017 erfolgreich war" und gleichzeitig der Ausländeranteil in der Bevölkerung gering ist. Unter den Wählern der AfD sei zudem das Gefühl der politischen Machtlosigkeit stärker verbreitet als bei den Wählern anderer Parteien.

Eine karnevalistisch verkleidete Teilnehmerin einer Kundgebung gegen die Maߟnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie trägt einen Aluhut.
Verschwörungsmythische Einstellungen sind laut der Studie zurückgegangen. Bildrechte: dpa

Weiterhin ergab die Studie einen Rückgang offen artikulierter rechtsextremer Einstellungen. So liege etwa der Anteil der Befragten, die den Nationalsozialismus verharmlosen, aktuell bei 1,4 Prozent gegenüber 2,5 Prozent in der Studie 2018/2019. Generell lasse sich ein Rückgang rechtsextremer und rechtspopulistischer, auch von verschwörungsmythischen Einstellungen beobachten, so das Fazit der Studienautoren.

Zugenommen hat nach Aussagen der Studienautoren allerdings der Antisemitismus. 13 Prozent der Befragten hätten demnach einen israelbezogenen Antisemitismus geäußert, 7,5 Prozent stimmen offen antisemitischen Meinungen zu.

Die deutliche Ächtung des Antisemitismus weicht auf.

Beate Küpper Co-Autorin der "Mitte-Studie"

Graubereich im Osten größer

Unterschiede gibt es zwischen neuen und alten Bundesländern: Offener Rechtsextremismus ist unter Ostdeutschen dabei nicht stärker verbreitet als unter Westdeutschen, wie es hieß. Unter Ostdeutschen fänden sich aber eher Meinungen im Graubereich zwischen klarer Ablehnung und klarer Zustimmung sowie eine höhere Abwertung von "Fremden".

Die "Mitte-Studie" untersucht seit 2014 alle zwei Jahre rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland.

Quellen: dpa/epd/AFP(isc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2021 | 15:00 Uhr

168 Kommentare

JanoschausLE vor 23 Wochen

Homosexuellen-Propaganda? Sie glauben echt, dass Homosexualität eine Einstellungsfrage ist, und Orban auch? Wie bekloppt ist das denn. Und so ein Typ ist Regierungschef von einem Land?

JanoschausLE vor 23 Wochen

nocheinirgendjemand,
gehen Sie auf die Seite der Stiftung, dort können Sie es downloaden, Methodik und Fragestelkungskatalog ist transparent aufgeführt. 6 Likes von 6 Unwissenden. Starke Leistung! (letzteres ist Satire). Ob das welche aus dem bildungsfernen Klientel aus der rechten Szene sind vermag ich nicht zu beurteilen.
Man sollte erst überlegen bevor man seine Wut über das Ergebnis hier schreibt.

JanoschausLE vor 23 Wochen

Pitty, als afd-Fan haben Sie sich schon oft geoutet. Natürlich gibt's auch in Ihrem Wahlkreis afd-Funktionäre. Und da können Sie ins Wahlburo gehen und Ihr Anliegen an die Partei äußern. Die afd kann doch auch mal eine Studie in Auftrag geben, ob da sooo viiiel was anderes herauskommen würde, wenn sie eben auch zu diesem Thema eine "Gegen" - Studie in Auftrag gäbe, bezweifle ich. Und die Akademiker in der afd wissen das selbst auch ganz genau...

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