Vor der Bundestagswahl AfD-Chef Meuthen geht auf Distanz zu mehreren Kandidaten

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen ist zehn Wochen vor der Bundestagswahl auf Distanz zu mehreren Kandidaten seiner Partei gegangen. Zu den Bewerbern Brandner und Pohl aus Thüringen sagte er etwa, das seien nicht seine Freunde. Mit Blick auf den "Flügel" räumte er ein, der Versuch, die Gruppierung zu integrieren, sei gescheitert.

Jörg Meuthen
AfD-Chef Jörg Meuthen will für mehrere Bundestagskandidaten seiner Partei keine Empfehlung abgeben. Bildrechte: dpa

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat Spannungen innerhalb der Partei eingeräumt. Meuthen sagte im ZDF-Sommerinterview, es gebe einzelne Akteure, die sich nicht an die Spielregeln hielten. Auf die Frage, ob er die Bundestagskandidaten Christina Baum aus Baden-Württemberg oder Stephan Brandner und Jürgen Pohl aus Thüringen empfehlen könne, sagte Meuthen: "Das sind alles nicht meine Freunde." Er habe keine Empfehlungen auszusprechen. Das sei eine Entscheidungen der Wähler. Auch bei anderen Namen wie Andreas Harlaß und Jens Maier von der AfD in Sachsen hielt sich Meuthen bedeckt.

Kritik an Co-Vorsitzendem Chrupalla

Mit Blick auf den sogenannten Flügel betonte der Parteichef, er habe versucht, die Gruppierung in die Partei zu integrieren. Der Versuch sei aber gescheitert, weil der Flügel die Partei habe übernehmen wollen.

Meuthen kritisierte auch seinen AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla. Es sei unklug gewesen, dass dieser auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau eine Rede gehalten habe. Chrupalla bildet gemeinsam mit AfD-Fraktionschefin Alice Weidel das Spitzenteam der Partei im Bundestagswahlkampf.

Meuthen kandidiert nicht für Bundestag

Jörg Meuthen ist Abgeordneter des Europäischen Parlaments und kandidiert nicht für den Bundestag. Auf die Frage, wie lange er angesichts des massiven Gegenwinds aus den eigenen Reihen noch Parteichef sein werde und ob er vielleicht wie die früheren Vorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry aus der AfD austreten werde, antwortete Meuthen: "Hinwerfen ist nicht meine Art, das mache ich nicht."

Verfassungsschutz hat "Flügel" im Visier

Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet den "Flügel" mittlerweile als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Die AfD setzt sich aktuell gegen eine mögliche Beobachtung der Gesamtpartei durch den Verfassungsschutz juristisch zur Wehr. In dem Verfahren vor dem Kölner Verwaltungsgericht geht es auch um die Frage, welches Gewicht Ideen und Akteure der Rechtsaußen-Strömung in der AfD haben.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2021 | 22:00 Uhr

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