Hörer machen Programm Welchen Einfluss hat die Bundeswehr aufs Klima?

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
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MDR-AKTUELL-Nutzer Bernd Lösch schreibt, dass eine große Möglichkeit, CO2 einzusparen, beim Militär liege. Jeder Schuss Munition Gas frei, weswegen die Einstellung der Produktion von Kriegsgerät einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität leisten könnte. Welchen Einfluss nimmt das Militär wirklich auf das Klima?

Nato-Manöver in der Oberlausitz DEU/Sachsen
Nach eigenen Angaben hat die Bundeswehr ihren CO2-Ausstoß in den letzten Jahren gesenkt. Bildrechte: imago images / Rainer Weisflog

Die Datenlage ist schlecht: Laut Pariser Klimaabkommen sind staatliche Angaben über Treibhausgas-Emissionen des Militärs freiwillig. Für die Linksfraktion im Europaparlament sei das der Grund gewesen, eine eigene Studie in Auftrag zu geben, sagt ihre Abgeordnete Özlem Demirel: "Beispielsweise Militärübungen, Truppenverlegungen und ähnliche Faktoren werden nicht berücksichtigt in den offiziellen Zahlen. Ganz besonders die Bundesregierung gibt sehr konservative Schätzungen über die Emissionen der Bundeswehr."

Kemferts Klima-Podcast 9 min
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MDR AKTUELL Fr 15.10.2021 08:00Uhr 09:02 min

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Zum Vergleich: Die Bundeswehr beziffert ihren CO2-Ausstoß für 2019 auf 1,45 Millionen Tonnen. Die Studie im Auftrag der Linken schätzt dazu noch den Ausstoß der Rüstungsindustrie – und kommt für Deutschland insgesamt auf das Dreifache. Die Zahlen sind also umstritten und das wirkt sich auch auf die Frage aus, wie viel CO2 sich beim Militär einsparen ließe.

Bundeswehr wartet auf klimaneutrale Kraftstoffe

Die Bundeswehr verweist darauf, ihren Ausstoß in den letzten Jahren gesenkt zu haben, vor allem in den eigenen Gebäuden oder mit mehr Elektroautos im Fuhrpark. Doch große Innovationen wie etwa elektrisch betriebene Panzer seien nicht zu erwarten, so das Bundesverteidigungsministerium in einer Antwort auf eine Parlamentsanfrage: Es würden "trotz angestrebter maximaler Erhöhung des Hybridisierungsgrades durch Elektromotoren auch langfristig Verbrennungsmotoren eingesetzt werden müssen. Um die Kraftstoffresilienz zu sichern, müssten künftig klimaneutrale synthetische Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren verfügbar werden."

Synthetische Kraftstoffe oder E-Fuels – da wird Hans-Jochen Luhmann hellhörig. Er ist Ökonom am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie und will mit einem Arbeitspapier beim Ministerium Gehör finden. Die Bundeswehr solle nicht warten, bis es E-Fuels gebe, sondern selber vorangehen. "Da gilt es zu entwickeln." Luhmann sagt, er plädiere dafür, nicht einfach nur Häuser besser zu dämmen, sondern mit den größten Herausforderungen zu beginnen.

Abrüstung als Mittel für CO2-Einsparungen

Dass die Bundeswehr nach Möglichkeiten sucht, CO2 einzusparen, begrüßt auch Özlem Demirel. Doch für die Linken-Politikerin gehen Ansätze wie der Umstieg auf synthetische Kraftstoffe nicht weit genug: "Allein das ist für uns keine Lösung. Sie wissen, dass der Klimawandel auch zu Konflikten in aller Welt beiträgt und die Antwort der EU ist im Moment: 'Wir müssen mehr aufrüsten.'" Das sei ein Kreislauf, der die Instabilität in der Welt weiter befördern würde.

Auch Hans-Jochen Luhmann spricht sich für Abrüstung aus. Er sagt jedoch: Die CO2-Emissionen der Bundeswehr taugten nicht als Argument dafür. Selbst wenn man die höheren Zahlen aus der Studie der Linken zugrunde lege: Der Ausstoß des Verkehrs in Deutschland sei noch immer 35-mal höher. Der Anteil des Militärs also sei klein – und auch ohne diesen habe man noch eine Riesenaufgabe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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