Um Gas zu sparen Wohnungsbranche gegen Absenkung der Mindesttemperatur

Angesichts der hohen Energiepreise hat der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, eine Senkung der Mindesttemperatur für Mietwohnungen vorgeschlagen. Während ein Mieterverein davon abrät, äußert sich ein Eigentümerverband positiv gegenüber der Idee.

Jemand hält eine Infrarot-Wärmebildkamera in einer leeren Wohnung
Die Mindesttemperatur muss in Wohnungen tagsüber zwischen 20 und 22 Grad liegen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Bislang ist es im Mietrecht so: In der Heizperiode – also von Anfang Oktober bis Ende April – darf ein Vermieter die Heizung nicht zu kalt einstellen. Stattdessen muss es tagsüber mindestens zwischen 20 und 22 Grad warm sein. Wegen der hohen Energiepreise bringt der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, jetzt eine Idee ins Spiel, die er kurz im Interview mit der "Rheinischen Post" erwähnt: "Der Staat könnte die Heizvorgaben für Vermieter zeitweise senken. Darüber diskutieren wir mit der Politik."

Vermieter könnten also die Heizungsanlagen kälter einstellen, sodass weniger als 20 Grad herrschen müssen – wie viel Grad genau und ab wann die Regelung greifen soll, sagt Müller nicht. Auch auf Nachfrage von MDR AKTUELL heißt es in einer Mail der Bundesnetzagentur nur: "Herr Müller hat sich abschließend geäußert, wir haben da nichts hinzuzufügen."

Mieterverein sieht Vorschlag kritisch

Zakarias Said ist Rechtsberater beim Mieterverein Magdeburg. Er ist von Müllers Vorschlag "alarmiert" – und denkt, dass er schon allein rechtlich nicht umzusetzen wäre: "Mieter kann ja auch durchaus jemand sein, der eine Ölheizung hat oder Fernwärme. Dort wird ja dann, anders als bei der Gasversorgung, so ein Einschnitt vielleicht nicht unbedingt notwendig sein. Das heißt, wenn ich jetzt Pech habe und ich in einer Gasheizungs-Wohnung wohne, bin ich von dieser drastischen Maßnahme betroffen. Wohingegen zwei Straßen weiter jemand nicht davon betroffen wäre. Das allein rechtlich einzubetten, funktioniert in der Form nicht."

Und Said sagt: Kältere Wohnungen könnten sich auch auf die Gesundheit der Mieterinnen und Mieter auswirken: "Nicht nur die älteren Damen und Herren werden sich dieser Temperatur anders ausgesetzt fühlen als jüngere Menschen. Auch Babys haben eine ganz andere Wohlfühltemperatur, 24 Grad ist da ja die Empfehlung. Das ist gesundheitlich nicht ohne Weiteres für jeden zu stemmen."

Eigentümerverband: kurzfristiger Lösungsvorschlag

In solchen Fällen könne man aber mit Mietern ins Gespräch kommen und eine Ausnahmeregelung finden, sagt Eric Lindner. Er ist Geschäftsführer bei Haus & Grund Leipzig – ein Verband von Wohnungs- und Hauseigentümern. Lindner sagt, die Temperaturen abzusenken sei eine mögliche Option: "Das kam ja schon aus verschiedenen Richtungen. Nicht nur aus der Politik, sondern auch aus anderen Verbänden – auch jenseits der Immobilienwirtschaft –, dass das ein Beitrag sein könnte. Es wird sicherlich auch andere gute Vorschläge geben, aber Temperaturen abzusenken, zeitlich beschränkt womöglich erst einmal, das liegt ja nah."

Ein Problem, sagt Lindner, könnte es trotzdem geben: Wenn die Heizungsanlagen nicht von eigenen Wartungsfirmen betreut würden. Dann müsste jemand vorbeikommen und die Anlage im Keller manuell einstellen. Das wäre ein großer Aufwand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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