Gegen Inflation Bundesbank-Chef Nagel fordert Erhöhungen des Leitzins

Bundesbank-Präsident Nagel fordert für das Jahr 2022 mehrere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank. Nagel sagte dem "Spiegel", die EZB müsse in ihrer Juni-Sitzung ein deutliches Signal geben, wohin die Reise gehe. In der zweiten Jahreshälfte sollten dann weitere Zinsschritte folgen. Nagel betonte zugleich, auch bei Zinsanhebungen werde es dauern, bis die Inflation sinke.

Joachim Nagel, Bundesbank
Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank. Nagel hat gleich zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr gefordert. Bildrechte: dpa

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat gleich mehrere Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr gefordert, um die grassierende Inflation zu bekämpfen. "In unserer Juni-Sitzung müssen wir ein deutliches Signal geben, wohin die Reise geht. Aus meiner heutigen Sicht müssen wir dann im Juli einen ersten Zinsschritt machen und weitere in der zweiten Jahreshälfte folgen lassen", sagte Nagel dem "Spiegel".

Von einem raschen Sinken der Inflationsrate geht der Bundesbankpräsident nicht aus. "Die Inflation wird nicht über Nacht sinken, das kann noch etwas dauern", sagte er weiter. Das Szenario einer Stagflation, also eine vergleichsweise hohe Inflation bei gleichzeitig stagnierender Wirtschaftsleistung, sieht er derzeit als ebenfalls nicht wahrscheinlich an: "Die Lage ist weiterhin robust", sagte Nagel dem Spiegel.

Nagel: Deutsche Wirtschaft "steht nicht so schlecht da"

Für die deutsche Wirtschaft ist Nagel trotz der zahlreichen Krisenherde verhalten optimistisch. "Die deutsche Wirtschaft steht nicht so schlecht da: Wir haben vor dem Krieg für 2022 mit mehr als vier Prozent Wachstum gerechnet. Jetzt könnte sich das etwa halbieren." Mit einem Wachstum von etwa zwei Prozent sehe es dann "immer noch ganz ordentlich aus". 

Am Montag hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde ein Ende der Negativzinsen bis zum Ende des dritten Quartals in Aussicht gestellt. Einen ersten Zinsschritt peilt sie für Juli an. An den Finanzmärkten wurden die Aussagen als Hinweis auf eine erste Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte gedeutet. Seitdem haben einige Mitglieder im EZB-Rat gefordert, im Juli einen größeren Zinsschritt um 0,50 Prozent zu machen. Dies scheint aber im EZB-Rat nicht mehrheitsfähig zu sein. Eine Reihe von westlichen Notenbanken, darunter die US-Notenbank, hat bereits eine Zinswende eingeleitet.

AFP, dpa (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2022 | 14:00 Uhr

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