Studie Negativzinsen: Sparen wird immer teurer

Wer Geld auf ein Sparkonto einzahlt, erwartet dafür einen Ertrag. Bankkundinnen und -kunden müssen jedoch immer häufiger Geld für die Einlagen bezahlen. Rund 350 Banken und Sparkassen verlangen inzwischen Negativzinsen, mittlerweile teilweise ab Guthaben niedriger als 50.000 Euro. Verbraucherschützer klagen dagegen.

Geldscheine werden gezählt
Sparschweine nehmen immerhin keine Gebühren. Sicherer ist das Geld allerdings auf der Bank. Bildrechte: dpa

Für Geld auf dem Sparbuch gibt es schon länger kaum noch Zinsen. Für höhere Einlagen müssen vermögende Sparerinnen und Sparer inzwischen immer öfter sogar Gebühren bezahlen. 349 Banken und Sparkassen erheben mittlerweile ein sogenanntes Verwahrentgelt bei größeren Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des Vergleichsportals Verivox hervor.

Höhere Gebühren, niedrigere Freibeträge

Verivox betrachtete öffentlich zugängliche Preisinformationen von 1.300 Instituten. Die Zahl der Banken, die Negativzinsen berechneten, habe sich innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt. "Aktuell kommen nahezu täglich weitere Geldhäuser hinzu", sagte Verivox-Manager Oliver Maier. Zugleich verschärften viele Institute ihre Regelungen. Die Geldhäuser senkten den Zinssatz weiter ins Minus, oder reduzierten die Freibeträge, bis zu denen das Guthaben auf dem Konto von Negativzinsen verschont bleibt.

Lange Zeit wurde vor allem bei großen Summen ab 100.000 Euro ein Verwahrentgelt fällig. Inzwischen erheben Verivox zufolge mindestens 102 Institute Negativzinsen ab einer Gesamteinlage von 50.000 Euro oder weniger pro Kundin und Kunde. Zuletzt kündigte die Direktbank ING an, den Freibetrag auf 50.000 Euro zu halbieren. Verivox-Manager Maier befürchtet einen Domino-Effekt: "Gut möglich, dass sich künftig noch mehr Bankkunden auf niedrigere Freibeträge einstellen müssen."

Hohe Sparquote in Deutschland

Ursache für die Gebühren ist die lang anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Geschäftsbanken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder dort parken. Diese Kosten geben die Geldhäuser immer häufiger weiter.

Die EZB will mit der Politik Investitionen und Wirtschaftswachstum ankurbeln. In Deutschland allerdings sparen die Deutschen trotz der niedrigen Zinsen nach wie vor große Teile ihrer Einkommen. Die Sparquote lag im ersten Quartal nach vorläufigen Daten bei gut 23 Prozent. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte im Durchschnitt also gut 23 Euro auf die hohe Kante.

CDU-Finanzexpertin: Investitionen ankurbeln

Die Thüringer Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann warnt vor den Folgen von Negativzinsen. Die finanzpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion sagte MDR AKTUELL: "Dass wir diese Situation für schwierig halten, das teilen Politiker und Bürger gleichermaßen." Tillmann verwies auf die schwierige Lage bei der privaten Altersvorsorge, zum Beispiel auch bei Lebensversicherungen.

Deutschland habe die EZB immer wieder auf die Situation in Deutschland hingewiesen, erklärte Tillmann weiter. Allerdings müsse die Zentralbank die Lage in ganz Europa berücksichtigen. Die Union strebe an, über steuerliche Anreize Investitionen und Kapitalanlagen zu fördern. Konkret nannte die CDU-Finanzexpertin Klimaschutz an eigenen Immobilien und Mitarbeiterbeteiligungen.

Verbraucherschützer klagen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hält Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten derweil grundsätzlich für unzulässig. Der Verband hat daher Klagen bei mehreren Gerichten eingereicht. "Uns geht es nicht um einzelne Institute, sondern um eine grundsätzliche Klärung", erklärte der VZBV.

Die Verbraucherschützer argumentieren unter anderem, dass Tagesgeld eine Form des Sparens sei. Vertragszweck sei die Vermögensmehrung und nicht die Vermögensminderung. Bei Girokonten wiederum zähle die Verwahrung von Einlagen nicht zu den Zahlungsdiensten, für die Institute Geld verlangen könnten.

Quelle: MDR/dpa(ala)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2021 | 07:00 Uhr

16 Kommentare

Bosshaft vor 15 Wochen

Es gibt Alternativen, Bitcoin - und man ist seine eigene Bank , Staking, Lending mit ordentlichen Vergütungen --- keine EZB die monatlich Milliarden druckt !

Euphemismus vor 15 Wochen

Warum sparen wenn das Geld nicht reicht bei prassenden sparorgien dann werden einfach die Gebühren erhöht dann reicht es auch wieder für das eigene Traumschiff nicht wahr?

dimehl vor 15 Wochen

Noch ist ein Ausweichen möglich, Beispiel: alles abheben und in einem Schließfach / zuhause unter dem berühmten Kopfkissen aufbewahren.
Noch: spätestens aber mit der geplanten / schon begonnenen schrittweisen Abschaffung des Bargeldes ist auch damit Schluss:
alles Geld ist dannn immer auf einem Konto, möglicherweise auf einem jedem Bürger zugeordneten Konto bei der Zentralbank EZB (digitales Zentralbankgeld):
Dann sind Negativzinsen ab dem 1. Euro umsetzbar...

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