"NSU 2.0"-Drohmails Verdächtiger Ex-Polizist bestreitet Vorwürfe

Der wegen rechtsextremer Drohmails festgenommene Ex-Polizist bestreitet die Vorwürfe. Der 63-Jährige hat nach eigenen Angaben mit den "NSU 2.0"-Schreiben nichts zu tun. Der einschlägig vorbelastete Bayer sieht sich als Opfer einer Intrige.

Der Schriftzug 'Polizei' am 1. Polizeirevier auf der Zeil, 2018
Der Zusammenhang zwischen den rechtsextremen Drohmails und abgegriffenen Daten von Polizeicomputern ist noch unklar. Bildrechte: dpa

Der in der Affäre um die rechtsextreme Drohschreiben-Serie "NSU 2.0" in Landshut festgenommene Ex-Polizist hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Das bestätigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Dienstag. Der 63-Jährige sagte, offenbar wolle jemand die Ermittler auf eine falsche Spur lenken.

Die Ermittler seien auf ihn gekommen, weil unter einer dieser Mails sein Name, seine Telefonnummer und seine Adresse gestanden hätten. Der Beschuldigte sagte der "Landshuter Zeitung", in der Drohmail stünden "äußerst unflätige Sachen wie Verbrennen und Vergasen". Das sei ein Schreibstil, der ihm nicht entspreche. Er sprach von einer Kampagne gegen sich.

Verdächtiger kein unbeschriebenes Blatt

Der Ex-Polizist aus Bayern soll schon in der Vergangenheit wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten sein. Dabei gehe es um Volksverhetzung und Beleidigung, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Der frühere Beamte und seine Frau waren am Freitag vorläufig festgenommen worden. Sie werden verdächtigt, sechs Drohmails an Bundestagsabgeordnete und andere Adressaten verschickt zu haben. Mittlerweile gibt es 69 solcher Schreiben.

Auch im Ruhestand Disziplinarverfahren möglich

Am Montag hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann über ein Disziplinarverfahren gegen den 63-Jährigen informiert. Auch ein Beamter im Ruhestand dürfe  sich nicht extremistisch betätigen. Sollte sich der Verdacht bestätigen,  drohen dem ehemaligen Beamten dienstrechtliche Sanktionen bis hin zur Aberkennung des Ruhegehalts.

Offenbar kein Zusammenhang zu Abruf von Polizeidaten

Unter den Adressaten der Drohbriefe waren die Kabarettistin Idil Baydar und die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die im Prozess um Mordes des rechtsterroristischen NSU Opferfamilien vertrat. Über Basay-Yildiz, Baydar sowie die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler waren zuvor persönliche Daten von Polizeicomputern in Frankfurt und Wiesbaden abgerufen worden.

Es gibt nach Worten einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass der ehemalige Polizist aus Bayern oder seine Frau im Zusammenhang mit dem Abruf persönlicher Daten von hessischen Polizeicomputern stehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juli 2020 | 13:00 Uhr

19 Kommentare

Wessi vor 40 Wochen

@ Norbert ..also, was das "Nichtgutfinden" der Berichterstattung anbelangt, so kann ich es nachvollziehen, was Sie meinen.Das ist, leider, vllt. eine Zeiterscheinung.Der erste Absatz ist wahrscheinlich "Empfindungssache".Das war, wenns so ist, früher andersherum (Zeitung mit den 4 Buchstaben+Imitationen)

Wessi vor 40 Wochen

@ Ralf Richter ...bitte beschränken Sie sich auf das, was ich schrieb.Was Sie da hinein interpretieren, ist nicht meine Sache, sondern eine Unterstellung.SIE suggerieren etwas.Fake news sozusagen.Bitte beachten Sie auch noch die Antwort an Wgeh.WENN er schuldig sein sollte, dann wäre es konsequent+das ist im Bericht auch schon erwähnt.PUNKT.

Norbert 56 NRW vor 40 Wochen

Nene das ist nicht richtig differenziert, wenn Sie mal den Journalismus der letzten Jahre sehen, wird insbesonders wenn es um angebliche rechte Taten geht erst gehangen und dann gefragt.
Auch finde ich Ihre Argumentation über die Meterlangen Berichterstattungen ziemlich schwach, auch wenn es das Heutzutage gibt, heisst nicht das man es gut finden muss, egal wen es angeht.

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