Recherche zu NSU-Verbrechen Mundlos und Zschäpe sollen in Firma von V-Mann gearbeitet haben

Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sollen für die Firma eines Informanten des Verfassungsschutzes gearbeitet haben. Wie Reporter der Zeitung "Welt" in der ARD-Dokumentation "Der NSU-Komplex" berichten, war Mundlos in den Jahren 2000 bis 2002 unter einem Tarnnamen als Vorarbeiter für ein Bauunternehmen in Zwickau tätig. Der Inhaber der Firma, der Neonazi Ralf Marschner, sei damals Spitzel des Verfassungsschutzes gewesen. Die Journalisten berufen sich auf Dokumente und Zeugenaussagen. 

Nach DPA-Informationen soll auch Zschäpe während ihrer Zeit im Untergrund in einem Zwickauer Geschäft gearbeitet haben, das vom V-Mann Marschner betrieben wurde. "Welt"-Chefredakteuer Stefan Aust bestätigte MDR INFO, dass auch sie Hinweise auf eine Beschäftigung Zschäpes entdeckt hätten. Allerdings habe man das nicht eindeutig belegen können wie im Fall Mundlos.

Firmenautos könnten für Morde benutzt worden sein

Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt
Das NSU-Trio Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Den "Welt"-Recherchen zufolge sollen Marschners Firma und damit auch Mundlos zu einer Zeit auf Baustellen im Raum Nürnberg und München aktiv gewesen sein, als dort die ersten Morde verübt wurden, die dem NSU zugerechnet werden. Durch die Firma des Spitzels wurden den Recherchen zufolge mehrere Mietautos über längere Zeiträume gebucht - einige davon an den Tagen, an denen in Nürnberg ein türkischer Schneider (Juni 2001) und in München ein türkischer Obsthändler (August 2001) erschossen wurden.

Ob die Fahrzeuge von Mundlos oder Böhnhardt tatsächlich bei den Morden genutzt wurden, ist jedoch bislang ungeklärt. Ebenso offen ist, ob Marschner den Verfassungsschutz über die Beschäftigung von Mundlos informiert hat. Der Spitzel sei offiziell 2002 vom Verfassungsschutz abgeschaltet worden. Seit 2007 war er im Ausland untergetaucht, bis ihn das Autorenteam jetzt in Liechtenstein aufspürte.

Was wusste der Verfassungsschutz?

Die Autoren werfen erneut die Frage nach NSU-Mitwissern im Umfeld der Nachrichtendienste oder beim Verfassungsschutz auf. Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sagte dazu der "Welt": "Nach unserer Erkenntnislage und nach den Auskünften der damals dafür zuständigen Mitarbeiter haben wir keine Anhaltspunkte dafür, dass es so war."

Dagegen sieht die sächsische Linken-Politikerin Kerstin Köditz den Vorwurf der undurchsichtigen Rolle der Geheimdienste im Fall NSU bestätigt. Sollten die neuen Berichte stimmen, dann sei der V-Mann Marschner (Deckname "Primus") verdammt nah dran am NSU gewesen. Die Vizevorsitzende im sächsischen NSU-Untersuchungsausschuss sagte, der Zwickauer Neonazi habe jahrelang über die dortige Szene berichtet - aber der Verfassungschutz will nichts vom Zwickauer Unterschlupf des NSU-Trios bemerkt haben. Das klinge immer mehr nach einer Schutzbehauptung. Der Untersuchungsausschuss werde die neuen Informationen genau prüfen.

Die Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Zwischen 2000 und 2007 erschoss die Gruppe nach Erkenntnissen der Ermittler zehn Menschen, neun davon ausländischer Herkunft. Mit Sprengstoffanschlägen sollen sie zudem Dutzende Menschen verletzt haben. Spätestens von 2001 an nannten sie sich "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 stellte sich Zschäpe der Polizei. Seit Mai 2013 wird ihr und mutmaßlichen Helfern in München der Prozess gemacht.

 

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