NSU-Prozess Zschäpe distanziert sich von Befangenheitsanträgen

Überraschende Wende im NSU-Prozess: Die Hauptangeklagte Zschäpe steht nicht hinter den Befangenheitsanträgen ihrer Pflichtverteidiger, durch die sich das Verfahren verzögert hatte.

Im Münchner NSU-Prozess hat sich die Hauptangeklagte Beate Zschäpe überraschend von mehreren Befangenheitsanträgen der Verteidigung distanziert. In einem handgeschriebenen Brief an den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl im Prozess am Oberlandesgericht teilte Zschäpe mit, die Ablehnungsgesuche gegen ihn und einen Beisitzer seien "ohne mein Wissen, vorherige Absprache oder meine Zustimmung" gestellt worden.

Zschäpes Pflichtverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm werfen dem Vorsitzenden Richter vor, eine zu kurze Frist für letzte Beweisanträge gesetzt zu haben. Erste Befangenheitsantrag dazu stellten sie noch während der letzten Verhandlung am 8. und 9. März, als auch Zschäpe anwesend war. Danach reichten die Anwälte weitere Anträge ein.

Zu Zschäpes Vorwurf, die weiteren Anträge seien nicht mit ihr abgesprochen, wollten sich die Verteidiger nicht äußern. Rechtsanwalt Stahl sagte, man werde "in der gebotenen Weise gegenüber dem Senat zeitnah Stellung nehmen".

Zschäpes Verhältnis zum Verteidiger-Trio zerrüttet

Ein OLG-Richterkollegium hatte nach dem Eingang der Befangenheitsanträge entschieden, sie in einem einheitlichen Verfahren abzuarbeiten. Das Gericht verschob den nächsten Verhandlungstermin deshalb auf kommenden Mittwoch. In den letzten beiden Wochen waren alle Prozesstage ausgefallen.

Zschäpe hatte den drei Anwälten Stahl, Heer und Sturm bereits im Sommer 2015 das Vertrauen entzogen. Das Gericht hatte es aber abgelehnt, die drei aus dem Mandat zu entlassen. Stattdessen stellte es der Angeklagten einen vierten Pflichtverteidiger, Anwalt Mathias Grasel, zur Seite.

Die Kommunikation zwischen Zschäpe und ihren drei ursprünglichen Anwälten gilt bis heute als gestört. Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" angeklagt. Dazu gehört eine Serie von neun Morden an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden aus Fremdenhass.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.03.2017 | 08:30 Uhr

Mehr aus Politik

Seehofer will Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze 1 min
Bildrechte: Bundespressekonferenz

Mehr aus Deutschland