Reaktionen vom Parteitag Hennig-Wellsow ruft Linke zur Geschlossenheit auf

Am Wochenende diskutiert die Linke auf einem virtuellen Parteitag über ihr Wahlprogramm für die anstehende Bundestagswahl, das am Sonntag beschlossen werden soll. Vorsitzende Hennig-Wellsow zeigt sich kämpferisch und fordert einen Regierungswechsel. Doch innerparteiliche Grabenkämpfe bleiben ein großes Problem der Partei.

Susanne Hennig-Wellsow (l), Parteivorsitzende der Partei Die Linke, und Janine Wissler, Spitzenkandidatin und Parteivorsitzende der Partei Die Linke, nehmen am Parteitag der Partei Die Linke teil.
Die Vorsitzenden der Linken, Susanne Hennig-Wellsow (l) und Janine Wissler, auf dem Parteitag. Bildrechte: dpa

Die Co-Vorsitzende der Linke Susanne Hennig-Wellsow hat ihre Partei vor der Bundestagswahl zu Einigkeit und Optimismus aufgerufen. Auf dem virtuellen Parteitag sagte sie, die Linke werde nicht zu Boden gehen, weil sie zusammenhalte und in der Gesellschaft eine Aufgabe habe. Ohne die Partei würden Millionen Menschen in Deutschland weiter in Armut leben müssen.

Hennig-Wellsow gab sich ungeachtet der derzeitigen Umfragen, die die Linke bei rund sieben Prozent sehen, kämpferisch. "Ich spüre natürlich auch, dass es eine gewisse Furcht gibt, dass wir das alles nicht schaffen", sagte die Co-Parteichefin.

Ramelow: Mensch muss wieder mehr in Fokus rücken

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach auf dem Parteitag. Er rief seine Partei dazu auf, im Wahlkampf stärker auf die Menschen zuzugehen.

Es komme darauf an, "dass wir die Herzen der Menschen gewinnen", sagte er in einem eingespielten Beitrag für den Parteitag. "Lasst uns gemeinsam losgehen in den Wahlkampf und den Menschen sagen: die Linke ist der starke Garant, damit dieses Land sozialer und gerechter wird."

Ausschlussantrag gegen Wagenknecht abgelehnt

Trotz der Versuche, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, drängen weiterhin innnerparteiliche Konflikte. So war auch die Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknecht Thema auf dem virtuellen Parteitag. Linke-Mitglieder hatten ihr parteischädigendes Verhalten vorgeworfen und daraufhin ihren Partei-Ausschluss gefordert. Ein entsprechender Antrag wurde am Samstag allerdings von der Parteispitze abgelehnt.

Auch Wagenknecht selbst schlug im Vorfeld des Parteitages versöhnliche Töne an. "Ich hoffe, dass der Parteitag der Linken neuen Schwung verleiht", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Partei müsse sich darauf konzentrieren, "dass uns wieder sehr viel mehr Menschen als verlässliche Kraft für sozialen Ausgleich und Zusammenhalt wahrnehmen", forderte Wagenknecht.

Beschluss am Sonntag geplant

Bei dem zweitägigen virtuellen Treffen wollen die rund 580 Delegierten das Programm für den Bundestagswahlkampf beschließen. Im Programmentwurf mit dem Titel "Zeit zu handeln. Für soziale Sicherheit, Frieden und Klimagerechtigkeit" fordert die Partei unter anderem eine Mindestrente von 1.200 Euro, ein Ende der Schuldenbremse, kostenlose öffentliche Verkehrsmittel und eine Vermögensabgabe.

Am Sonntag soll dann das Wahlprogramm beschlossen werden. Außerdem werden auch die Spitzenkandidatin und Co-Parteichefin Janine Wissler sowie der Spitzenkandidat und aktueller Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch zu den Delegierten sprechen.

Quelle: MDR, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2021 | 14:30 Uhr

12 Kommentare

Critica vor 5 Wochen

"Ohne die Partei würden Millionen Menschen in Deutschland weiter in Armut leben müssen."
Große Worte kurz vor Wahlen! Die Linke gibt es seit dreißig Jahren. Und was ist in dieser Zeit von ihr gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit ausgegangen? Das beantworte sich ein jeder selbst.
Mir hat die Rede von Frau Wagenknecht gefallen. Sie hat Recht, wenn Sie sagt, für das Klima sind die Grünen da und nicht die Linke. Die Linke solle sich um das kümmern, wofür sie einmal angetreten ist.
Frau Wagenknecht wäre eigentlich die "richtige Parteivorsitzende". Frau Hennig vergiftet die Partei.

Gerald vor 5 Wochen

Es ist nur eine Frage der Zeit, wo spd und die linke fusionieren werden! Vielleicht schneller als man denkt! Sonst kann es schnell passieren, daß beide Parteien in die Bedeutungslosigkeit fallen!

vermittler vor 5 Wochen

Der Antrag der Linksjugend zur Abschaffung der Schaumweinsteuer wurde abgesegnet. Begründung: Die wurde 1902 einegführt, um die kaiserliche Marine zu finanzieren. Also linkskonsequent antimilitaristisch ... oder oder will die linke Jugend einfach für weniger Geld besoffen sein?
Wenn ersteres zutrifft, bitte wirklich konsequent sein! Jegliche Steuer wurde historisch betrachtet irgendwann mal von der herrschenden Klasse eingeführt, um ihr üppiges Leben von der arbeitenden Klasse zu finanzieren. Also, warum habt Ihr nur einen Antrag gestellt? :-) Zu tief ins Glas geschaut?

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