Die Linke Pellmann: Linke muss sich Vernachlässigten stärker zuwenden

Ohne Sören Pellmann wäre die Linke nicht mehr im Bundestag vertreten – nur dank drei gewonnener Direktmandate bei der Bundestagswahl erlangte die unter fünf Prozent gebliebene Partei einen Fraktionsstatus. Pellmann holte das Direktmandat in Leipzig. Nun will er Parteichef werden. Sein Ziel sei, die Linke müsse wieder stärker für die Vernachlässigten da sein. Außerdem seien mehr Kommunikation und Kompromissbereitschaft nötig.

Sören Pellmann (Die Linke) steht vor dem Karl-Liebknecht-Haus seiner Partei in Leipzig.
Sören Pellmann: Die Linke muss konsequent die Interessen jener vertreten, die nicht von den herrschenden Verhältnissen profitieren. Bildrechte: dpa

Der Leipziger Bewerber um den Linken-Parteivorsitz, Sören Pellmann, will die Partei wieder stärker an den Interessen der Vernachlässigten der Gesellschaft ausrichten. Pellmann sagte MDR AKTUELL: "Wir haben in den letzten Jahren viel Vertrauen bei den Menschen verloren, für die wir uns als Partei ursprünglich gegründet haben, insbesondere in der erwerbstätigen Bevölkerung, bei Rentnerinnen und Rentnern, bei Erwerbslosen." Die Linke müsse deutlich machen, dass sie "konsequent die Interessen derer vertritt, die von den herrschenden Verhältnissen nicht profitieren."

Kommunikation und Kompromissbereitschaft haben gefehlt

Zugleich betonte Pellmann, er und der Leipziger Stadtverband hätten in der Messestadt das "wichtige dritte Direktmandat" nur deshalb errungen, "weil wir über Milieugrenzen hinweg erfolgreich waren". Dafür bedürfe es "viel Kommunikation und Kompromissbereitschaft – Eigenschaften, die in der Bundespartei in der jüngeren Vergangenheit nicht immer gelebt wurden." Pellmann sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, für einen Neuanfang "alle prominenten Politikerinnen und Politiker unserer Partei mit ins Boot zu holen, dazu gehört auch Sahra Wagenknecht."

Sören Pellmann Die Linke während der Sitzung des Deutschen Bundestags 7 min
Bildrechte: imago images/Christian Spicker

Überrascht von Gegenkandidatur

Über seinen Konkurrenten um den Parteivorsitz, den Europabgeordneten Martin Schirdewan, sagte Pellmann, er sei von dessen Kandidatur "eher überrascht" gewesen. Dieser mache "in Brüssel – auf europäischer Ebene – einen guten Job." Pellmann fügte hinzu: "Meine Stärke liegt in der Verankerung auf lokaler Ebene."

Er habe "das Ohr direkt bei den Menschen und an der Basis der Gesellschaft". Zudem habe er bundesweit mit Genossinnen und Genossen über seine Kandidaturabsicht gesprochen, ehe er sie den Medien gegenüber artikulierte. Das sei ein zentraler Aspekt seiner Arbeit: "Ich möchte klar und direkt kommunizieren. Sowohl in die Gesellschaft als auch in die Linke".

Vier Bewerbungen für die Doppelspitze

Die Linke ist durch eine Serie von Wahlniederlagen, Sexismus-Vorwürfen und dem Rücktritt der Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow in eine Krise geraten. Im Juni will sie auf einem Parteitag in Erfurt den Vorstand neu wählen. Bislang gibt es für die Doppelspitze vier Kandidatinnen und Kandidaten. Neben der amtierenden Parteichefin Janine Wissler, Pellmann und Schirdewan will auch die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Heidi Reichinnek antreten.

MDR Aktuell/dko

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2022 | 06:00 Uhr

38 Kommentare

DER Beobachter vor 5 Wochen

Tacitus, Sie irren wie gewohnt sowohl im Inhalt als auch in Ihren Gesprächspartnern. In welches Sozialsystem bitteschön hätten Leute einwandern können? Bismarcks Sozialstaat ist ein späteres Produkt und ja nachgerade nur deshalb entstanden, der Arbeiterbewegung den Zulauf abzudrehen (was im Gegenteil nicht gelang).

DER Beobachter vor 5 Wochen

Nun ja, Tacitus, es ist doch gerade das "verkommene" Lumpenproletariat im Marxschen Sinne, dass die Wählerklientel zumindest Trumps und Höckes zu größeren Teilen ausmacht.

THOMAS H vor 5 Wochen

OOOO: Ich hoffe, das ich Ihre Zeilen richtig interpretiere und das es, allgemein um die Linke geht und somit stimmt es m. M. nicht, das nie etwas aus Ankündigungen geworden wäre. Allein der Mindestlohn, ist ein Beispiel, welches die Linke, zwar als Opposition, immer wieder gefordert hat. Das dieser eingeführt wurde, ist somit auch ein Verdienst dieser Oppositionspartei. Das große Problem ist nur, daß die Linke, sich ihre Erfolge, auch wenn sie nicht direkt als Regierungspartei dabei war, nicht ausreichend auf die eigene Fahne geschrieben hat und dies, somit immer wieder in die Öffentlichkeit getragen würde.

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