Entlastung Wirtschaft unterstützt Lindner-Pläne für höhere Pendlerpauschale

Uta Georgi, Moderatorin, Autorin, Nachrichtensprecherin
Uta Georgi, Moderatorin, Autorin, Nachrichtensprecherin Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Während die Preise für Benzin und Diesel in diesen Tagen Rekordwerte erreicht haben, hat Bundesfinanzminister Christian Lindner die Debatte um die Pendlerpauschale neu angeschoben. Wirtschafts- und Sozialverbände fordern schon seit langem Änderungen, denn die Pauschale deckt für viele Arbeitnehmer nicht mehr die Kosten ab, die sich mit der Fahrt zur Arbeit verbinden.

Es sind schwere Zeiten für Pendler, bei den Rekordpreisen, die für Benzin oder Diesel momentan zu Buche schlagen. Fast 20 Millionen Menschen pendeln jeden Tag zur Arbeit. Das heißt, sie wohnen nicht an dem Ort, an dem sie auch arbeiten. Eine überwiegende Mehrheit fährt mit dem Auto.

Mittelstand ist auf Pendler angewiesen

Viele Firmen sind auf diese Arbeitskräfte angewiesen, sagt Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer vom Mittelstandsverband BVMW. Vor allem auf dem Land sei dies der Fall. Dabei träfen die derzeit höheren Kosten vor allem die Arbeitnehmer. Jerger fordert deshalb von der Bundesregierung diese zu entlasten: "Es sollte so aussehen, dass bereits ab dem 1. Kilometer die Pendlerpauschale bezahlt wird und auch eine gewisse Reformierung stattfindet, dass die mit 40 Cent vergütet wird. Und ich sage ihnen auch den Grund: Viele mittelständische Unternehmen sitzen auf dem Land und brauchen deshalb die Pendler. Sie brauchen die Arbeitnehmer und wenn das wegfallen würde oder nicht reformiert ist, trifft das die Arbeitnehmer, die die Kosten haben, insbesondere derzeit höhere Kosten, und deshalb müssen Herr Lindner, aber auch die anderen Koalitionspartner, hier für Entlastung sorgen."

Viele mittelständische Unternehmen sitzen auf dem Land und brauchen deshalb die Pendler.

Markus Jerger I Bundesgeschäftsführer Mittelstandsverband BVMW

Zur Zeit können sich Arbeitnehmer für Fahrten zur Arbeit pro Arbeitstag für jeden Kilometer der Anreise 30 Cent vom Finanzamt zurückholen. Ab dem 21. Kilometer gibt es seit letztem Jahr je 35 Cent.

Steuerzahlerbund fordert 40 Cent je Kilometer

Aus Sicht der Arbeitnehmer ist das zu wenig, sagt Daniela Karbe-Geßler vom Steuerzahlerbund: "Wir vom Bund der Steuerzahler fordern schon seit vielen Jahren die Anhebung der Pendlerpauschale auf 40 Cent je Kilometer und das bereits ab dem 1. Kilometer. Insofern sind wir der Auffassung, dass die Aussage, die Herr Lindner jetzt gestellt hat, richtig ist. Diese Anhebung für 40 Cent wäre insofern ein Inflationsausgleich erstmal und die gestiegenen Energiepreise und Benzinpreise würden so zurückgegeben werden – an denen verdient ja der Staat auch mit."

Solzialverband hält Pauschale für ungerecht

40 Cent Pendlerpauschale für jeden gefahrenen Kilometer zur Arbeit – die Summe hat der Bund der Steuerzahler anhand der Inflation der letzten Jahre errechnet. Darauf weist der Sozialverband Deutschland hin. Er bringt eine andere Unterstützung ins Spiel. Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland meint: "Entfernungspauschalen sind deshalb ungerechtfertigt, weil sie die Einkommensunterschiede auch unterschiedlich werten und jemand mit einem hohen Einkommen besser damit fährt als jemand mit einem niedrigen Einkommen, einem Einkommen bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.744 Euro. Wer weniger als 9.744 Euro verdient, kann überhaupt nicht von dieser Pendlerpauschale profitieren. Wir erwarten deswegen eine Reform dieser Pendlerpauschale und, dass sie zu einem Mobilitätsgeld umgeformt wird."

Entfernungspauschalen sind ungerechtfertigt, weil sie die Einkommensunterschiede auch unterschiedlich werten.

Adolf Bauer I Präsident Sozialverband Deutschland

Mit diesem Mobilitätsgeld sollte nach Ansicht des Sozialverbandes jeder Arbeitnehmer anstelle der Pendlerpauschale 10 Cent geltend machen können, für jeden Kilometer, den er zur Arbeit zurücklegt. Ganz egal, wie hoch sein Einkommen ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Februar 2022 | 07:06 Uhr

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