Digitale Verwaltung Personalausweis aufs Smartphone – ab Herbst auf einigen Handys

Der digitale Personalausweis soll ab Herbst auf dem Smartphone nutzbar sein, das hat der Bundestag beschlossen. Höchste Zeit, denn bisher ist der digitale Ausweis vor allem eins: kompliziert. Kritiker befürchten jedoch, dass auch die Smartphone-Variante den digitalen Behördengang nicht ermöglichen wird. Stand jetzt funktioniert der Smartphone-Perso nämlich nur auf einigen wenigen Samsung-Geräten. Und auch in Zukunft könnten kompatible Handys teuer sein.

Ein deutscher Personalausweis wird in die Kamera gehalten
Den digitalen Personalausweis soll es ab Herbst auch auf dem Smartphone geben – zumindest auf einigen wenigen. Bildrechte: imago images / photothek

Es könnte so einfach sein: Mit ein paar Klicks das neue Auto zulassen oder nach dem Umzug nicht noch beim Bürgeramt warten, sondern einfach am Smartphone ummelden. Eigentlich geht das schon seit 2010: Damals wurde der E-Personalausweis eingeführt. Damit kann man sich online rechtssicher ausweisen. Nur nutzt das bisher kaum jemand. Gerade einmal ein Viertel der Deutschen hat die Funktion aktiviert.

Umständige Nutzung des digitalen Personalausweises

Es ist bisher einfach zu umständlich, sagt Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Das beginne schon bei der Freischaltung: "Meistens haben sich die Leute – jedenfalls in der letzten Zeit – diese Nummer geben lassen, aber die Nutzung ist kompliziert. Sie müssen das angeben, Sie müssen das ja nicht machen. Dann brauchen Sie ein zusätzliches Lesegerät, mit dem iPhone können Sie das gar nicht machen, nur über den Computer", zählt Landsberg die bisherigen Probleme auf. "Das haben die wenigsten Menschen gemacht." Das Mobile sei das Entscheidende und deswegen sei es gut, wenn das jetzt aufs Smartphone komme. Seit 2017 können als mobile Zwischenlösung zwar auch NFC-fähige Smartphones mit einer speziellen App als Kartenlesegerät genutzt werden, aber dennoch muss der Personalausweis dafür jedes Mal neu gescannt werden.*

Das Smartphone soll den Online-Ausweis massenfähig machen, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster. Ab Herbst dieses Jahres soll der Handy-Personalausweis starten. Das werde ganz einfach sein. Man müsse einmal den Personalausweis auf das Handy übertragen. Dafür gebe es eine spezielle App und dann könne man sich überall ganz einfach mit dem Smartphone und einer PIN identifizieren.

Bis Ende 2022 müssen alle Behördengänge online angeboten werden

Allerdings muss die Behörde den Online-Service dann auch anbieten. Das ist längst nicht immer und überall der Fall und regional sehr unterschiedlich. In Sachsen und Thüringen kann man zum Beispiel Bafög beantragen, in Sachsen-Anhalt aber noch nicht. Rudolf Schleyer von der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister sagt, "da ist mit Sicherheit noch ein großer Nachholbedarf. Sie müssen davon ausgehen, dass bis Ende 2022 nach dem Onlinezugangsgesetz alle Behördenleistungen online angeboten werden müssen. Das heißt also, hier haben die Behörden auch eine gesetzliche Verpflichtung, dies zu realisieren. Aber da ist noch ein weiter Weg hin."

Der Handy-Ausweis sei keine Mehrbelastung für die Behörden, erläutert Schleyer. Sie nutzen dieselben Schnittstellen wie bisher. Im Gegenteil: Je mehr Menschen die Online-Variante nutzen, desto besser für die Behörden.

Handyausweis braucht spezielle Hardware – die fast niemand hat

Doch es gibt auch Kritik: Der Chaos Computer Club bemängelt etwa, dass die Bundesregierung eine weitere Insellösung schaffe. Und dann ist da noch ein großes Problem: Der Handy-Personalausweis baut auf ein System, das zwar als sicher gilt, dafür aber eine bestimmte Hardware braucht. Die haben aber bisher nur wenige Modelle des Herstellers Samsung. Und das kann zum Problem werden, meint Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

"Es wird sich nur durchsetzen, wenn im Prinzip alle Handys das können." Wenn es wegen Sicherheitsproblemen auf sehr alten Smartphones nicht ginge, sei das okay, "aber für die Masse der Handys muss das funktionieren, sonst wird das – jedenfalls mittelfristig – ein Flop."

Wenn der Handy-Personalausweis im Herbst dieses Jahres kommt, werden jedenfalls nur sehr wenige ein Smartphone besitzen, mit dem man ihn nutzen kann – ganz egal wie neu es ist. Und selbst, wenn die anderen Hersteller nachziehen, könnten das künftig vor allem neue, hochpreisige Modelle sein. Und die kann oder will sich nicht jeder leisten.

Quelle: MDR AKTUELL

* In einer früheren Version des Artikels stand, dass der Online-Ausweis derzeit mit einem extra Kartenlesegerät genutzt werden könne. Tatsächlich lassen sich seit 2017 auch NFC-fähige Smartphones als Kartenlesegerät nutzen. Der Personalausweis muss aber trotzdem bei jeder Nutzung neu ausgelesen werden. Bei der neuen Variante werden diese Daten jedoch direkt im Smartphone auf einem Chip abgespeichert. Diese Hardware-Lösung wurde von den Bundesbehörden in Zusammenarbeit mit Samsung entwickelt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2021 | 08:22 Uhr

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