Deutscher Pflegetag Pflegeratspräsidentin fordert 4.000 Euro brutto für Pflegekräfte

Der Pflegenotstand verschärft sich immer weiter. In zehn Jahren könnten bis zu 500.000 Pflegekräfte fehlen – schon jetzt sind es 200.000 zu wenig. Der Deutsche Pflegerat sieht drei große Herausforderungen: bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eines bessere Finanzierung des Pflegesystems.

Erschöpftes Pflege-Personal
Der Pflegeberuf ist hart, die Arbeitszeiten sind oft unattraktiv und die Bezahlung ist schlecht – das muss sich ändern, um dem Pflegenotstand zu begegnen, fordert der Pflegerat. Bildrechte: Colourbox.de

Der Deutsche Pflegerat fordert für alle Pflegekräfte einen Lohnzuwachs in Richtung 4.000 Euro. Das sagte die Präsidentin, Christina Vogler, am Mittwoch zum Auftakt des Deutschen Pflegetags. Derzeit verdienten Pflegekräfte zwischen 2.100 und 3.700 Euro. "Pflege ist ein qualifizierter Heilberuf, der hohe Kompetenzanforderungen an das Personal stellt."

Arbeitsbedingungen in der Pflege weiter unattraktiv

Entscheidend für die Attraktivität des Pflegeberufs seien auch bessere Arbeitsbedingungen, so Vogler weiter. Es brauche eine verlässlich finanzierte Personalausstattung in Kliniken und Heimen, aber auch stabile Schichtpläne und Arbeitszeiten.

Auch der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen mahnt bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege an. "Wenn man sich anschaut, warum Menschen heute in der Altenpflege aber auch Krankenpflege nicht mehr arbeiten möchten, dann hat das weniger allein nur mit einer fairen Bezahlung zu tun, sondern es hat vor allem mit den massiv verschlechterten Arbeitsbedingungen zu tun", sagte er im ARD-Morgenmagazin.

Trotz aller Nachbesserungen der vergangenen Jahre habe sich die Arbeitsbelastung der Pflegenden und die Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten "massiv verschlechtert". Dahmen sprach die unbesetzten Stellen auf Intensivstationen an, die es unmöglich machten, alle Betten auch zu nutzen. Der Grünen-Politiker forderte eine "Mindestpersonalbemessung auf den Stationen, die der Tätigkeit angemessen ist".

Pflegerat fordert neues Finanzierungskonzept für die Pflege

Pflegeratspräsidentin Vogler fordert von der neuen Bundesregierung ein Konzept, wie Pflege künftig finanziert werden soll. Bereits heute seien es gut 200.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern, Altenheimen und der ambulanten Pflege zu wenig, sagte Vogler in Berlin. Pflegedienste müssten wegen Personalmangels ihre Arbeit einstellen und Abteilungen von Krankenhäusern Betten schließen. In knapp zehn Jahren werde es etwa fünf Millionen Pflegebedürftige geben. Um sie zu versorgen, fehlten dann aber eine halbe Million Pflegekräfte. "Mit dem heutigen Gesundheitssystem werden wir diese Herausforderungen nicht bewältigen können", erklärte Vogler.

Pflege braucht Pflegekammern

Die Pflegeratspräsidentin mahnte sowohl Politik als auch professionell Pflegende in Deutschland zu einer besseren Interessensvertretung der Pflegeberufe im Gesundheitswesen an. Die Pflegenden müssten in politische Entscheidungsprozesse und Entscheidungen innerhalb des Gesundheitssystems stärker eingebunden werden. Dazu brauche es etwa starke Pflegekammern im Bund und den Ländern.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich für Pflegekammern aus und kritisierte, dass Pflegekräfte in mehreren Bundesländern die Gründung von Landespflegekammern abgelehnt hätten. "Mit wem soll ich reden in der Pflege?" Spahn forderte die Pflegerinnen und Pfleger auf, sich stärker zu organisieren und politisch eine stärkere Stimme zu entwickeln. "Jedes Krankenhaus und jedes Altenheim sucht derzeit Personal." Die Pflegekräfte säßen derzeit am längeren Hebel, sagte der Gesundheitsminister.

In Berlin hat am Mittwochvormittag der "Deutsche Pflegetag" begonnen. Bis Donnerstag beraten dort Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden über die aktuellen Herausforderungen in der Branche.

Quelle: dpa/kna/pad

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

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