Querdenken-Demo Leipzig bereitet sich auf 27 Kundgebungen und Versammlungen vor

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

20.000 Teilnehmer werden am Samstag für Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Leipzig erwartet. Dazu dürften noch einige Gegendemonstrationen kommen und ein riesiges Polizeiaufgebot. Die Stadt ist also voll. Und die Stimmung äußerst angespannt.

Blick auf die Innenstadt von Leipzig mit dem Neuen Rathaus (M), dem Wintergartenhochhaus (l) und dem City-Hochhaus (r, ehemals Uni-Riese).
Die Stadt Leipzig bereitet sich auf insgesamt 27 Veranstaltungen und Versammlungen rund um die Querdenken-Demonstration vor. Bildrechte: dpa

Es sei ein "extrem herausforderndes" Versammlungsgeschehen. So nannte der für Ordnung zuständige Bürgermeister Heiko Rosenthal die Anmeldung von insgesamt 27 Kundgebungen und Versammlungen in Leipzig. Ein großer Teil der Kundgebungen gehört zu der Gruppe "Querdenken", die sich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen richtet.

Die Organisatoren der anderen Demonstrationen werfen eben dieser Bewegung Antisemitismus, Rassismus und die Verbreitung von Verschwörungstheorien vor. Diese Konstellation lässt die Sorge vor Gewalt in der Stadt wachsen.

Hubschrauber, Wasserwerfer und Unterstützung von der Bundespolizei

Hinzu kommen weitere Beobachtungen, die die Polizei gemacht habe, sagt Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze: "Es gibt Aufrufe zur Gewalt, die wir wahrgenommen haben. Und wir haben auch wahrgenommen, dass Extremisten sowohl aus dem rechtsextremistischen als auch linksextremistischen Lager sich hier am Versammlungsgeschehen beteiligen wollen."

Dementsprechend groß dürfte die Polizeipräsenz am Samstag in Leipzig sein. Die Leipziger Beamten erhalten Unterstützung aus acht Bundesländern und von der Bundespolizei. Mehrere Hubschrauber sollen über der Stadt kreisen, Wasserwerfer stehen bereit, Bildübertragungstechniken sollen genauso im Einsatz sein wie Lautsprecherwagen.

Polizei appelliert, friedlich zu bleiben

Die Polizei wolle gewaltsames Eingreifen so weit wie nur möglich vermeiden, erklärt Schultze: "Unser Handeln ist geübt auf Deeskalation ausgerichtet. Da behandeln wir politisch neutral. Und unter steter Abwägung betroffener Rechtsgüter. Im Vordergrund steht dabei die Kommunikation."

Der Polizeipräsident appelliert an alle Versammlungsteilnehmer, friedlich zu bleiben. Auch unter den Gegnern der Corona-Maßnahmen gibt es Sorgen vor gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der Sprecher der Gruppe "Bewegung Leipzig", Christian Stolle, erklärt: "Wir distanzieren uns von jeglicher Form der Gewalt."

Veranstalter: nur begrenzte Möglichkeiten gegen rechtsextreme Unterwanderung

Die Gruppe "Bewegung Leipzig" wolle eine respektvolle, friedliche und offene Debatte über die Corona-Politik, sagt ihr Sprecher Stolle: "Wir sehen einfach von allen Seiten, wie sich das radikalisiert und wir denken, wenn das soweit weitergeht, haben wir ein Problem, egal welche Seite am Ende die Oberhand hat."

Doch erst diese Woche hatte der sächsische Verfassungsschutz gewarnt, dass die sogenannten Querdenker-Demonstranten von Rechtsextremisten unterwandert würden.

Auch Christian Stolle kennt diese Situation. Doch sieht er nur begrenzte Möglichkeiten, wie sich die Bewegung dagegen wehren könne: "Wir wollen nicht, dass die Demo als Plattform missbraucht wird, für irgendwelche anderen Zwecke – sei es Reichsbürger, Q, oder sonst was."

Würden die Veranstalter solche Leute sehen, würden sie auf sie zugehen und sie bitten, das zu unterlassen, sagt Sprecher Stolle weiter: "Letztendlich ist es natürlich eine öffentliche Veranstaltung. Und wir können da keinen wegschieben."

Hygienemaßnahmen sollen eingehalten werden

Bei aller Kritik an der Corona-Politik, der Veranstalter "Bewegung Leipzig" will seine die Teilnehmer zum Einhalten der Corona-Hygienemaßnahmen aufrufen. Wer sich dennoch weigert, Maske zu tragen und Abstand zu halten, dürfte sich drauf gefasst machen, von der Polizei ermahnt zu werden.

Doch erst, wenn wirklich die breite Masse der Demonstranten gegen die Hygieneschutzregeln verstößt, wollen Polizei und Stadt die Kundgebungen auflösen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. November 2020 | 05:00 Uhr

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