Neue Neonazi-Entwicklung Warum Rechtsextreme für Mitteldeutschland werben

Rechtsextreme Siedlungsprojekte sind nichts Neues. Seit Jahren beobachten Verfassungsschützer, dass Neonazis im ländlichen Raum Immobilien kaufen und dazu aufrufen, gemeinsame Wohnprojekte und Siedlungen zu gründen. Nun aber warnt der Verfassungsschutz vor einem neuen Trend, in dessen Mittelpunkt eine Kampagne namens "Zusammenrücken Mitteldeutschland" steht.

Der ehemalige Berliner NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke spricht auf der rechtspopulistischen Demonstration «Tag der Nation» des Bündnisses «Wir für Deutschland», 2018 in Berlin.
Sebastian Schmidtke war früher Berliner NPD-Chef. Heute wirbt er dafür, dass Neonazis nach Mitteldeutschland ziehen. Bildrechte: dpa

Sebastian Schmidtke hat sich warm angezogen für seine Wanderung auf dem schneebedeckten Rennsteig. Mit dabei hat er sein Smartphone an einem Selfie-Stick und eine Drohne. So filmt er seine Wanderung und gibt Wandertipps. "Ich habe im Rucksack dabei ein Erste-Hilfe-Set, Toilettenpapier und Durchfalltabletten." Das Video stellt er ins Netz. Schmidtke ist nicht nur gern in der Natur unterwegs. Er ist auch NPD-Politiker und rechtsextremer Aktivist.

Auf Telegram werden Neonazis für Mitteldeutschland angeworben

Sein Video ist eines von vielen, das im Telegram-Kanal der rechtsextremen Initiative "Zusammenrücken Mitteldeutschland" zu sehen ist. Hier zeigen Neonazis auch, wie schön Erzgebirge, Lausitz und Unstruttal sind. Ihr Ziel: Sie wollen Rechtsextreme in Westdeutschland überzeugen, nach Mitteldeutschland zu ziehen.

Den Gedanken dahinter erklärt ein Mann namens Chris, einer der Köpfe der Gruppe, in einem seiner vielen Videos und Podcasts: "Teile Europas sind für uns Europäer fast schon verloren. Lasst uns zusammenrücken, um unsere Art zu erhalten, unser Antlitz, unser Aussehen – um vielleicht in fünf, sechs Generationen wieder eine Stärke zu erreichen."

Das Ziel der Initiative kann man so zusammenfassen: 'Westdeutschland ist an Migranten verloren – kommt nach Mitteldeutschland, hier ist die Welt noch in Ordnung.'

"Schon zahlreiche Personen vermittelt"

Sie finanziert und organisiert sich durch unterschiedlichste rechtsextremistische Gruppierungen, teilt der Verfassungsschutz mit. Sie will Kontakte herstellen, Neonazis in den Osten vermitteln.

In einem Podcast erklärt Neonazi Chris, dass die Gruppe dafür sogenannte Botschafter in den einzelnen Regionen Mitteldeutschlands habe. "Es wurden mittlerweile schon zahlreiche Personen vermittelt. Es gibt viele, die sich eine Wohnung in Mitteldeutschland genommen haben, einige, die sich ein Haus gekauft haben." Seit einem Jahr gibt es die Initiative. 100 Personen will "Zusammenrücken Mitteldeutschland" seitdem schon vermittelt haben. Eine Dortmunder Neonazi-Größe zog kürzlich nach Chemnitz.

Rechtsextreme Ideologien werden in Gemeinden verankert

Wie erfolgreich die rechtsextreme Gruppe wirklich ist, lässt sich schwer sagen. Doch der sächsische Verfassungsschutz beobachtet sie genau, so Behördensprecherin Patricia Vernhold.

Durch aktives Handeln dieser Personen in der Dorfgemeinschaft, beispielsweise im örtlichen Vereinsleben, besteht die reelle Gefahr, dass es ideologisch gefestigten Rechtsextremisten durchaus gelingen kann, [...] rechtsextremistische Ideologieelemente in die Mitte der jeweiligen Dorfgemeinschaft zu tragen.

Patricia Vernhold, Sprecherin des Landesamts für Verfassungsschutz Sachsen

Vor allem im Landkreis Mittelsachsen hätten sich in den letzten Jahren Neonazis angesiedelt, teilt der Verfassungsschutz weiter mit. Orte oder andere Details will die Behörde nicht nennen. Doch geholfen habe dabei auch "Zusammenrücken Mitteldeutschland". Weitere derartige Umzüge seien nicht ausgeschlossen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. März 2021 | 06:14 Uhr

189 Kommentare

MDR-Team vor 7 Wochen

Liebe Jana,
danke der Nachfrage. Die Aussage "haltlos" bezieht sich darauf, dass Lavendel im Kommentar sagt "Dazu kommen die ewigen "Jammerossis", die mal grundlos und mal aus Prinzip beklagen, was man ihnen angeblich alles angetan hat, als man IHREN maroden Staat in einen anderen Staat integrieren musste. Dazu kommt, dass es auf dem Gebiet der DDR keine wirklich kritische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Nazis gab."
Solche Aussagen verallgemeinern sehr stark. Sie verunglimpft einerseits Ostdeutsche als "Jammerossis". Darüber hinaus zeigt alleine der Artikel, als auch die Kommentare vieler Kommentierenden, dass es sehr wohl eine Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus in Ostdeutschland gibt.
Wenn Sie konkrete Kommentare hier zu beanstanden haben, weisen Sie und auf die konkreten Kommentare hin. Wir sehen die gerne nochmal durch.

Grüße Ihr MDR.de-Team

MDR-Team vor 7 Wochen

Liebe Jana, bitte nennen Sie konkrete Beispiele. Ansonsten ist das eine haltlose Behauptung, die Sie hier zur Diskussion stellen.

Grüße Ihr MDR.de-Team

Hansi63 vor 7 Wochen

und Ihr Links Grünen macht es genauso, wehret den Anfängen, bei den Linken/Kommunisten oder wie auch immer sie sich nennen, gab es keine KZ's........nein da hießen sie Gulag oder Umerziehungslager, siehe UDSSR, VR China, Nordkorea oder DDR....keine Lager aber Haftanstalten für Politische Häftlinge.

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