Fußball-EM UEFA-Verbot für Regenbogen-Arena in München löst Kritik aus

Weil es ein konkretes politisches Statement sei, hat die UEFA verboten, das Münchner Fußballstadion zum EM-Spiel Deutschland-Ungarn in den Regenbogenfarben zu beleuchten. Das rief Kritik hervor. Die Stadt, mehrere Fußballklubs und andere Vereine kündigten Aktionen für die Gleichstellung homosexueller und transsexueller Menschen an.

Die Hülle der Allianz Arena leuchtet anlässlich des Christopher Street Days in Regenbogenfarben.
So sollte sie am Mittwochabend aussehen – die Arena in München Bildrechte: dpa

Die Entscheidung der UEFA, das Münchner Fußballstadion beim EM-Spiel Deutschland-Ungarn nicht in den Regenbogenfarben leuchten zu lassen, hat für heftige Kritik und Gegenreaktionen gesorgt.

Regenbogenflaggen für die Zuschauer

Mehrere deutsche Fußball-Bundesligisten wollen stattdessen ihre Arenen beleuchten. Zudem sollen das Münchner Rathaus in Regenbogenfarben beflaggt sowie der Olympiaturm und das Windrad nahe dem Stadion beleuchtet werden.

Ein Mann hält eine große Regenbogenfahne.
Flaggen statt Beleuchtung: Amnesty und CSD wollen Regenbogenfahnen an Fans verteilen. Bildrechte: imago images/NurPhoto

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International will zusammen mit dem Verein "Christopher Street Day Deutschland" Regenbogenfahnen an die Besucherinnen und Besucher des Spiels in München verteilen.

Der Deutsche Fußball-Bund kündigte an, die Verteilung der Flaggen zu unterstützen. Interimspräsident Rainer Koch erklärte, es sei nach der UEFA-Entscheidung umso wichtiger, "dass wir jetzt sehr klar machen, dass wir in Deutschland deutlich sichtbare Zeichen setzen wollen".

Münchens OB nennt UEFA-Entscheid beschämend

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nannte es beschämend, dass die UEFA es der Stadt verbiete, mit der Beleuchtung ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz zu setzen.

Dieter Reiter
Dieter Reiter Bildrechte: dpa

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder twitterte: "Schade, dass die Münchner Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten darf. Das wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen."

Auch der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, sagte, die UEFA verspiele damit die Gelegenheit, "ein deutliches Zeichen für Toleranz und gegen Homophobie und LSBTIQ-Feindlichkeit im Fußball zu setzen". Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock rief das ganze Land zur bunten Beflaggung auf.

Gary Lineker: Macht es trotzdem – die können uns mal

München wurde zudem von mehreren Seiten aufgefordert, trotz Verbots das Stadion in Regenborgenfarben zu tauchen. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zur Erforschung von geschlechtlicher und sexueller Diversität erklärte, damit würde "aktiv ein Zeichen gegen Homofeindlichkeit" gesetzt. Auch der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Volker Jung, äußerte die Hoffnung, dass das Stadion am Mittwoch trotz des Uefa-Verbots bunt erstrahlt: "Das kostet dann wohl eine Strafe. Aber die wäre es in diesem Fall wert." Und Englands Fußball-Ikone Gary Lineker twitterte: "Macht es trotzdem – die können uns mal" und in einem zweiten Tweet schrieb er, das Stadion leuchten zu lassen, damit die Welt das sieht.

UEFA verweist auf konkreten politischen Kontext

Die UEFA hatte zuvor entschieden, dass das Stadion in München beim Spiel der DFB-Auswahl gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen darf. Zur Begründung hieß es, die UEFA sei "eine politisch und religiös neutrale Organisation". Die Anfrage der Münchner Stadtratsfraktionen sei in einem politischen Kontext erfolgt, der mit einer Botschaft einhergehe, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abziele. Daher müsse die UEFA die Anfrage ablehnen. Diese Begründung hatte auch DFB-Interimschef Koch verteidigt.

Andere Entscheidung im Fall Neuer

Im Fall des deutschen Nationaltorhüters und Mannschaftskapitäns Manuel Neuer hatte die UEFA noch anders entschieden. Zunächst waren gegen Neuer Ermittlungen eingeleitet worden, weil dieser eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben trug. Wenig später erklärte die UEFA, die Überprüfungen seien eingestellt worden. Die bunte Armbinde sei ein "Zeichen der Mannschaft für Vielfalt" und werde damit als "good cause" bewertet. Die UEFA erklärte, auch sie unterstütze das Anliegen und schlug der Stadt München vor, das Stadion an anderen Tagen in den Regenbogenfarben zu beleuchten.

Ungarn begrüßt UEFA-Entscheidung

Ungarn begrüßte die Entscheidung der UEFA. Außenminister Péter Szijjártó sagt, die Verantwortlichen hätten ihren nüchternen Verstand bewahrt und die richtige Entscheidung getroffen: "Man hat entschieden, sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen."

Hintergrund: Neues Gesetz in Ungarn

Die Stadt München hatte mit ihrer Aktion nach eigenen Aussagen ein "weithin sichtbares Signal" gegen die Benachteiligung von homosexuellen und transsexuellen Menschen in Ungarn setzen wollen. Hintergrund ist ein aktuell beschlossenes Gesetzespaket, das homosexuelle Darstellungen in Büchern und Filmen verbietet, die Jugendlichen zugänglich sind. In der Werbung darf Homo- oder Transsexualität zudem nicht als Teil einer Normalität gezeigt werden. 13 EU-Staaten, darunter Deutschland, haben die Europäische Kommission inzwischen aufgefordert, umgehend gegen das umstrittene ungarische Homosexuellen-Gesetz vorzugehen.

Quellen: dpa/AFP/epd/sid

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 22. Juni 2021 | 19:30 Uhr

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